Erinnerungen in Bronze

+
Monika Biroth erklärt die Inschriften auf der Geflallenentafel. In den Wandhalterungen rechts und links waren einmal kerzenförmige Leuchter angebracht. Sie gab es auch auf der gegenüberliegenden Seite, wo sich das Stadtwappen befindet.

Altena -  Viele Menschen betreten täglich das Rathaus. Ob alle Notiz nehmen von den beiden dunklen Bronzetafeln, die rechts und links etwas über Kopfhöhe angebracht sind?

Eine der Tafeln zeigt das Stadtwappen, die andere enthält vier Namen. Es handelt sich um Bedienstete der Stadt, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Ein Thema das in diesen Tagen ungewöhnlich große Popularität genießt, weil der Kriegsausbruch jetzt 100 Jahre zurückliegt. Einzelheiten zu den kunsthandwerklichen Arbeiten im Haupteingang des Rathauses kann Stadtarchivarin Monika Biroth der Sonderakte C606 (Rathaus) entnehmen.

Die Unterlagen darin offenbaren, dass es sich bei den Bronzetafeln um Arbeiten der Firma Wilhelm Rentrop handelt, eine von zwei Werkstätten für kirchliche Kunst in Altena, die buchstäblich auf der ganzen Welt bekannt waren. Entwürfe für die Ehrentafeln hatte auch die ebenso renommierte Werkstatt von Arnold Künne eingereicht, aber die Entscheidung war letztlich für den Rentrop’schen Vorschlag gefallen. Entwürfe und Schriftmuster hatte die Firma Rentrop am 20. April 1936 eingereicht. Die Tafeln wurden schließlich 52 mal 63 Zentimeter groß und am 21. Juli 1936 ans Rathaus geliefert. Bürgermeister Robert Vierkötter bzw. die Stadtkasse ließen sich die Erinnerung an die gefallenen Mitarbeiter immerhin 580 Reichsmark kosten, rund 2000 Euro.

Die Gefallenentafel trägt die Namen von Heinrich Simon, Paul Wilhelm Noll, Friedrich Otto Ernst Schwanemann und August Zinn. Simon, von Beruf Vewaltungsgehilfe und an der Schlossstraße (Thoméestraße) wohnhaft, fiel bereits am 9. September 1914 im Alter von 24 Jahren in Frankreich. Paul Wilhelm Noll, ebenfalls Verwaltungsgehilfe und aus Evingsen stammend, wurde im Alter von 21 Jahren im Juli 1915 in Polen getötet und Ernst Schwanemann, wie die beiden anderen Verwaltungsgehilfe, fiel im Juni 1916 an der Somme in Frankreich. Bei ihm ist vermerkt, dass er Musketier und Kriegsfreiwilliger war. August Zinn schließlich war Stadtbautechniker und wohnte an der Bachstraße. Er war als einziger Unteroffizier. Er stammte aus dem Kreis Büdingen und hatte erst im April 1914 eine Anstellung als Beamter auf Lebenszeit bei der Stadt Altena erhalten. Zinn fiel am 11. Juni 1918 in Frankreich (Noyon) und hatte zwei Kinder. Aus den Unterlagen des Stadtarchives geht hervor, dass seine Frau sechs Wochen vor ihm gestorben ist. - Von Thomas Keim

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare