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Ein Jahr nach der Flut: Die Angst vor dem Wasser bleibt

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Von: Jona Wiechowski

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Elfi und Waldemar Nowak stehen vor ihrem Haus an der Grabenstraße. Die Tür hinter ihnen ist neu. Vorher war hier nur ein Fenster. Zur Garage, in der sie ein Jahr gewohnt haben, geht es jetzt deutlich schneller.
Elfi und Waldemar Nowak stehen vor ihrem Haus an der Grabenstraße. Die Tür hinter ihnen ist neu. Vorher war hier nur ein Fenster. Zur Garage, in der sie ein Jahr gewohnt haben, geht es jetzt deutlich schneller. © Wiechowski, Jona

Gut ein Jahr ist das Jahrhunderthochwasser her, das in Altena massive Schäden angerichtet und das Leben eines Feuerwehrmannes gefordert hat. Der 14. Juli 2021 wird vielen Altenaern für immer in schlimmer Erinnerung bleiben. Mit am härtesten hat es Elfi und Waldemar Nowak an der Grabenstraße getroffen. Die Flut hat ihr Zuhause lange Zeit unbewohnbar gemacht. Gut 100 000 Euro aus verschiedenen Mitteln sind bisher in ihr Haus geflossen. Auch ein Jahr später sind längst nicht alle Arbeiten getan. Und die Angst vor dem Wasser, sie bleibt.

Altena – Ein Jahr ist es her. „Das Wasser kam hier runter wie ein Fluss“, beschreibt Waldemar Nowak, wie der reißende Strom die Nette und schließlich auch die Grabenstraße regelrecht hinunterschoss. Mehr oder weniger durch ihr Haus. Letztlich waren sie machtlos gehen die Wassermassen. Die Versuche, die Flut mit Handtüchern aufzuhalten – vergebens.

Die beiden zeigen auf ihren Handys unzählige Bilder, die das Geschehene dokumentieren. Mehr als hüfthoch stand das Wasser im Haus. Wände sogen sich voll, das Parkett kam hoch, Möbel und Geräte wurden komplett zerstört. Die Badewanne riss es aus der Wand. Alles musste raus.

Kein kleiner Bach, ein reißender Fluss schnellte am Tag der Flut durch die Grabenstraße – und durch das Haus von Elfi und Waldemar Nowak, das hier mittig zu sehen ist.
Kein kleiner Bach, ein reißender Fluss schnellte am Tag der Flut durch die Grabenstraße – und durch das Haus von Elfi und Waldemar Nowak, das hier mittig zu sehen ist. © Wiechowski, Jona

Christiane Haupt, die in den sozialen Medien einen Hilfeaufruf für die Flutopfer gestartet und auch bei den Nowaks viel geholfen hatte, bezeichnet das, was übrig blieb, als blanken Rohbau. „Es war alles zerstört.“ Nicht alle Schäden waren sofort sichtbar. Die Holzbalken unter dem Boden zum Beispiel waren ebenfalls alle hinüber. „Hier musste eine komplett neue Konstruktion hin“, sagt sie. Auch die Decken mussten neugemacht werden.

Ohne die Spenden und die vielen ehrenamtlichen Helfer hätten wir das nicht geschafft.

Elfi Nowak, Anwohnerin der Grabenstraße

Nach der Flut kam auf die Nowaks eine quälend lange Zeit zu. Vier Monate konnte fast nichts gemacht werden; die Wände mussten trocknen. Drei Bautrockner liefen auf Hochtouren, die teilweise nachts geleert werden mussten. Die beiden lebten lange nur in der oberen Etage des Hauses und in ihrer Garage. Das kann man sich bald nicht vorstellen – erst recht nicht in den kalten Wintermonaten. Doch sie hielten durch, kochten in der Kälte auf zwei Platten.

Über Monate kamen Handwerker, stellten Boden, Wände und Leitungen wieder her. Für ein kleines Weihnachtswunder sorgten ehrenamtliche Helfer aus Neuenrade. Sie verputzten die Wände im Wohnzimmer, bauten sogar den Torbogen, den sich Elfi so sehr gewünscht hatte, besorgten eine Couch, machten es wohnlich. Das Fest mit der Familie konnte fünf Monate nach der Katastrophe doch tatsächlich an der Grabenstaße stattfinden. Neu ist auch die Tür vom Wohnzimmer nach draußen – damit sie nicht mehr um das ganze Haus zum Auto laufen müssen.

Jetzt, ein Jahr später, kann das Ehepaar sagen: „Wir sind soweit, dass wir wieder wohnen können.“ Das meiste ist fertig. Es ist schön geworden. Spenden, Mittel des Landes und die vielen Helfer haben das möglich gemacht. Gut 100 000 Euro sind bis jetzt in die Komplett-Sanierung geflossen, schätzen sie. „Ohne die Spenden und die ehrenamtlichen Helfer hätten wir das nicht geschafft“, sind die beiden sehr dankbar, nach langer Zeit endlich in ihrer neu aufgebauten Küche mit einer gebrauchten Küchenzeile zu sitzen. Kühlschrank und Mikrowelle wurden gespendet. Die Wandschränke werden bald noch angeschraubt.

Das Wohnzimmer war nach der Flut völlig unbewohnbar geworden.
Das Wohnzimmer war nach der Flut völlig unbewohnbar geworden. © NOWAK

Wahnsinnig viel Arbeit, wahnsinnig viel Nerven hat die Zeit nach dem Schock der Flutkatastrophe gekostet. „Aber wir haben es geschafft“, sagt Elfi Nowak erleichtert und schaut ihren Ehemann an.

Noch sind sie allerdings nicht fertig. Im Badezimmer zum Beispiel stehen noch Arbeiten an. Im Flur muss noch Boden verlegt werden. Ein großes Projekt ist auch die Außenfassade, die noch gemacht werden muss.

Die Angst vor einer Wiederholung der Flut bleibt. Vielleicht für immer. Bei normalen Regen platziert Elfi Nowak jetzt Sandsäcke vor der Tür. „Regen ist nicht mehr Regen“, sagt Christiane Haupt und spricht damit sicherlich für viele Betroffene der Jahrhundertflut.

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