Gericht

Ehemaligem Kohlberhaus-Bewohner hilft nur noch "die Geschlossene"

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Ein großes Aufgebot von Polizei und Feuerwehr rückte an, als im Mai 2016 ein Bewohner des Kohlberghauses außer Rand und Band geriet.

Altena - Ein 62-jähriger ehemaliger Bewohner des Kohlberghauses muss auf unbestimmte Zeit in ein geschlossenes psychiatrisches Krankenhaus. Dies entschied die 6. große Strafkammer des Landgerichts in einem Unterbringungsverfahren. 

Letztlich wurden sich alle Beteiligten über den weiteren Weg des Beschuldigten einig. 

„Ich stimme dem Herrn Staatsanwalt zu!“, schloss sich auch der 62-Jährige in seinem Schlusswort dieser Meinung an. Vor dem letzten Verhandlungstag hatte sich bestätigt, was die behandelnde Ärztin aus der Klinik in Eickelborn über den an einer schweren paranoiden Schizophrenie leidenden Patienten gesagt hatte: Trotz der dort eingetretenen Beruhigung müsse erneut mit aggressivem Verhalten gerechnet werden. 

Und so war es auch gekommen: „Was ist mit Ihrem Glasauge passiert?“, fragte die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt den 62-Jährigen zu Beginn der letzten Sitzung: „Es gab eine Auseinandersetzung“, berichtete er. „Ich habe die Bude auseinandergenommen“. Dabei war auch sein Glasauge durch eine Scheibe geflogen und zu Bruch gegangen. 

Psychose gab Beschuldigtem den Wahn ein, sich alle Sinne nehmen zu müssen

Er selbst hatte sich schon in den 80er Jahren zu Beginn seiner Krankheit das rechte Auge ausgestochen. Die Psychose habe ihm damals den Wahn eingegeben, sich alle Sinne nehmen zu müssen - nicht nur den Gesichtssinn. Als er am 17. Mai 2016 im Kohlberghaus derart heftig randalierte, dass ein Sondereinsatzkommando der Polizei anrückte, drohte er erneut damit, sich selbst das zweite Auge auszustechen und mit den Mitarbeitern des Hauses entsprechend zu verfahren. 

Auch ohne die erneute Randale in Eickelborn hätte es für ihn wohl kaum mehr einen Weg nach draußen gegeben: Eine andere Unterbringung als in einer geschlossenen Einrichtung sei nicht möglich, sagte die Vorsitzende in der Begründung des Unterbringungsbeschlusses. Zwar trete die Krankheit nicht durchgängig auf, aber es sei immer wieder mit weiteren Vorfällen zu rechnen. 

Nur durch Zufall gab es keine größeren Verletzungen des Pflegepersonals

„Weitere erhebliche rechtswidrige Taten sind zu erwarten“, sagte Staatsanwalt Jörn Esken in seinem Plädoyer. Bei den Körperverletzungsdelikten des 62-Jährigen habe es nur zufällig keine größeren Verletzungen des Pflegepersonals gegeben. Einige der Zeugen hatten aber von nicht unerheblichen seelischen Folgen berichtet. 

„Meine Aufgabe ist es, das vorzutragen, was der Beschuldigte wünscht“, leitete Rechtsanwalt Tobias Noll sein Plädoyer ein. Aufgrund der aktuellen Einsichtsfähigkeit des 62-Jährigen war das die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Aus rechtlicher Sicht sprach die Kammer den 62-Jährigen frei, weil dieser im Zustand absoluter Schuldunfähigkeit gehandelt habe. Der Beschluss ist rechtskräftig.

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