Für das ehemalige Vinzenz-Krankenhaus fühlt sich keiner mehr so recht zuständig

Mieter warten Wochen auf Warmwasser und Heizwärme

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Die Jalousien sind weitgehend überall heruntergelassen am Krankenhaus und dem Pflegeheimkomplex.

Altena - Die Zustände rund ums St.-Vinzenz-Krankenhaus werden zunehmend schlimmer. Ratten tummeln sich in dem mittlerweile mit Abfallsäcken vollgestellten Wirtschaftshof. Das Erscheinungsbild der ungepflegten Parkhäuser hatten Passanten schon oft bemängelt. Jetzt standen die Bewohner der seniorengerechten Wohnungen auch noch einen Monat lang ohne Heizung und Warmwasser da. Hilfe lässt lange auf sich warten an der Brache.

 Vor etwa zwei Monaten kam überraschender Besuch vorbei bei den verbliebenen Bewohnern des Gebäudekomplexes. Ein Makler, ein potenzieller Investor und ein chinesischstämmiger Arzt schauten sich im Krankenhaus um und bekundeten Kaufinteresse.

Die Rede war von einem alternativmedizinischen Zentrum, die Kaufsumme liege schon auf einem Treuhandkonto - danach geschah nichts weiter. Die Mieter fragten nicht weiter nach beim Insolvenzverwaltungsunternehmen, denn der für das Objekt in der Bornstraße zuständige Rechtsanwalt lässt ausschließlich über sein Sekretariat kommunizieren.

Groß war die Verärgerung und Ratlosigkeit der Mietergemeinschaft, die einen Monat lang per Wasserkocher und Waschschüssel auf eine morgendliche Katzenwäsche angewiesen und froh war, dass der Herbst noch so warm sommerlich daherkam. Diese Angelegenheit ist mittlerweile behoben. Andere Sachen liegen weiterhin im Argen. Das Müllproblem wächst zusehends rund um das Krankenhaus. Ein Teil wird abgeholt, ein anderer nicht. „Die dort ansässige Demenz-WG muss die Abfuhr selbst bei Lobbe anmelden“, erfährt man aus dem Ordnungs- und Bauamt der Stadt Altena, die das Objekt St. Vinzenz Krankenhaus natürlich im Blick hat. Im einstigen Schwesternwohnheim sind ein paar Geflüchtete untergebracht. Berührungspunkte zwischen den jungen Männern, den demenziell Erkrankten und den Mietern der Seniorenwohnungen gibt es nicht. Auch nicht in puncto Abfall. „Die Betreiber der Demenz-WG sehen sich überhaupt nicht veranlasst, selbst eine Müllabfuhr zu beantragen, denn ein Posten in deren Umlage sehe die Abfallentsorgung vor“, erfährt man an der immer noch besetzen Pforte des früheren Krankenhauses. 24 Stunden wird das Objekt im Drei-Schicht-Betrieb bewacht. Krankenhaus-Angelegenheiten werden aber kaum angefragt von Besuchern. „Als das Telefon noch funktionierte, da kam noch die ein oder andere Vinzenz-Angelegenheit rein. Zuletzt wollte ein ausländisches Paar einen Arzt sprechen, weil die Frau Unterleibsschmerzen hatte. Die hatten gegoogelt und noch den veralteten Krankenhauseintrag gefunden.“

Ansonsten passiert nichts, was sämtliche Betroffenen ärgert. Die Informationspolitik wird als inakzeptabel empfunden. Auch die Sorge, dass der barrierefreie Wohnraum verloren gehen könnte, ist groß im Haus. Hergezogen waren Menschen, die schlecht zu Fuß waren, die schnelle Anbindung an medizinische Versorgung haben wollten. Und die es geschätzt haben, im hohen Alter nicht mehr täglich kochen zu müssen, weil sie sich auch preiswert und qualitativ gut im Bistro verpflegen konnten. Ein Großteil dieses Komforts ist bereits verloren gegangen.

Eine ältere Dame müht sich mit dem Kehrbesen vor ihrer Eingangstür ab. In der Umlage der Seniorenwohnungen war auch ein Reinigungsdienst enthalten. Zur Pflege der Blumenkübel kam ein Gärtner. Um ihr Wohnumfeld kümmern sich die Nachbarn nun auf eigene Faust. Mutige haben ihre Miete aufgrund der nicht länger erbrachten, aber vertraglich zugesicherten Leistungen gekürzt - auch, weil schon ewig keine Nebenkostenabrechnung mehr gekommen ist und selbst Überzahlungen, die noch während der ersten Insolvenz entstanden waren, nie erstattet worden sind. Nicht jeder traut sich solche Schritte. Die angetroffene Bewohnerin seufzt: „Ich habe in den vergangenen Jahren schon viel einbüßen müssen. Mein Zuhause will ich nicht auch noch verlieren!“

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