Durch Lennewasser von allen Lehrsünden befreit

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Gautschen ist ein alter Zunftbruch der Drucker.

ALTENA - Von nun an sind sie von den Sünden ihrer Lehrzeit freigesprochen: Die Drucker und Mediengestalter aus dem Fachverband Führungskräfte der Druckindustrie und Informationsverarbeitung im Bezirk Hagen. Sie unterzogen sich dem traditionellen Gautsch-Ritual auf Burg Altena. Die „barbarische” Sitte, die jungen Gesellen in einen Kübel voll kaltem Lennewasser zu tauchen, lockte zahlreiche Schaulustige.

Für Gautschmeister Johannes Kürten, Schwammhalter Carsten Reinking, die Packer Lutz Tieck, Joachim Böth, Reiner Kluthke und Peter Fraske, sowie den Gehilfen Andreas Witteler und Johannes Ruß war das Gautschen ein echter Spaß. In geübter Routine wurden die noch ungetauften Kornuten an Armen und Beinen gepackt und zunächst in voller Montur auf einen nassen Schwamm gesetzt. Dann landeten Schuhe und Socken im Wasserfass. Füße und Kopf mit Schwamm und Kanne ordentlich zu Wässern. Anschließend ging es für die Täuflinge unfreiwillig auf Tauchstation. Mit Schwung landeten die Kornuten in einen Bottich mit kühlem Lennewasser- die Krönung einer erfolgreichen Lehrzeit. Wer sich dem Taufritual nicht unterziehe, „dessen Bildschirm solle auf ewig schwarz bleiben”, mahnte Gautschmeister Johannes Kürten. Wie oft der Täufling ins kühle Nass getaucht wurde, entschieden die Zuschauer. Hatte er sich in seiner Lehre nicht gut betragen, gab es einen Tauchgang extra. Erst danach erfolgt die innere Taufe mit einem Krug voll frischem Bier, der traditionell in einem Zug gelehrt wird. Dann sind die jungen Leute von ihren Sünden während der Ausbildung innerlich und äußerlich gereinigt – und erhalten mit dem Gautschbrief ihr Zunftzeugnis, der sie als Vertreter der schwarzen Kunst auf ewig ausweisen wird.

Diesmal ließen 40 Gehilfen aus dem FDI-Bezirk Hagen und Sauerland die Sündenbefreiung über sich ergehen. Aus Altenaer Unternehmen waren Mediengestalterin Julia Schulze (Bernsau-Partner), Mediengestalter Malte Storch (Bernsau ART Partner) und Mediengestalter Florian Gering (Bernsau und Partner) dabei. Unter dem freudigen (und manchmal auch ein wenig schadenfrohem) Jubel von Familien und Weggefährten fand das Gautschfest des Fachverbands der Führungskräfte der Druckindustrie und Informationsverarbeitung bereits zum 37. Mal auf Burg Altena statt. Die Tradition geht noch auf Altmeister Johannes Gutenberg zurück. Nachdem er den Buchdruck etabliert hatte, wurde die Lehrzeit von Druckern und Setzern mit einem Gautschfest beendet. Gautschen ist der Sprache der Papiermacher entnommen: Noch heute versteht man darunter das Pressen von Papierbahnen und Bögen, das der Entwässerung dient.von Carolin Hüppe

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