Gerichtsprozess

Drogen ziehen Paar in den Abgrund 

Ecstasy-Pillen hat das Paar aus Altena verkauft.
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Ecstasy-Pillen hat das Paar aus Altena verkauft.

Die Drogen zogen ein Pärchen aus Altena in den Abgrund - und animierten sie zu Straftaten. Im schlimmsten Fall endet dies nun für beide im Gefängnis.

Altena – Im Drogenprozess hat der psychiatrische Gutachter Dr. Bernd Roggenwallner eine Unterbringung der Angeklagten aus Altena in einer Entzugsklinik empfohlen. Werde die Abhängigkeit nicht behandelt, wären von beiden „weitere rechtswidrige Taten zu erwarten“.

Das betrifft vor allem den Besitz von Betäubungsmitteln für den eigenen Konsum, aber auch das Handeltreiben mit Drogen, um den eigenen Verbrauch zu finanzieren. Das Gutachten könnte den Angeklagten einen Weg jenseits der Strafhaft eröffnen.

Angeklagter: „Nie Hartz IV bezogen“

Der 35-Jährige sei „grundsätzlich leistungsfähig“, stellte der Sachverständige fest. Nach einem Hauptschulabschluss hatte er in mehreren Firmen innerbetriebliche Qualifikationsmaßnahmen durchlaufen und in unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen gezeigt, dass er in der Lage war, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. „Ich habe noch nie Hartz IV bezogen“, erklärte er vor Gericht.

Erst scheiternde Beziehungen und das vergleichsweise späte Abgleiten in den Drogenkonsum hatten diesem selbstbestimmten Leben ein Ende bereitet. Seit 2019 habe sich das Leben des Altenaers immer mehr auf den Drogenkonsum eingeengt, stellte der Gutachter fest.

Odysee durch fünf Erziehungsheime

„Es ist mir alles über den Kopf gewachsen“, erklärte der Angeklagte auf Nachfrage, warum er nach der ersten Entlassung aus der Untersuchungshaft die Meldeauflagen nicht eingehalten hatte.

Der Gutachter sah Parallelen in den Lebensläufen beider Angeklagter. Beide kämen aus zerbrochenen Familien, und beide hätten immer mit den zumeist unerfüllten Wunsch gehabt, irgendwo anzukommen. Für die heute 25-Jährige begann im Alter von zwölf Jahren mit der Trennung der Eltern eine Odyssee durch fünf verschiedene Erziehungsheime und auch ihr langjähriger Drogenkonsum.

Ihr junges Herz zeigte sich schließlich überfordert von der aufputschenden Wirkung von Amphetaminen und Ecstasy. Zwei überstandene Herzinfarkte bewertete der Gutachter als „sehr bedenklich“. Sie seien die Folge einer „Überstimulierung des sympathischen Nervensystems“ gewesen.

Nach zwei Herzinfarkten: Nächster könnte tödlich enden

Nach den Infarkten wirkten die ärztlichen Warnungen vier Jahre lang. Die Mediziner hatten der jungen Frau mit auf den Weg gegeben, dass ein dritter Herzinfarkt tödlich enden könnte. Dass sie trotz des erlebten „Vernichtungsschmerzes“ und trotz des „todesnahen Erlebnisses“ letztlich doch wieder zu Drogen griff, wertete der Gutachter als einen „Ausdruck für die Affinität zur Substanz“.

Der Prozess soll am 29. Oktober mit den Plädoyers und dem Urteil zuende gehen. Für die Angeklagten sind dabei zwei Fragen von besonderer Bedeutung: Wie werten die Richter das Vorhandensein einer Schreckschusspistole in der Nähe der Drogen? Bekommen die beiden eine Therapiechance in einer geschlossenen forensischen Klinik.

Eine wilde Verfolgungsjagd lieferte sich ein Drogendealer im MK mit der Polizei.

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