Dritte Versteigerung: Wieder kein Interesse an Hof Bredde

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Niemand will den Hof Bredde haben.

Altena – Hof Bredde am Rand des Industrieparks Rosmart bleibt ein Ladenhüter: Auch im dritten Anlauf fand sich im Amtsgericht Altena kein Käufer. Das hat einen speziellen Grund.

Großes Schweigen herrschte im Saal 116, nachdem die zuständige Rechtspflegerin die Bietzeit eröffnet hatte. Und niemand kam später mit einem Koffer voller Geld hinzu. „Eine halbe Stunde kann sehr lang sein“, war aus der kleinen Runde zu hören, die sich diese Zeit mit Plaudern vertrieb. 

Das Mindestgebot lag bei 545.455 Euro, das die Sparkasse als Hauptgläubigerin allerdings hätte akzeptieren müssen. Den  Verkehrswert des Anwesens taxiert ein Gutachter auf knapp 1,1 Millionen Euro. 

Strikte  Vorgaben für Nutzung

Sonderlich überraschen konnte der Misserfolg nicht: Schon bei den vorangegangenen Versteigerungen waren Gründe genannt worden, die einen Verkauf der Immobilie erheblich erschweren: Weil die Fläche, auf der der Hof steht, in den Industriepark Rosmart miteinbezogen wurde, gibt es strikte Vorgaben für die Nutzung von Hof Bredde.

Wer dort wohnen will, muss auch einen Gewerbebetrieb anmelden. Das schränkt die Nutzungsmöglichkeiten erheblich ein. Die Rechtspflegerin bekräftigte bei diesem dritten vergeblichen Anlauf, dass die „mehr als eingeschränkte Nutzung“ einen Hinderungsgrund für mögliche Käufer darstelle. 

Gestundet hat die Stadt Altena die fälligen Grundbesitzabgaben von mittlerweile 52 376 Euro. Von einem möglichen Verkaufserlös müsste diese Rechnung allerdings beglichen werden. 

Bürgermeister: Es gibt Gespräche

Etwas überraschend war die Auskunft, dass es mehr als 18 Monate nach Beginn der Zwangsversteigerung noch immer keinen Ortstermin mit einem Vertreter der Stadt gegeben habe, um die Probleme vor Ort zu besprechen. 

Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein widerspricht: „Das trifft nicht zu. Es gab erst unlängst wieder Gespräche. Aus Datenschutzgründen darf ich das nicht vertiefen.“ Er sagt nur: Man stehe in dieser Angelegenheit mit allen Beteiligten „in ständigem Dialog“. Altena blockiere auch nichts, mache keine Auflagen: „Dort gibt es einen Bebauungsplan. Jedes Gewerbe ist dort möglich, Wohnen darf aber nicht Hauptbestandteil sein.“

Für eine Nutzung des Gebäudes als Gewerbe-Immobilie sprechen auch knapp 10 000 Euro Grundsteuern, die jährlich zu entrichten sind. Ebenso die monatlichen Betriebskosten für das Gebäude: Sie belaufen sich auf etwa 3000 Euro. Und geschätzte 50 000 Euro Sanierungskosten müssen einkalkuliert werden. 

Der Gutachter sah Modernisierungsbedarf vor allem durch Feuchtigkeitsschäden im Keller, marode Holzfenster, beim Energieverbrauch und bei der Haustechnik. 

Luxus mit Schwimmbad und Schutzraum

Den potenziellen neuen Besitzer erwartet im Gegenzug immer noch eine Immobilie der Luxusklasse: Die Grundfläche des Gebäudes, das im Jahr 1965 neben einem älteren Hofgebäude errichtet wurde, summiert sich auf 1605 Quadratmeter: 478 Quadratmeter Wohnfläche, 329 Quadratmeter Nutzflächen, dazu jeweils 137 Quadratmeter Keller und Technikräume sowie ein Schwimmbad. Das gesamte Grundstück ist 37 368 Quadratmeter groß. 

Nettes Detail: Hof Bredde verfügt auch über einen „Schutzraum im Kellergeschoss mit Notausstieg, Schleuse und Filteranlage“. 

Breddermann baut, Künstler übernimmt

Das Anwesen stammt aus der Mitte der 1960er Jahre, Bauherr war der in der Bauwirtschaft und mit Autohäusern zu Geld gekommene Unternehmer Breddermann. 

Etwa 40 Jahre später kaufte die Märkische Gewerbepark Rosmart GmbH den Erben des inzwischen verstorbenen Mannes die Villa samt 33 Hektar Land ab, um den Gewerbepark Rosmart realisieren zu können. Eine Zeitlang war dann nicht klar, was aus der Immobilie werden würde, es war sogar von Abriss die Rede. 

Leerstand nach Insolvenz

Dann kam Lutz Bernsau: Der in Altena aufgewachsene Künstler, Grafiker und Inhaber einer Werbeagentur kaufte die Immobilie zu einem nicht genannten Preis und baute um: Unterm Dach fand auf etwa 250 Quadratmetern seine Werbeagentur Bernsau Art-Partner mit bis zu 20 Mitarbeitern Platz, im Erdgeschoss richtete er sich ein knapp 100 Quadratmeter großes Atelier ein.

2013 musste Bernsaus Werbeagentur Insolvenz anmelden. Damit fielen Mieteinnahmen weg, die Immobilie war nicht zu halten. Sie stand lange zum Verkauf, 800 000 Euro sollte sie kosten. Dann folgte die Zwangsversteigerung.

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