Mit eingebauter Flohfalle

ALTENA ▪ Im Spätmittelalter kamen Frauen „unter die Haube“, Verheiratete mussten ihr Haar bedecken. Danach wurden die „fadenförmigen Oberhautgebilde“ allerdings zum Spiegel des Zeitgeistes der einzelnen Epochen. Was sich auf den Köpfen der Damen von Welt im Wandel der Zeit so tat, das wird auf der Burg und im Deutschen Drahtmuseum präsentiert, denn an beiden Orten ist die Sonderausstellung „Vom Burgfräulein zum Punk“ zu sehen.

Eröffnet wurde die Ausstellung gestern von Landrat Thomas Gemke, der besonders die Hersteller der Frisuren, das Ehepaar Karin und Rudolf Rofkar und dessen Tochter Manuela Wende aus Springe begrüßte.

Entstanden ist die sehenswerte Sammlung anlässlich eines historischen Marktes in Gronau im Jahr 1998. Dort präsentierten die Friseurmeister bereits 13 Frisuren und zahlreiche historische Werkzeuge. Inzwischen ist die Sammlung auf gegenwärtig 40 verschiedene Frisuren angewachsen. Getragen werden sie von Schaufensterpuppen in historischen Gewändern.

Dr. Agnes Zelck, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Museen, gab einen kurzen Einblick auf die Veränderungen, denen die Haartracht im Laufe von 600 Jahren unterworfen wurde. „Wer schön sein will, muss leiden“, dieses Sprichwort traf besonders auf die Turmfrisuren zu, wie sie die Zeitgenossinnen Marie Antoinettes trugen: Gestützt von Drahtgestellen, mit eingearbeiteten Fallen für Flöhe, mussten sich reisende Damen in den Kutschen unten auf den Boden kauern oder ihren Kopf aus dem Fenster halten.

Aufgelockert wurde die Eröffnung mit „haarigen“ Liedern von der Loreley oder dem glatzköpfigen „August“, vorgetragen vom „Gut gemischt“ aus Lüdenscheid.

Das Ehepaar Rofkar und Manuela Wende, gekleidet in historische Kostüme, beantworteten geduldig die Fragen der zahlreichen Gäste. Anschließend ging es weiter ins Drahtmuseum, wo die Frisurenbeispiele aus der jüngeren Zeit sowie die Arbeitsmittel und Utensilien zum Selbstfrisieren ausgestellt sind.

Kinder können am 13. und 20. November auf der Burg kreative Flechtfiguren entwickeln. Und am 20. März 2011 wird im Festsaal der Burg eine historische Frisurenmodenschau stattfinden.

Die Sonderausstellung wird noch bis Mai 2011 gezeigt, ein Katalog mit vielen Fotos und Hintergrundinformationen ist ebenfalls in den Museen erhältlich. ▪ sis

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