Schwieriger Balanceakt im Dritten Reich

Heinz Aulfes

Altena - Von 1958 bis 1962 war er Lehrer am Burggymnasium in Altena, in den Fächern Geschichte, Politik und Englisch: Heinz Aulfes aus dem niedersächsischen Bramsche. Jetzt kehrt er zurück in die Burgstadt, um sein Buch vorzustellen.

Heinz Aulfes hat jetzt ein Buch geschrieben, das den Titel trägt: „Ihr seid die beste Jugend des tüchtigsten Volkes – Kindheit und Jugend eines Schülers im Dritten Reich“. In dem Buch schildert er, wie eine Kleinstadt vom Nationalsozialismus in Besitz genommen wird und welchen Balanceakt er als Jugendlicher zwischen dem sozialdemokratischen Elternhaus und der unauffälligen Anpassung an die Machtverhältnisse vollziehen musste.

Der Schüler wurde im Kriegsverlauf zum Flakhelfer, musste den Arbeitsdienst absolvieren und nach dem Notabitur als Soldat in den Krieg ziehen. Englische Kriegsgefangenschaft setzte den Schlusspunkt. Das Buch wird in einer Autorenlesung in zwei Veranstaltungen in Altena vorgestellt: am 28. Oktober ab 19 Uhr in der Stadtbücherei und am 29. Oktober von 9.40 Uhr bis 11.05 Uhr im Burggymnasium. Beide Lesungen werden von Dr. Wolfgang Hesse, dem Lektor und Verleger des Buches, moderiert. Ein besonderes Highlight erwartet die Schüler bei der Lesung im Gymnasium. Eine Einführung zum Buch gibt der ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering. Die Mitwirkenden freuen sich auf eine lebhafte Diskussion mit den Schülern, die an der Veranstaltung im Burggymnasium teilnehmen.

In der Lesung in der Stadtbücherei haben ehemalige Schüler Gelegenheit zu einem Wiedersehen mit ihrem Lehrer Heinz Aulfes. Der heute 87-Jährige hat die gelebte Geschichte seiner Schüler-Zeit im Dritten Reich im niedersächsischen Bramsche und die Soldaten-Zeit in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges aufgeschrieben.

Das Buch verbindet persönliche Lebensgeschichte, Stadtgeschichte und Zeitgeschichte. Sichtbar wird, wie sich in einer Arbeiterstadt ein wesentlicher Teil des Bürgertums auf den Nationalsozialismus einlässt. Heinz Aulfes wird zweifach munitioniert: Zuhause wird er sozialdemokratisch beeinflusst und draußen soll er sich gegenüber dem NS-Regime vor Ort unauffällig verhalten. Die Schulzeit endet mit dem Reifevermerk und führt in den Reichsarbeitsdienst. Anfang 1945 wird Heinz Aulfes Soldat in der Armee Wenck, die Berlin befreien soll. Er überlebt Krieg und Gefangenschaft. Nach dem Studium in Geschichte und Politik geht er als 27-Jähriger in den Schuldienst. Als Lehrer für Geschichte und Politik unterrichtet er an Gymnasien in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen. Von 1979 bis 1991 ist er für die SPD Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. Er ist politischer Weggefährte von Bürgermeister Henning Scherf und Christian Weber. Das Buch von Heinz Aulfes ist ein Beitrag zur Geschichte der Jugend im Dritten Reich, analysiert persönliches Erleben und zeitgeschichtliche Entwicklung.

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