Einwohnerzahl: Was macht Hemer besser als Altena?

Blick über die Stadt Hemer: Sie erfreut sich großer Beliebtheit bei ihren Bürgern und legt im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen bei der Einwohnerzahl zu.

ALTENA - Der Sauerlandpark kann es nicht sein - den gibt es erst seit drei Jahren. Die Massenunterkunft für Asylbewerber auch nicht, dort leben „nur“ 500 Menschen. Um mehr als das Zehnfache dieses Wertes ist die Einwohnerzahl von Hemer in den letzten 30 Jahren gestiegen.

32594 Menschen lebten 1981 in der Felsenmeerstadt, Ende 2011 waren es 37920 – ein Anstieg von über 16 Prozent. Der kreisweite Einwohnerzuwachs für diesen Zeitraum fällt mit 1,1 Prozent vergleichsweise mickrig aus. Altena verlor in drei Jahrzehnten sogar 25 Prozent seiner Einwohner, auch die übrigen Kommunen auf der Lenneschiene verzeichneten Einbußen.

„Wir haben keinen Masterplan zur Steigerung der Einwohnerzahlen oder sowas“, versichert Marc Giebels, der Pressesprecher der Nachbarstadt. Er kann sich den Aufschwung auch nicht so recht erklären. Hemer sei im Laufe der Jahr immer attraktiver geworden, sagt er und verweist nicht nur auf den Sauerlandpark, die Milderung einstiger innerstädtischer Verkehrsprobleme und die positive Entwicklung der Innenstadt. Letztere ist in der Tat bemerkenswert: Eine große Textilkette betreibt in Hemer ein Kaufhaus, auch sonst ist das Sortiment einigermaßen komplett und die Leerstandsquote überschaubar – und das trotz der Nähe zu den weitaus größeren Städten Menden und Iserlohn und der Tatsache, dass auch die Einkaufsmetropolen Hagen und Dortmund über die A46 gut zu erreichen sind.

Die Einwohnerentwicklung einer Kommune wird von zwei Faktoren bestimmt. Da ist zum einen das Verhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen – in Hemer ist das im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen noch einigermaßen ausgeglichen. Zum anderen ist natürlich wichtig, wie die Wanderungsbewegungen aussehen. Auch hier kann Hemer punkten, es ziehen mehr Menschen zu als weg. 4518 Neubürger konnten zwischen 2007 und 2011 begrüßt werden, im gleichen Zeitraum kehrten 4469 Menschen der Nachbarstadt den Rücken - Zahlen, die wegen des hohen Umschlags in der Asylbewerberunterkunft atypisch hoch, in der Tendenz aber eindeutig sind.

Das „Kommunalprofil Hemer“ gibt auch Auskunft darüber, woher die neuen Hemeraner eigentlich kommen. Die jüngsten Daten stammen aus dem Jahr 2009. Den meisten Zuwachs erhielt die Felsenmeerstadt in jenem Jahr aus Siegen, es folgt Altena als einzige direkte Nachbarstadt, die Einwohner an Hemer abgeben musste. 21 Altenaer übersiedelten dorthin, umgekehrt zog es nur 16 Hemeraner in die Burgstadt.

Mit ein Grund für den Einwohnerzuwachs könnte die großzügige Förderung sein, die Hemer den Erbauern von Eigenheimen zukommen lässt. Zurzeit wird ein kleineres Baugebiet in Deilinghofen vermarktet – eine Aufgabe, die man der Sparkasse Hemer/Menden übertragen hat. Die kann gerade junge Familien mit großzügigen Anreizen locken: Bis zu 15000 Euro Zuschuss erhalten die, wenn sie in Deilinghofen bauen – klingt gut, relativiert sich aber: Mit Preisen von 139 bis 159 Euro pro Quatradmeter sind die Grundstücke deutlich teurer als die, die von der Stadt Altena auf dem Nettenscheid angeboten werden.

Auf einen Positiv-Faktor ist man in Hemer übrigens besonders stolz: Im Zusammenhang mit der Landesgartenschau hat man das Forsa-Institut ermitteln lassen, wie die Hemeraner ihre Stadt eigentlich selber sehen. Ergebnis: 81 Prozent der Einwohner leben gerne dort – ein überdurchschnittlich hoher Wert.

von Thomas Bender

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