Einstimmen aufs grün-weiße Hochfest

Bunt und fröhlich: Das Kränzebinden, hier in der Rahmede.

ALTENA ▪ Was wäre ein Schützenfest ohne das Schießen? Und was wäre die Vorbereitungs- und Planungszeit für das grün-weiße Hochfest ohne das Kränzebinden? Tatsächlich geht diese Tradition ins 18. Jahrhundert zurück – damals, als König Friedrich Wilhelm einst Altena besuchte.

„Ihm zu Ehren wurden an verschiedenen Stellen in der Stadt Ehrenbögen errichtet“, hat Klaus Knipping, Hauptmann der Altenaer Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft, in seinem dicken Schützenbuch nachgeschlagen, um dem Ursprung des Kränzebindes auf den Grund zu gehen. Am 31. Mai 1788 bereiteten die Altenaer dem Regenten einen wahrlich königlichen Empfang. „Mädchen und Jungen hatten die Ehrenpforten gefertigt, sangen Lieder und sagten Gedichte auf“, weiß Knipping. Bilder aus der damaligen Zeit liegen ihm zwar nicht vor, aber der Hauptmann geht davon aus, dass die Kränze damals aus Tannengrün mit Blumen besteckt waren.

In Berichten aus dem 19. Jahrhundert wird erstmals erwähnt, dass zum Schützenfest auch für die Vorstandsmitglieder der Schützengesellschaft Ehrenpforten mit Kränzen errichtet und gebunden werden. „Allerdings nur von unverheirateten Frauen und Männern“, berichtet Knipping von den damaligen Voraussetzungen, am Kränzebinden teilnehmen zu dürfen. „Aus der Litatur geht hervor, dass dieser Punkt des Reglements oft zu Debatten bei Vorstandssitzungen geführt habe.“ An einer anderen Stelle wird erwähnt, dass während des Kränzebindes „das viele Trinken und die Völlerei“ abgestellt werden sollten.

Die ersten Fotos zum Kränzebinden tauchen in der Schützenchronik ab 1900 auf. „Sie sehen aus wie die Kränze, die wir heute kennen“, beschreibt Knipping – Buntpapier, das in liebevoller Kleinarbeit zu einer prächtigen Krone gebunden wird. Weshalb aber stets vom „Kränzebinden“ und nicht vom „Kronenbinden“ gesprochen kann sich der Hauptmann nur so erklären: „Ich gehe davon aus, dass die Kronen früher als Kränze bezeichnet wurden.“

Noch bis 1956 wurden die Kränze – oder Kronen – ausschließlich von unverheirateten Frauen und Männern gebunden. „Zum Schützenfest im Jahr 1956 wird darüber nochmals berichtet. Dann hat es sich aber irgendwann eingschlichen, dass auch Verheiratete mitmachten“, so Knipping. Heute kommen zum Kränzebinden Jung und Alt, Verheiratete wie Unverheiratete in lockerer Rund zusammen. Dabei wird jedem Vorstandsmitglied eine Krone gebunden. „Wer die Königs- und die Königinnenkrone bindet wird unter den Kompanien ausgelost“, erklärt der Hauptmann die Vorgehensweise. Im Vergleich zu den Gebinden für die Vorstandsmitglieder sind die Kronen der Regenten aber gold und silber.

Doch lockt nicht nur die „Bastelarbeit“ zum Kränzebinden. Bei den sieben bis acht und mehr Treffen stimmen sich die Schützen schon einmal auf ihr großes Fest im Sommer ein. Heitere Spiele und Musik sorgen bei diesen kleinen Feiern der Kompanien im Vorfeld des Hochfestes nicht selten für Kurzweil. ▪ Von Susanne Riedl

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