Weltleitmesse in Düsseldorf

Messe Wire: Kaum Beteiligung aus Drahtstadt Nummer 1 im MK 

Lüling ist nur eine von vielen Drahtfirmen aus Altena, die immer zur Wire fahren.
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Lüling ist nur eine von vielen Drahtfirmen aus Altena, die immer zur Wire fahren.

Die Wire ist die Weltleitmesse für die Drahtbranche - in diesem Jahr fehlen allerdings viele führende Firmen. Denn die meisten Unternehmen der Drahtstadt Nummer eins fahren nicht nach Düsseldorf.

Altena/Nachrodt – „Wer etwas ist oder werden will, ist auf der Wire“, so der Slogan der Messe der Draht- und Kabelindustrie. Ob dieses Motto auch 2020 gilt, darf aus Altenaer Sicht bezweifelt werden: Die Claas-/Klinke-Gruppe ist der einzige Drahthersteller aus Deutschlands Drahtstadt Nummer eins, der nach aktuellem Stand Anfang Dezember in Düsseldorf ausstellen wird.

Finkernagel, Lüling, das Drahtwerk Altena, EDD Eksi – die große Masse der Hersteller hat ihre Teilnahme für dieses Jahr abgesagt. Auch Maschinenhersteller wie Krollmann oder Weiterverarbeiter wie Frohn werden nicht ausstellen. Normalerweise ist die Messe Pflicht für alle aus der Branche.

Drahtmesse Wire: Künne-Gruppe sagt ab

In der Künne-Gruppe, zu der auch das Drahtwerk Altena am Hünengraben gehört, ist die Entscheidung vor etwa 14 Tagen gefallen: „Wir haben erkannt, dass es schwierig sein würde, in Düsseldorf vernünftige Gespräche zu führen“, sagt Geschäftsführer Markus Giese.

Eine Umfrage unter den Kunden habe ergeben, dass die meisten „nicht ambitioniert“ seien, nach Düsseldorf zu kommen. Hinzu komme, dass für das Drahtwerk interessante Aussteller, etwa aus dem Bereich der Stahlerzeugung oder des Maschinenbaus, nicht oder nur sehr reduziert ausstellen werden. „Eine Weltleitmesse wird das in diesem Jahr nicht werden“, lautet Gieses nüchternes Fazit. Viele Firmen in Alterna hatten schon bei Bekanntgabe des Termins auf eine Absage gehofft.

Drahtmesse Wire: Mehr Aussteller als 2018 gelistet

In dieses Horn stößt auch Stefan Szkudlapski vom Netzwerk Draht. Dieser Zusammenschluss verschiedener Firmen der Branche bietet seinen Mitgliedern seit Jahren die Gelegenheit, sich und ihre Erzeugnisse an einem Gemeinschaftsstand zu präsentieren. Das soll auch in diesem Jahr so sein, etwa zehn Firmen wollen sich beteiligen. „Man will gesehen werden“, sagt Szkudlapski zur Motivation dieser Aussteller und erklärt, dass die Wire in erster Linie eine Imagemesse sei.

Noch führt der Messekatalog über 1300 Aussteller für die Wire und die parallel laufende Tube auf – deutlich mehr als noch 2018. Dass es so viele werden, glaubt Szkudlapski auf keinen Fall und verweist auf die vielen ausländischen Firmen, die dort gelistet sind – unter anderem weit über 100 aus China und viele aus den USA.

Aus Übersee kämen weder Aussteller noch Besucher in großer Zahl zur Messe, meint der Sprecher des Netzwerks Draht. Selbst aus dem europäischen Ausland rechnet er mit eher geringem Zulauf und verweist in diesem Zusammenhang auf die zunehmenden Fallzahlen beispielsweise in Frankreich und Spanien.

Drahtmesse Wire: Pleuger und Betzler finden Teilnahme nicht verantwortbar

Auch die in Evingsen ansässige Pleuger GmbH und der Draht-Juwelier Betzler stehen mit ihrem Gemeinschaftsstand noch im Messekatalog. Allerdings haben sie ihre Teilnahme in der vergangenen Woche abgesagt: „Aufgrund des aktuellen Anstiegs der Fallzahlen halten wir eine Messetätigkeit für nicht verantwortbar“, schreibt Firmenchef Ulf Pleuger.

