Einschulung: Rektor Wilbers blickt auf seinen ersten Schultag zurück

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Rektor Wolfgang Wilbers erinnert sich an seinen ersten Schultag.

Altena – Großer Tag für die Erstklässler: Heute startet für sie die Schule. Meistens sind es maximal 25 Kinder pro Klasse. Früher waren es doppelt so viele. Erinnerungen eines Rektors.

Mehr als 100 Kinder werden heute stadtweit eingeschult. Für sie beginnt der viel zitierte „Ernst des Lebens“. Begrüßt werden die Lernanfänger im Mühlendorf und in Dahle durch Rektor Wolfgang Wilbers. Das ist für ihn Alltag seit 1999. Und doch jedes Mal „auch irgendwie besonders“, wie er sagt.

Selbst wurde der 60-Jährige anno 1966 in Wattenscheid in die dortige Switbert-Grundschule eingeschult. „Das war eine katholische Grundschule, die 15 Gehminuten von der Piuskirche entfernt lag. Dort begann auch unser erster Schultag mit einer heiligen Messe“, erinnert sich der Diplom-Pädagoge. „Die evangelischen Kinder hielten woanders in der Stadt Gottesdienst.“ 

Ein Foto mit Wolfgang und Schultüte oder Ledertornister gibt es nicht. „Damals war es nicht üblich, dass auch Väter mit zur Einschulungsfeier gingen. Wir hatten zwar einen Fotoapparat, aber den konnte nur Vater bedienen. Und der musste an diesem Tag arbeiten.“ So hätten ihn eben nur Mutter und Großmutter begleitet. Mama Elisabeth, heute 83 Jahre alt, „hat noch einmal alle Familienalben durchgesehen. Sie hat aber wirklich kein Foto gefunden“, bedauert der Rektor. 

Schultüte - und das war's

Heute surren die Kameras, klicken Handys und Fotoapparate um die Wette, wenn die Kleinen ihre ersten Schritte Richtung Klassenzimmer tun. „Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel nicht selten auch Paten, sind dann dabei und halten meist alles minutiös fest“, sagt Wilbers. Meist, so erzählten die Kinder später im Unterricht, gebe es zuhause noch kleine Feiern und neben der Schultüte auch Geschenke. „Bei uns gab es nach dem ersten Schulschluss nichts von alledem. Alle gingen zur Tagesordnung über.“

 In seiner Schultüte seien damals eine Tafel und bunte Stifte gewesen. „Und Süßigkeiten, obwohl das damals wie heute ungesund war. Aber da hat noch niemand so darauf geachtet.“ 52 Klassenkameradinnen und -kameraden gingen mit Wilbers in „eine Klasse. Da war richtig was los“. 

Und heute? „Wir können Klassen bis 28 hochziehen, aber meist sind 19 bis 25 Kinder im Mittel in einer Klasse. Das hat sich sehr entspannt.“ Dankbar ist der Rektor heute vielen Eltern und den Fördervereinen der Schulen, die für ein kleines Programm abseits der Einschulungs-Feiern sorgen.

Lehrer als Ersatz-Eltern

 „Für mich und meine Begleiterinnen war es anno 1966 unvorstellbar, dass wir Kaffee, heiße Waffeln oder Kuchen angeboten bekamen. Da hat damals keiner dran gedacht.“ An seinen ersten Lehrer – „das war der Herr Betken“ – hat Wilbers „nur gute Erinnerungen“. Er sei so etwas wie ein Ersatzpapa gewesen und habe ihm viel fürs Leben mitgegeben. „Der hat sich um uns gekümmert. Herr Betken fuhr ein großes Auto, und wenn wir auf dem Schulweg waren und es regnete stark, hat er angehalten und uns mitgenommen.“ 

Grundschullehrer und -lehrerinnen seien damals wie heute für ihn so etwas wie „Ersatz-Mamas und -Papas“, meint Wilbers. „Wir leben mit unseren Kindern. Wir lieben sie und kümmern uns um viele Dinge, weil wir auch sehr viel erfahren. Wir teilen häufig Freud und Leid über den Schulalltag hinaus. Auch das hat mir der Herr Betken mitgegeben. Daran erinnere ich mich heute noch dankbar."

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