Mit Waffe und Drogen im Auto erwischt

Drogenhandel: Pärchen will nicht in Entzugsklinik

Ecstasy-Pillen, Marihuana und viele Amphetamine fand die Polizei bei dem Paar aus Altena.
+
Ecstasy-Pillen, Marihuana und viele Amphetamine fand die Polizei bei dem Paar aus Altena.

Klinik statt Haft: Dazu hat das Gericht ein Paar aus Altena verdonnert, das mit etlichen Drogen und einer Pistole erwischt wurde. Begeistert waren die beiden nicht.

Altena – Eine große Strafkammer des Landgerichts hat einen 35-jährigen Altenaer und seine 25-jährige Gefährtin wegen Handeltreibens mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel und wegen des Besitzes von 185,8 Gramm Amphetaminen zu Haftstrafen von zwei Jahren und zehn Monaten sowie zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Das höhere Strafmaß für den 35-Jährigen resultierte daraus, dass er eine Schreckschusspistole im Auto hatte, als er am 8. April 2019 am Jobcenter Lüdenscheid vorläufig festgenommen wurde. Für das bewaffnete Handeltreiben mit Betäubungsmittel – die Polizei fand neben den Amphetaminen auch Marihuana und Ecstasy-Tabletten – drohte ihm eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren.

Angeklagte mehrfach vorbestraft

Sowohl Staatsanwalt Jörn Esken als auch die Richter gingen jedoch von einem minderschweren Fall aus. Der Staatsanwalt nannte in seinem Plädoyer die Gründe: Der Grenzwert zur nicht geringen Menge war nur wenig überschritten, die Drogen wurden sichergestellt, und der Einsatz der Waffe war „nicht geplant“. Der 35-Jährige brachte auch nur kleinere Vorstrafen mit.

Anders die 25-Jährige, die bereits zweimal wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden war. Darüber hinaus hatte sie weitere Vorstrafen. Sie wurde allerdings nicht wegen eines „bewaffneten“ Handeltreibens verurteilt: „Ich kann nicht widerlegen, dass sie keine Kenntnis von der mitgeführten Waffe hatte“, erklärte der Staatsanwalt.

Verteidiger: Freudin ihn wieder zu Drogen

Beide Angeklagten müssen nicht ins Gefängnis, sondern in eine geschlossene Entzugsanstalt. Darüber hatte es im Rahmen der Plädoyers eine Auseinandersetzung zwischen Verteidigern und Richtern gegeben: „Ich glaube nicht, dass mein Mandant einen Hang zum Konsumieren von Betäubungsmitteln hat“, erklärte Verteidiger Andreas Trode.

Dass sein Mandant nach der zwischenzeitlichen Entlassung aus der Untersuchungshaft erneut zu Drogen griff, habe nur an der Beziehung zur Mitangeklagten gelegen. „Er ist ein voll geständiger Angeklagter“, sagte der Verteidiger und bezeichnete die Tat seines Mandanten als „Kleinkriminalität“. Und so beantragte er eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung für den 35-Jährigen.

Auch Verteidiger Dominik Petereit wollte seiner Mandantin den Aufenthalt in einer Entzugsklinik ersparen: Er sehe bei ihr einen Behandlungsfortschritt, und sie habe in der Vergangenheit bereits bewiesen, dass sie über mehrere Jahre hinweg abstinent leben könne.

„Sobald Sie auf freiem Fuß sind, geht es weiter.“

Die Tat sei als minderschwerer Fall einzuordnen. Der Verteidiger beantragte eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und überließ die Entscheidung über eine mögliche Aussetzung zur Bewährung dem Gericht. Die Vorstrafen schlugen sich hier nieder.

Das Gericht kam jedoch zu einem anderen Ergebnis. Der Vorsitzende Richter Christian Potthast verwies in seiner Urteilsbegründung auf die „verführerische Macht“ der Drogen: „Sobald Sie auf freiem Fuß sind, geht es weiter.“ Bei beiden Angeklagten seien weitere Straftaten zu erwarten.

Auch die Richter werteten das bewaffnete Handeltreiben des 35-Jährigen zwar als minderschweren Fall. Nicht minderschwer sei jedoch die Tat der 25-Jährigen: Sie sei geradezu der „Musterfall“ für eine Anwendung des Paragrafen 64 des Strafbesetzbuches, der die Einweisung in eine Entzugsklinik regelt.

Angeklagte macht sich aus dem Staub

Trotz größter gesundheitlicher Probleme habe die Angeklagte ihren Drogenkonsum nicht beendet. Auch eine vorübergehende Haftentlassung der beiden Altenaer lehnten die Richter ab. Der Vorsitzende verwies darauf, dass die 25-Jährige vorübergehend abgetaucht war und erst durch einen Hinweis ihres Lebenspartners auf ihren Aufenthaltsort gefunden wurde.

Dauerhaft übel genommen hatte sie ihm diesen Hinweis offenbar nicht: Die beiden Altenaer verabschiedeten sich auf längere Zeit mit einer innigen Umarmung. Das Urteil ist bislang noch nicht rechtskräftig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare