Marken erzählen Geschichten

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Josef Kögler betrachtet mit einer Lupe einige seiner Briefmarken. ▪

ALTENA ▪ 40 Jahre Sammelleidenschaft. Vier Jahrzehnte akribische Arbeit. „Die Erinnerungen beim Zusammentragen sind unbezahlbar“, sagen Josef und Gisela Kögler und nehmen erneut ein in Leder gebundenes Briefmarken-Album zur Hand.

Das Ehepaar, beide 84 Jahre alt, hat vor ein paar Jahren mit dem Sammeln der „Postwertzeichen“ aufgehört. Jetzt möchten sie ihre „Schätze“ gerne weiter geben. „Vielleicht bringen Sie ein paar Euro?“, sagt Josef Kögler und zog zum Beispiel schon einmal Heinz Gerd Rump von den Altenaer Briefmarkenfreunden zu Rate. „Der hat sich unsere Sammlung in aller Ruhe angesehen“, erzählt das Ehepaar. Dann aber auch festgestellt, „dass da wirklich schöne Marken dabei sind, nur eben keine blaue Mauritius“.

Heißt: Zig tausende von Euro sind mit der Sammlung des Ehepaars wohl nicht zu machen. „Aber sie sind auch zu schade, einfach irgendwann einmal im Abfalleimer zu landen“, sagt Josef Kögler und nimmt noch einmal eine starke Lupe zur Hand. „Hier, sehen Sie: Diese Marke stammt aus Polynesien, das ist ja irgendwie am Ende der Welt“, sagt’s und hat auch gleich einen Atlas aufgeschlagen, in dem die großflächige pazifische Inselregion gut zu erkennen ist. Hier leben auf einer Landfläche von kaum 300 000 Quadratkilometern, so hat es der Rentner nachgeschlagen, nur rund sechs Millionen Menschen. „Die Marken, die hier aufgelegt werden, sind stets bunt, großformatig und sehr, sehr schön anzusehen.“

Ganz persönliche Sammel-Favoriten hat auch Gisela Kögler. „Mir gefallen die DDR-Postwertzeichen sehr gut. Der SED-Staat hat sich damit immer viel Mühe gegeben“, sagt die Frau und blättert vier, fünf sorgfältig sortierte Alben-Seiten weiter.

Wie gesagt: Köglers würden sich gerne von ihren „Schätzen“ trennen, sie in „gute Hände weitergeben“. Natürlich möchten sie möglichst auch noch einen kleinen Erlös erzielen. „Denn wir haben schließlich auch immer für die Marken bezahlt“, sagen sie.

Entweder wurden sie in Postämtern von Urlaubsländern vorstellig, oder haben auch Karten von Freunden und Bekannten sehnlichst erwartet, „wenn die weit in die Welt gefahren sind, die Marken gelöst und dann eingeklebt.“ Heinz Gerd Rump von den Altenaer Briefmarkenfreunden hat ihnen geraten, vielleicht auch einmal Kontakt mit Philamarkt-Herre in Iserlohn aufzunehmen. Das wollen die beiden Altenaer jetzt beherzigen.

Josef Kögler, der im Rollstuhl sitzt, ist aber stark eingeschränkt in seiner Bewegungsfreiheit. Deshalb sagt er noch einmal: „Wenn sich jemand für unsere Sammlung interessiert oder sie fortführen möchte, nehmen Sie doch einfach Kontakt mit uns auf!“

Briefmarken zu sammeln, das sagt das Ehepaar abschließend „war immer eine kleine Passion, die uns viel Freude gemacht hat.“ Und während Gisela Kögler die sechs, sieben schweren Alben, die ihr Mann „einfach zufällig aus der Sammlung ausgesucht hat und präsentierte“, wieder verstaut, hat Josef Kögler schon wieder die Lupe in der Hand. „Hier, eine afrikanische Briefmarke. Wunderschön die Tierdarstellung, gestochen scharf, wie im Original. Da macht schon allein das Ansehen einfach Freude.“ ▪ Von Johannes Bonnekoh

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