Aus einer Weltreise wurde ein ganz neues Leben

Sina Lengelsen und ihr Ehemann Harrison Brown vor dem eigenen Haus in Melbourne.

ALTENA - „Ich sitze am offenen Küchenfenster und der Pflaumenbaum im Garten blüht. Endlich geht es in Richtung Sommer“, freut sich Sina Lengelsen. Eigentlich wollte sie 2009 „nur“ eine Weltreise machen. Weit kam sie dabei schon, doch bei ihrer zweiten Länderstation blieb sie hängen. Heute ist die 27-jährige gebürtige Altenaerin verheiratet und hat gerade mit ihrem Mann Harrison Brown in Melbourne in Australien ein Haus bezogen.

Als Backpackerin war Sina Lengelsen von 2009 bis 2010 in Australien unterwegs. Nur zwei Wochen nach ihrer Ankunft lernte sie ihren heutigen Mann kennen. „Das war bei einem Blues-Festival“, erzählt Lengelsen, wie Harrison ihr den teuren Eintrittspreis ersparte und sie seit diesem Tag nicht mehr getrennt waren. Mehr als drei Jahre später wird sie langsam an der australischen Südostküste heimisch. Da sei gar nicht so einfach erzählt die junge Frau freimütig. „Auf der einen Seite will man gerne ankommen und sich voll auf die neue Kultur einlassen. Auf der anderen Seite will man natürlich auch den Kontakt in die Heimat erhalten. Da muss man eine Balance finden.“

Über Skype und Telefon ist der Sprung in die Heimat für die Auswanderin allerdings einfach. Kleinere Schwierigkeiten gab es mit der Oma. „Die rief anfangs immer mitten in der Nacht an“, berichtet Lengelsen von den Schwierigkeiten mit der Zeitverschiebung – Australien ist Deutschland neun Stunden voraus.

„Als Auswanderer bewege ich mich immer zwischen den Kulturen“, sagt Lengelsen nach einem halben Jahr in der neuen Heimat. Als Ziel hat sie sich gesetzt, „aus beiden Kulturen, das anzunehmen, was ihr gefällt.“ So mag sie die Entspanntheit der Australier, will aber auch ihre direkte Art behalten.

Der Weg ans andere Ende der Erde führte Sina Lengelsen nach ihrem Abitur 2005 am Burggymnasium zunächst über Berlin. Dort studierte sie Medienwirtschaft, ehe 2009 die weite Welt lockte. Ein Jahr lang reiste sie mit ihrem Freund durch den fünften Kontinent, arbeitete hier und dort. Dann lief ihr Visum aus und Harrison ließ sich nicht lange bitten – der Australier kam mit nach Deutschland. „Dass es nur ein Aufenthalt auf Zeit werden würde, war uns damals schon klar“, so die Auswanderin. Lengelsen zog es zunächst wieder nach Berlin. Irgendwann reifte dort der endgültige Entschluss nach Down Under auszuwandern und einen neuen Lebensmittelpunkt zufinden. „Die Umsetzung war dann persönlich die größte Herausforderung“, betont Sina Lengelsen und meint die emotionale Ebene, aber auch die bürokratischen Hürden. „Da mussten wir auf 200 Seiten unser ganzes Leben offen legen“, so die Auswanderin über die Bemühungen um für Australien ein permanentes Visum zu erhalten.

Anfang dieses Jahres war es dann soweit und im April erfolgte der Abschied von der deutschen Heimat – zuvor heiratete das Paar. „Das müssen wir hier in Australien nochmal wiederholen, damit die Ehe anerkannt wird. So können wir einmal mit der deutschen Familie und einmal mit der australischen Familie feiern“, freut sich die ehemalige Burgstädterin.

Nach einigen Wochen zur Untermiete bei den Eltern eines Freundes, wurde das Paar bei der Häusersuche „endlich“ fündig. Im Stadtteil Altona liegt ihre neue Heimat nicht weit vom Strand. Arbeitsstellen haben beide auch schon gefunden. Sina arbeitet für die Umweltorganisation „Green Fleet“ als Marketing & Communication Coordinator, während ihr Mann als Personal Trainer beschäftigt ist.

Jetzt freut sich die Auswanderin zunächst nur noch auf eines: „Den Sommer, denn wir haben schließlich fast zehn Monate Winter hinter uns.“

Sina Lengseksen ist auch im Internet zu finden. Unter http://www.sini.wobistdujetzt.com schreibt sie ihren Blog.

von David Schröder

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