Dritte Chance für Archäologen auf der Burg

Dr. Stefan Eismann auf der Suche nach neuen Beweisen, wie alt die Burg Altena wirklich ist.

ALTENA - Im Oktober 2007 rückte Dr. Stefan Eismann zum ersten Mal an, im Juli 2009 noch mal. Jetzt bekommt der Wissenschaftler, der im Auftrag von LWL Archäologie für Westfalen unterwegs ist, eine dritte Chance: Der bevorstehende Bau des Burgaufzuges lässt das ehemalige Amt für Bodendenkmalpflege in Münster - heute LWL Archäologie - hellhörig werden.

Die Bauarbeiten für den Aufzug werden, wie schon bei der Sanierung von Mauern und Hof-Entwässerung ab 2007, von einem Fachmann begleitet. Die Wahl des LWL fiel auf Dr. Eismann, weil der mit der mittelalterlichen Festungsanlage auf der Wulfsegge bereits gut vertraut ist.

In Münster ist man entschlossen, jede neue Chance zu nutzen, etwas mehr über die Vergangenheit der Burg Altena zu erfahren. Der Leiter des LWL-Fachbereiches für Mittelalter-Archäologie, Dr. Hans-Werner Peine, hat dafür gute Gründe. Die Anlage am Ende der Thoméestraße sei nicht nur „eine der größten und bedeutendsten Höhenburgen in Westfalen“, sie hat auch Geschichte geschrieben. „Das war kein Sitz des kleinen Adels, das war eine wichtige Dynastenburg“, beschreibt Dr. Peine die Rolle der Wulfsegge in der Geschichte des Landes.

Und wenn man weiß, dass sich „die Altena“, wie sie von den Experten kurz genannt wird, den Archäologen gegenüber bisher eher verschlossen gegeben hat, dann versteht man auch Peines Hoffnungen für den dritten archäologischen Versuch der Gegenwart: „Bei einer so wichtigen Anlage sind wir über jeden Fitzel froh.“

Es fehlt den Fachleuten insbesondere an Erkenntnissen über die Frühzeit der Burg. „Das liegt im Dunkeln“, gibt Dr. Peine zu. Dabei spielen zwei Umstände eine Rolle: Zum einen ist die Festung eben eine Höhenburg und als solche ruht sie oftmals auf dem nackten Fels, oder zumindest nahe daran. Erdboden, aus dem die Archäologen viel lesen könnten, erweist sich hier als knappes Gut. „Höhenburgen“, sagt der LWL-Mittelalterchef, „sind kein einfaches Geschäft.“

Dazu kommt, dass schon die Untersuchungen durch Dr. Stefan Eismann ab 2007 gezeigt haben, dass beim Wiederaufbau der Burg ab 1907 auf vieles Rücksicht genommen wurde - aber kaum auf geschichtliche und schon gar nicht auf archäologische Belange. Der Untergrund der beiden Burghöfe war damals so stark durchwühlt worden, dass kaum eine aussagekräftige Bodenschicht erhalten blieb. Am Fuß von mittelalterlichem Mauerwerk hatte Dr. Eismann zum Beispiel eine elektrische Sicherung gefunden.

Jetzt aber erhält die Archäologie ihre dritte Chance. „Es wäre unverantwortlich, die nicht zu nutzen“, bekräftigt Dr. Hans-Werner Peine. „Man weiß doch nie, an welcher Stelle plötzlich etwas kommt.“ Mit spektakulären Funden rechnet der Archäologe, übrigens von Hause aus Keramikfachmann, nicht unbedingt. Aber die braucht er auch gar nicht. Schon eine einzige Scherbe, und sei sie so groß wie ein Fingernagel, könne sehr viel offenbaren, weiß Peine aus eigener Erfahrung: Ein so kleines Bruchstück, gefunden in Westfalen, konnte er einmal als Mitbringsel aus der Zeit der Kreuzzüge identifizieren. Eine Münze würde er sich ansonsten wünschen, oder aber ein Stück Holz aus einer frühen „Bauschicht“. Beide böten den Archäologen dann über deren relativ einfache Altersbestimmung endlich das gewünschte „Pack-Ende“.

Bis man der Burg im wieder auf den Zahn fühlen kann, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. Dr. Hans-Werner Peine rechnet damit, dass es April wird, bis sein Kundschafter wieder auf der Wulfsegge tätig wird. - Thomas Keim

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