Eine bunte Mixtur in der Doppelgarage

Aus fünf Petromax-Lampen hat Günter Sadowski dieses Kronleuchter-Ensemble zusammengebaut. Nur einer leuchtet elektrisch. Foto: Keim

Altena - Manchmal kann Günter Sadowski gar nicht verstehen, warum Besucher beim Anblick seiner Garage große Augen machen. „Ich sehe das ja jeden Tag.“ Dennoch: Eine Garage sieht einfach anders aus.

Die ist nicht holzvertäfelt und es liegen keine Teppiche darin – und ehemaliges Kirchenmobiliar ist auch nur seltenst zu finden. Nicht so an der Brunnenstraße in Evingsen. Hier steht das ehemalige Schulhaus, errichtet im Jahr 1703. Viele Jahre später erwarb es Günter Sadowskis Schwiegervater Albert Schröder, der ein Fuhrunternehmen betrieb. In einem knapp 75 Quadratmeter großen Anbau standen zunächst die Pferde, später zwei Lastwagen.

Wer die „Garage“ heute betritt, blickt mit großen Augen auf einem bunte Mixtur aus urigster Kneipe, Heimatmuseum und Kuriositätenkabinett. Es sind erstaunliche Stücke, die sich hier im Laufe der Jahre angesammelt haben. Das erste, was Günter Sadowski hier vor 20 Jahren an die Wand hing, war ein ausgedienter Getränke-Automat. Iserlohner-Pils-Automat, um genau zu sein. Er wollte einmal 10- und 50-Pfennig-Stücke, jetzt aber rückt er den gekühlten Inhalt umsonst heraus. Und doch ist er bei weitem nicht das interessanteste Stück in „Günters Garage“. Alte Uhren, die älteste von 1740, schmücken die ungeraden Wände und stehen auf fast jeder verfügbaren Ablage. Portraits und Gemälde, darunter eins vom jungen Fritz Berg über dem Zugang ins Wohnhaus, und manche Relikte aus dem heimischen Gewerbe und der Industrie sind nach und nach dazu gekommen. Eine alte und eine uralte Stempeluhr (Baujahr 1920) aus der Firma Frohn sind dabei, Petromax-Leuchten – und Radios. In diesem Ambiente müssen es natürlich Röhrenradios sein. „Damit habe ich das Sammeln angefangen“, erzählt Günter Sadowski. Er schätzt den warmen, vollen Klang der Röhrenverstärker. Und er kann ihn täglich genießen, wenn er möchte, denn die Radios sind betriebsbereit. Einschalten, Aufwärmzeit abwarten, und dem Radiostündchen im Stil der 50er Jahre steht nichts mehr im Wege. Allein ein Dutzend Radios aus dem Graetz-Werk nennt Günter Sadowski sein eigen.

Man wartet darauf, dass die Stimme von Peter Kraus oder Caterina Valente aus dem massiven, fast 20 Kilo schweren Gehäuse dringt. Ähnlich ist es bei dem Fernseher, der hinten links im Ensemble mit einem kleinen Clubsessel aufgebaut ist. Ein englisches Fabrikat, der Hersteller ist nicht mehr ermittelbar, Baujahr 1952, konstruiert für den Empfang von einem Kanal. Das Gerät ist eine Ausnahme in der Sammlung, denn es läuft nicht mehr. Aber wenn man es einschalten könnte – ich bin mir fast sicher – es würde einen jungen Karl-Heinz Köpcke zeigen.

von Thomas Keim

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