Drogendelikte: Gericht tut sich schwer mit der Aufklärung

Altena - Ein 26-jähriger Altenaer muss sich im Amtsgericht unter anderem wegen räuberischer Erpressung, Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige und einer Trunkenheitsfahrt ohne Fahrerlaubnis verantworten.

Vor Gericht blieb bisher allerdings nur wenig von den zahlreichen Tatvorwürfen aus den Jahren 2012 bis 2014 übrig. Einer der Zeugen brachte es vor dem Gerichtssaal auf den Punkt: „Das ist doch fünf Jahre her!“ 

Das wäre noch kein Grund, auf eine Strafverfolgung zu verzichten, doch das Schöffengericht hört von fast allen Zeugen Aussagen, die auf den großen zeitlichen Abstand verwiesen: „Ich will mir keine Gedanken mehr darüber machen, was früher war. Ich stand meistens unter Drogen“, erklärte der bereits zitierte 23-jährige Zeuge, dem der Angeklagte im Jahr 2012 am Bahnhof Altena unter Drohungen 150 Euro abgenommen haben soll. 

Kein Interesse an alten Geschichten

Er habe selber diverse Therapien und Gefängnisaufenthalte hinter sich und keinerlei Interesse mehr an den alten Geschichten, an die er sich auch gar nicht mehr erinnere. „Ich musste mein eigenes Leben erst mal auf die Reihe kriegen.“ 

Ein weiterer Zeuge, der an der damaligen Erpressung beteiligt gewesen sein soll, kam direkt aus der Untersuchungshaft ins Amtsgericht. Angeblich war er an einer jüngst beendeten Einbruchserie in Altena beteiligt.

Ein Joint sei rumgegangen

Auch er konnte oder wollte sich nicht mehr an die Ereignisse von 2012 erinnern: „Ich kann Ihnen echt nichts dazu sagen, was da früher war.“ Zwei weiteren Zeuginnen, die damals noch minderjährig waren, sollte der Angeklagte auf einer Party im Jahr 2014 einen Joint in die Hand gedrückt haben.

„Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern“, sagte die erste. Ja, ein Joint sei rumgegangen, bestätigte die zweite. Sie sei damals in einer persönlich sehr schwierigen Situation gewesen. Nach Problemen mit der Mutter sei sie von zuhause abgehauen, von der Polizei wieder eingefangen und bei einer „Jugendschutzstelle“ abgegeben worden. 

Party als willkommene Ablenkung

Die Party, zu der die beiden Zeuginnen aus Iserlohn gekommen waren, war offenbar eine willkommene Ablenkung von all diesen Sorgen der jungen Frau. Mit dem Angeklagten konnte die Zeugin die damalige Wanderschaft des Rauchwerks durch eine Wohnung in Altena aber nicht zusammenbringen. 

Ein Zeuge fehlte noch – er soll am 22. Juni vernommen werden. Dann endlich könnte auch das Urteil in einer irgendwie in die Jahre gekommenen Strafsache verkündet werden.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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