Drahtmesse Wire sorgt für Unbehagen

Messe im Advent: Firmen hoffen auf Absage

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Das internationale Publikum ist ein wichtiges Merkmal der beiden Messen Wire und Tube. Ob es im Dezember den Weg nach Düsseldorf finden wird, bezweifeln Unternehmer aus Altenas Drahtindustrie.

Altena - Die Messe Düsseldorf nimmt ihren Betrieb wieder auf – eine Tatsache, über die man in den Chefetagen von Altenas Drahtfirmen alles andere als begeistert ist. Noch in diesem Jahr soll nämlich die Drahtmesse Wire nachgeholt werden, und zwar vom 7. bis zum 11. Dezember.

An diesem Termin passt so ziemlich gar nichts: So lauten unisono die Statements aus den Firmen. So weist Peter Beckmerhagen von der Firma Frohn darauf hin, dass die Vertriebler in der Adventszeit traditionell zu den wichtigsten Kunden unterwegs sind, um über die Abschlüsse für das kommende Jahr zu sprechen. Klaus Hesse (Firma Diedrich Hesse) hält einen Messetermin in der Adventszeit auch deshalb für schwierig, weil „den meisten Menschen 14 Tage vor Weihnachten wahrscheinlich nicht der Sinn nach Messe steht“.

Und dann ist da ja auch noch Corona. Bei der letzten Drahtmesse im Jahr 2018 kamen 70 Prozent der Besucher aus dem Ausland. Ein Drittel davon reiste aus Übersee an. Insgesamt kamen gut 70 000 Menschen. Altenas Unternehmer halten es für völlig ausgeschlossen, dass diese Zahl im Dezember auch nur annähernd erreicht werden kann. Er könne sich im Moment kaum vorstellen, dass Besucher aus den USA zur Wire kämen, meint Fabian Schmidt (Stahldrahtwerk Fr. u. H. Lüling). Klaus Hesse fürchtet auch einen starken Rückgang der Gäste aus dem asiatischen Raum.

Die Messe Düsseldorf wirbt damit, dass sie ein Hygienekonzept entwickelt habe, um die Sicherheit von Ausstellern und Besuchern zu gewährleisten. Der spontane und situative Austausch mit Geschäftspartnern und potenziellen Kunden werde aber kaum gefördert, wenn Mundschutz getragen, Abstand gehalten und laufend desinfiziert werden müsse, gibt Fabian Schmidt zu bedenken. Hesse sieht sogar die Gefahr, dass sich die Messe zu einem Corona-Hotspot entwickeln könnte. „Kann ich meine Mitarbeiter wirklich dieser Gefahr aussetzen?“, fragt er.

Absagen will er seinen Messeauftritt allerdings noch nicht, das gilt auch für die meisten seiner Kollegen. Hintergrund: Die Gebühren für die Messestände sind längst bezahlt, schließlich sollte die Wire ursprünglich im April stattfinden. Deshalb waren die Stände lange vor dem Lockdown gebucht – und die Verträge sind so, dass die Gebühren nur bei einer Absage, nicht aber bei einer Verschiebung erstattet werden. In der Firma Hesse ist die Entscheidung noch offen. Lüling wird wohl in Düsseldorf ausstellen und Finkernagel auch – aber beide in deutlich reduziertem Umfang, was den Personaleinsatz angeht. Viele Kunden hätten signalisiert, dass sie nicht kommen werden, berichtet Fritz Uwe Finkernagel. Deshalb plane die Firma eine „Messe auf Sparflamme“: Kein Mädchen mit dem Finkernagel-Draht rock, halbierte Standbesatzung und statt zwei Hostessen nur noch eine.

„Grundsätzlich ja“, heißt es beim Maschinenhersteller Krollmann zur Messe. Allerdings warte man auf das Ergebnis einer Umfrage, die der Verband der Draht- und Kabelmaschinenhersteller zu dem Thema gestartet habe, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Diesem Verband gehört auch die Pleuger GmbH in Evingsen an. Dort sei noch keine Entscheidung gefallen, die Tendenz gehe aber eher in Richtung Absage, sagte Karsten Pleuger auf Anfrage. Kein Problem hat die Firma Mayweg, die in der Vergangenheit auf der zeitgleich stattfindenden Tube ausstellte. Schon lange vor Corona sei entschieden worden, 2020 nicht teilzunehmen, erklärte Christine Müller aus der dortigen Geschäftsleitung.

In der Branche fragt man sich auch, was mit den wirklich großen Ausstellern ist. Während die Altenaer Unternehmen eher kleine Stände buchen, betreiben einige Anlagenhersteller immensen Aufwand, um ihre Maschinen auch im Betrieb zu zeigen. „Ich glaube nicht, dass unser Messe-Nachbar Wafios so einen Aufwand treiben wird wie früher“, sagt Klaus Hesse.

„Nagelprobe“ für die Messe Düsseldorf ist der Caravan-Salon, der bereits im September stattfinden soll und für den bis zu 20 000 Besucher pro Tag zugelassen sind. Mit der Erwin Hymer Group hat der europaweit größte Anbieter von Freizeitfahrzeugen die Teilnahme an der Messe bereits abgesagt.

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