Drahtindustrie: Zwischenhoch stabil

ALTENA ▪ „Wir sind nicht unzufrieden“ – Jochen Brüninghaus kann natürlich nur für sein eigenes Unternehmen sprechen, sagt aber im Grunde das, was für die gesamte Drahtindustrie gilt: Peter Wilm Schmidt von Lüling berichtet von einer stabilen Auftragslage „auf gutem Niveau“, Jürgen Hesse sieht „keinen großen Grund zur Klage“ und Eckhart Lüling, Geschäftsführer bei Wagener am Hünengraben, verzeichnet eine gute Nachfrage aus dem Automobilsektor.

„Im Baubereich läuft es aber noch nicht so gut“, schränkt er ein – Lüling ist nicht nur bei Wagener am Ruder, sondern auch bei Künne im Hemer, wo man sich unter anderem auf Seildraht spezialisiert hat. Dort sei die Nachfrage noch verhalten, berichtet er und liegt damit auf einer Linie mit Jürgen Hesse: „Die Nachfrage au dem Baubereich hat noch lange nicht das Niveau des Jahres 2008 erreicht“, berichtet der Inhaber der Firma Diedrich Hesse.

Verhaltene Nachfrage

aus dem Baubereich

Schon bei der Drahtmesse in Düsseldorf hatten die Draht-Chefs vorsichtige Entwarnung signalisiert, dabei aber immer wieder eingeschränkt, dass es sich möglicherweise nur um Zwischenhoch handele. „Das stabilisiert sich“, ist inzwischen Schmidts Eindruck. Allerdings: Noch fehlt den Unternehmen eine mittelfristige Perspektive. Von „relativ kurzfristigen Geschäften“ spricht Jochen Brüninghaus. Er vermutet, dass seine Kunden dem Aufschwung noch nicht so richtig trauen. Mit Prognosen für die kommenden Monate hielten sich die Abnehmer jedenfalls zurück, hat er beobachtet. Die gleichen Erfahrungen macht man im Lüling, wo im Spätsommer die Kunden nach ihren Erwartungen für das kommende Jahr befragt werden. „Da kommt im Moment noch wenig“, sagt Schmidt.

Einstellungen und

Investitionen

„Unheimlich schnell und unheimlich heftig“ sei die Krise vor knapp zwei Jahren über die Branche hereingebrochen, berichten die Firmenchefs unisono. Die Folgen waren dramatisch: In vielen Firmen herrschte über Monate hinweg Kurzarbeit, einige mussten sogar Mitarbeiter entlassen. Investitionen wurden verschoben, die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt brachen ein. Auch hier ist die Wende längst vollzogen: Auch wegen der meist sehr kurzfristigen Nachfrage wird in den Drahtziehereien längst wieder normal produziert, einzelne Unternehmen wie zum Beispiel Claas denken über Neueinstellungen nach und zunächst gestoppte Investitionen werden jetzt neu in den Stiel gestoßen. Brüninghaus zum Beispiel hofft, dass er in den nächsten Wochen die Baugenehmigung für eine neue Beize bekommt – „und dann legen wir auch sofort los“. ▪ ben.-

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