Elsa Brändström bekommt Gesellschaft

Eine Frau unter 23 Männern: Ein Blick auf die Altenaer Straßennamen

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Bereits seit 83 Jahren heißt die Straße am Knerling Elsa-Brandström-Straße – korrekt wäre übrigens die Schreibweise Brändström, die oben abgebildete ist allerdings verbreitet. Etwa 70 Jahre lang war sie die einzige Frau mit eigenem Altenaer Straßennamen.

[Update 12.53 Uhr] Altena - Ein Aushang am 24. Mai 1935 in Altena war durchaus revolutionär: Bürgermeister und Stadtinspektor hatten damals bestätigt, dass die "von der Gustav-Selve-Straße nach Nordwesten abbiegende Straße" Elsa-Brandström-Straße genannt wurde. Damit blieb der sogenannte "Engel von Sibirien" jedoch lange Zeit die einzige Frau auf Altenas Straßenschildern.

Anlässlich des Weltfrauentags hat unsere Zeitung einen Blick auf die Straßennamen der Burgstadt geworfen. 83 Jahre lang gab es nur diese eine Straße, die zu Ehren einer Frau benannt wurde. Gibt es in Altena also gar keine Frauen, die eine solche Ehre verdient hätten?

Bereits mehrfach bewiesen Stadtführerinnen das Gegenteil. Unter dem Namen "Starke Frauen in Altena" berichteten unter anderem Stefanie Ingenpaß und Heidi Rostek über die Schicksale der Altenaerinnen. "Darüber weiß man wenig, weil nichts über sie aufgeschrieben wurde", erklärte die Initiative Stadterlebnis Altena einst auf Facebook.

Um Straßen nach Frauen zu benennen müsste allerdings nicht nur in der Burgstadt nach Persönlichkeiten gesucht werden. Justus von Liebig, Friedrich Harkort sowie Alexander von Humboldt sollen am Pragpaul schließlich sogar mit Wandbildern geehrt werden.

Neben Elsa Brändström würden sich also auch Namen wie Marie Curie, Mildred Scheel, Käthe Kollwitz und viele mehr anbieten, wie sie in vielen Städten bereits genutzt werden. Und dennoch blieb Brändström viele Jahrzehnte lang alleine unter Männern.

Wie Stadtarchivarin Monika Biroth mitteilt, wurde der Name bereits am 22. Mai 1935 bekannt gegeben. Nachdem sie sich in Europa bereits einen Namen gemacht hat, lebt Brändström mit ihrer Familie zu diesem Zeitpunkt bereits in den USA.

Stadtarchivarin Monika Biroth hat dieses alte Schriftstück ausgegraben, das den Straßennamen erstmals vorschlägt.

Wer sie ist, ist im Stadtarchiv kurz beschrieben: „Elsa Brändström geb. 1888, Schwedin, schwedische Delegierte des Roten Kreuzes in Rußland (,Engel von Sibirien‘)“, ist dort zu lesen.

Mehrere Straßen in der Vergangenheit umbenannt

Am Knerling leisten ihr unter anderem Friedrich Ebert, Gustav Selve und Joseph von Eichendorff Gesellschaft. Letzterer „übernahm“ 1948 die bis dahin nach Paul von Hindenburg benannte Straße, die Friedrich-Ebert-Straße wurde zwischenzeitlich nach dem NSDAP-Mitglied Albert Leo Schlageter benannt, erhielt ihren ursprünglichen, 1928 vergebenen Namen laut Stadtarchiv aber ebenfalls 1948 zurück.

Sie ist noch nicht so wirklich fertig, aber seit 2005 heißt diese Straße auf Rosmart offiziell „Katharinenstraße“.

