Einzelhändler halten Raucher für abgestumpft

Ekelbilder bei Zigaretten schocken kaum noch

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Rainer Grüger: "Viele Kunden sind abgestumpft."

Altena - Seit vergangenem Jahr müssen Zigarettenschachteln mit sogenannten Schockfotos „geschmückt“ sein: Kranke Lungen, schwarze Zähne oder Raucherbeine sollen potenzielle Raucher abschrecken.

Einzelhändler zweifeln die Wirksamkeit an – und haben Wege gefunden, mit den Abbildungen umzugehen. Im Laden von Rainer Grüger am Markaner sind viele der Bilder und Warnhinweise mit Blenden abgedeckt. „Die stellen uns die Tabakhersteller zur Verfügung“, erklärt Grüger. Diese Pappschildchen sollen die als kaufschädigend empfundenen Bildchen zumindest im Regal unsichtbar machen. Dass der Verkauf zurückgegangen sei, könne er als Einzelhändler aber nicht feststellen. „Die Raucher sind abgestumpft“, ist er sich sicher. Vermehrt sorgten die großen Warnhinweise allerdings für Spott.

Warnhinweise

 Ähnliches können auch Andrea und Bernd Schlippe berichten, die das Tabakgeschäft im Stapelcenter betreiben – und beide überzeugte Nichtraucher sind. „Wer raucht, der lässt sich nicht so leicht davon abbringen“, sagt Andrea Schlippe. Einige Kunden allerdings füllten ihren Tabak oder die Zigaretten in andere Verpackungen um. „Vor allem viele Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder tagtäglich mit solchen Aufnahmen konfrontiert werden“, erklärt Bernd Schlippe. Das Ehepaar Schlippe verkauft auch sogenannte „Smokeshirts“: Hüllen, in die die Zigarettenschachtel gesteckt werden und die auch auf eine große Nachfrage bei der Kundschaft treffen. Eine Zeit lang hat seine Frau sogar selbst solche Hüllen hergestellt und verkauft – dazu fehlte dann aber die Zeit. Dass die Schockfotos eine nachhaltige Wirkung haben, bezweifeln beide. „Es ist wie mit den hohen Steuern oder den warnenden Texten: Das hält niemanden vom Rauchen ab.“

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