Der ureigentliche Sinn einer Messe sei es, Personen zu treffen und sich mit diesen auszutauschen. „Dies steht in direktem Widerspruch zu den Verhaltensmaßregeln in Covid-19-Zeiten.“

Gespräche mit Kunden hätten ergeben, dass diese Auffassung von fast allen geteilt werde. Darüber hinaus stelle sich natürlich auch die Frage nach dem wirtschaftlichen Sinn einer Messe mit weniger Ausstellern und viel weniger Besuchern.

Die Firma Pleuger ist „Aussteller der ersten Stunde“: Sie war schon auf der Drahtmesse vertreten, als sie erstmals in London stattfand. Dann zog sie nach Basel um, in Düsseldorf findet sie erst seit 1986 statt.

Drahtmesse Wire: Auch VDM Metals ist nicht dabei

Auch VDM als größter Arbeitgeber der Nachbarstadt Werdohl mit einem Standort in Altena wird in diesem Jahr nicht an der Messe in Düsseldorf teilnehmen. VDM hatte zuletzt auf der parallel zur Wire stattfindenden Tube einen Messestand gehabt.

Wie Unternehmenssprecher Philipp Verbnik erklärte, habe VDM den Entschluss gegen die Reise in die Landeshauptstadt gefasst, nachdem es in einigen Kundengesprächen nur „verhaltenes Feedback“ gegeben hatte. Viele der Kunden und der potenziellen Neukunden würden ebenfalls nicht zur Messe fahren. „Deshalb haben wir uns zum Schutz unserer eigenen Mitarbeiter und auch zum Schutz der Kunden Ende September gegen die Teilnahme entschieden“, so Verbnik.

Drahtmesse Wire: Claas und Klinke mit kleiner Mannschaft dabei

Ob die Messe trotz der offenbar gravierenden Absagen von Ausstellern tatsächlich stattfindet? Für Szkudlapski ist das noch nicht ausgemacht. Darüber entschieden im Zweifel Bund und Land, sagt er. „Eine Absage wäre uns nicht unrecht“, meint Bernd Falz von Claas und Klinke. Die Gruppe wird nach bisheriger Planung „mit ganz kleiner Mannschaft“ in Düsseldorf vertreten sein.

Aus Gesprächen mit Kunden wisse er, dass der eine oder andere schon vorhabe, zur Messse zu kommen. Für die wolle man präsent sein. Falz weist aber auch darauf hin, dass sein Unternehmen schon eine Menge Geld für den Messeauftritt bezahlt habe. Ein Teil davon wäre verloren, wenn Claas und Klinke jetzt von sich aus absagen würden.

Drahtmesse Wire: Walzwerke wollen Kunden treffen

„Bisher haben wir von unserer Seite noch nicht abgesagt. Aber wir hören das von vielen Mitausstellern. Das bedeutet wohl auch, dass viele potenzielle Kunden nicht kommen werden“, sagt Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke Einsal. Er hat die Befürchtungen, dass die Wire recht kurzfristig abgesagt werden wird. „Wir würden uns aber freuen, wenn wir die Gelegenheit hätten, Kunden zu treffen, Kontakte zu knüpfen“, so Dr. Bodo Reinke.

Rückenwind bekommt die Messe Düsseldorf als Veranstalter von Dachverbänden der Industrie. „Nie zuvor waren die persönliche Begegnung, das individuelle Gespräch und der fachliche Austausch am Messestand so wichtig wie in der aktuellen Situation“, heißt es in einer Pressemitteilung, in der auch Dr. Uwe-Peter Weigmann zitiert wird.

Drahtmesse Wire: Kontakt durch Videokoferenz nicht ersetzbar

Er ist nicht nur Geschäftsführer des Maschinen Wafios, sondern auch Präsident des in Hagen ansässigen Verbandes der Draht- und Kabelmaschinenhersteller: „Alle Seiten bemühen sich, trotz bestehender Coronamaßnahmen und -risiken zu einem normalen Ablauf zurückzufinden“, hat er nach Messeangaben gesagt.

„Wir sind sicher, dass ein persönliches Gespräch und eine Vorführung an der Maschine auf einer Messe nicht durch Videokonferenzen ersetzt werden können.“ Allerdings kündigt der Geschäftsführer auch an, dass der Wafios-Stand in diesem Jahr kleiner sein werde als sonst.

Ein Problem kann Besucher und Aussteller in diesem Jahr übrigens kalt lassen: Betten gibt’s genug in Düsseldorf. Während Hotels in der Landeshauptstadt und deren Umgebung während der Wire im Normalfall weit im Voraus ausgebucht sind, melden derzeit noch weit über 100 Häuser für die Zeit vom 7. bis zum 11. Dezember freie Plätze

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