Ein Großteil der Altenaer Straßen hat seinen Namen seit vielen Jahrzehnten. Als in den vergangenen Jahren die Idee aufkam, mehr Frauen zu berücksichtigen, waren nicht mehr viele Straßen neu zu benennen. „Die letzte Benennung müsste vor etwa zehn Jahren auf Rosmart gewesen sein“, sagt Roland Balkenhol, bei der Stadt für die Straßenbenennung zuständig. Und tatsächlich bekam Elsa Brändström laut einem Ratsbeschluss vom 25. Oktober 2005 weibliche Gesellschaft: „Planstraße E im Märkischen Gewerbepark Rosmart“, lautet die Beschreibung im Stadtarchiv. Gemeint ist die Katharinenstraße. „Benennung zur Erinnerung an die Schutzheilige der Stadt“, ist als Grund aufgeführt. Fertig gebaut ist die Straße allerdings noch nicht, weshalb sie auch nicht im Telefonbuch auftaucht.

23 Straßen sind in Altena nach Männern benannt. Die Grafen Adolf und Eberhard teilen sich die Nachbarschaft sogar mit zwei weiteren Grafen (Dietrich und Engelbert) sowie Georg Holtzbrinck.

Insgesamt sind laut Roland Balkenhol auf Rosmart fünf Straßen neu benannt worden und das „ein bisschen querbeet“. Eine Straße hat beispielsweise den Namen Homert erhalten. „Im Einmündungsbereich zur Allee befand sich das ursprüngliche Gehöft Homert“, ist die Erklärung aus dem Stadtarchiv dazu. Auch eine Richard-Schirrmann-Straße gibt es dort nun, wie die Rosmarter Allee. Die Namen seien stark davon abhängig, was gerade in Mode ist, erklärt Balkenhol: „Am Breitenhagen gibt es zum Beispiel viele Vogelnamen, das war in den späten 1950er und 1960er Jahren modern. Etwas später wurden die Straßen der oberen Erweiterung nach Orten im Osten benannt.“

Generell sei die Politik aber zu historischen Flurbezeichnungen übergegangen, erklärt er und erinnert an die Umbenennung der Karl-Peters-Straße in „Am Hartenstein“. „Wenn wir neutrale Namen geben, dann gibt es auch keinen Streit“, sagt Balkenhol

„Es gab auch Frauen, die etwas erreicht haben.“ 

Gleichstellungsbeauftragte Anette Wesemann wünscht sich mehr Frauennamen auf den Schildern: „Wenn ein Neubaugebiet entstehen würde, wäre es durchaus angebracht darüber nachzudenken, Straßen nach Frauen zu benennen“, findet Anette Wesemann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Altena. „Ich fände zum Beispiel einen Ulla-Rinke-Platz gut“, macht sie auch gleich einen Vorschlag. Straßen extra umzubenennen, um ihnen Frauennamen zu geben, hält sie jedoch nicht für sinnvoll. „Ich fände das als Anwohner auch nicht so prickelnd, wenn meine Straße umbenannt würde.“

Anette Wesemann.

Frauen, die es verdient hätten, auf Straßenschildern berücksichtigt zu werden, gebe es einige, ist die Gleichstellungsbeauftragte überzeugt. Dass auf Rosmart nun eine zweite Straße nach einer Frau benannt ist, freut Wesemann: „Ich glaube schon, dass das die Wahrnehmung der Menschen beeinflusst. So wird bewusster, dass es auch Frauen gab, die etwas erreicht und bewirkt haben.“ Für die Zukunft wünscht sie sich mehr Benennungen nach Frauennamen. „Durch den demografischen Wandel wird an einigen Stellen Rückbau betrieben. Wenn dort Plätze entstehen, wäre es schön, wenn diese Frauennamen erhalten.“

"Flurnamen sind auch Geschichte"

Auch Ursula Rinke, ehemalige Kulturbeauftragte der Stadt, kann mit den vielen Männernamen wenig anfangen: „Am liebsten sind mir die Flurnamen, das ist ja auch Geschichte“, sagt sie. Besonders wichtig ist ihr das Thema allerdings nicht: „Das war eben früher so. Heute würde man eine Straße vielleicht nicht mehr nach Bismarck benennen. Aber da gibt es andere Sachen, über die ich mich aufregen muss“, sagt sie.

Obwohl Altena nur eine, beziehungsweise offiziell zwei Frauen auf Straßennamen würdigt, ist das schon vergleichsweise viel. In Werdohl gibt es beispielsweise keine einzigen Frauennamen auf Straßenschildern.

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