Ausstellung „Farbenfreude“ soll Mut machen

Ursula Panke und Gunhild Koch (5. und 6. v.l.) freuen sich über die gute Resonanz auf die Ausstellung. Foto: Hornemann

Altena   - Am Himmel die Sonne, am Boden die Schnecke und mittendrin flattert ein Schmetterling – ein fröhliches Motiv wie dieses überlegt sich Uschi Panke oft, wenn sich die Pforten zum Alten Pfarrhaus öffnen und dienstags dort die Kreativgruppe einzieht.

Ein Jahr lang schon wird das Gebäude hinter der Lutherkirche mit Leben und Kunst gefüllt. Seit Dienstag sind die Ergebnisse im Foyer des St. Vinzenz-Krankenhauses zu sehen. Die Teilnehmer der Gruppe überraschen sich selbst – und vor allem andere. Krankheiten haben den Hobbykünstlern viele Fähigkeiten geraubt. Doch die Treffen im Alten Pfarrhaus zeigen, dass sie durchaus noch etwas Neues schaffen können. Auch Menschen, die als nie sehr kreativ galten, haben durch das ehrenamtliche Engagement der Mitwirkenden zu einer neuen Passion gefunden.

Die neue Ausstellung unter dem Titel ,,Farbenfreude” zeigt Farbexplosionen, markante Formen und detailreiche Landschaftsimpressionen. Geschaffen wurden sie von Menschen, die demenzielle Erkrankungen erlitten haben, durch Unfall oder Schlaganfall gehandicapt sind oder seelische Behinderungen haben. Drei Stunden lang sorgt das Team im Alten Pfarrhaus wöchentlich für die kreative Anleitung seiner Gäste. Papier, Leinwände und Farben stehen in vielen Varianten zur Verfügung. Eigene Ideen werden ebenso umgesetzt wie Vorgaben von Uschi Panke. Die Bürgerpreisträgerin hatte mit ihrem Kunstprojekt im Ellen-Scheuner-Haus schon viele Jahre Erfahrung gesammelt, die ihr Mut gaben, die Kreativgruppe Altes Pfarrhaus zu gründen.

Angehörige der Künstler sind um diese Einrichtung sehr froh. Sie finden dienstags durch das Angebot Entlastung. Die Belastung durch die Pflege und Betreuung erkrankter Familienmitglieder wird in der Ausstellung nicht verschwiegen. Ein großformatiger Druck einer Collage, in der Stimmen pflegender Angehöriger eingefangen wurden, gehört ebenso zur Ausstellung ,,Farbenfreude”. Sie ist Teil des Projekts der quartiersnahen Entlastung für pflegende Angehörige - einem Forschungsprojekt, an dem sich die Stadt in Zusammenarbeit mit Pflegeträgern und dem Netzwerk Demenz beteiligt.

,,Diese Ausstellung macht Mut!”, schilderte St. Vinzenz-Chefarzt Jens Linderhaus seinen Gesamteindruck. Das gelte gleichermaßen für Erkrankte und ihre Angehörigen, wie auch außenstehende Betrachter, die noch keine Vorstellung davon haben, wie sich das Leben verändern kann, wenn Krankheit oder Unfall zu einem tiefen Einschnitt führen.

Willkommen ist dienstags im Alten Pfarrhaus übrigens jeder – auch Menschen, die vielleicht gar nicht wissen, wo sie mit ihrem ungenutzten Kreativpotenzial hin sollen. Interessenten können sich auch über das Stellwerk informieren – das ist Kooperationspartner des Projekts.

von Ina Hornemann

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