DNA-Spuren des Angeklagten am Tatort

ALTENA ▪ Der siebte Verhandlungstag im Schwurgerichtsprozess gegen den wegen zweifachen Mordes angeklagten Michael P. brachte das lang erwartete DNA-Gutachten – und eine Überraschung. Der 48-jährige Angeklagte ließ der Kammer unter dem Vorsitz von Dr. Frank Schreiber durch seinen Verteidiger Andreas Trode mitteilen, dass er sich am Donnerstag zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußern will. Damit würde Michael P., der die bisherige Verhandlung wortlos verfolgt hatte, erstmals sein Schweigen brechen.

Am Dienstag stand jedoch erst einmal die Aussage einer Expertin des Landeskriminalamtes in Düsseldorf im Mittelpunkt des Interesses. Die 41-jährige Diplom-Biologin hatte unter anderem DNA-Spuren untersucht, die sich auf einem roten Klebeband befunden hatten, das 1999 nach dem Muckebeutel-Mord in Altena am Tatort gefunden worden war.

Dieses Beweismaterial war zwar schon ein Mal unmittelbar nach der Tat untersucht worden – und ein weiteres Mal 2004 – aber mittlerweile stünden den Kriminalisten neue und wesentlich verfeinerte Methoden der Spurenauswertung zur Verfügung. So sei das LKA in Düsseldorf in ganz Europa die einzige Stelle, in der das so genannte „SE 33“-System als Merkmal festgestellt werden kann. So wäre zum Beispiel noch im Jahr 2004 keine Identifizierung desjenigen möglich gewesen, der die Spur am Muckebeutel hinterlassen hatte. „Damals konnte man mit dem Ergebnis nicht viel machen. Aber die Analysen haben sich rasant verbessert.“

Die LKA-Expertin stand fast eine Stunde lang im Zeugenstand und beschrieb ausführlich das Untersuchungsverfahren und seine Ergebnisse sowie Schlussfolgerungen, die sie daraus gezogen hatte. Sie habe sehr hohen Aufwand getrieben, „konservativ gerechnet“, gründlich abgewogen und die Befunde mit Kollegen erörtert. Letztlich erklärte die Diplom-Biologin: „Ich habe keine Zweifel, dass der Tatverdächtige an dieser Zellspur beteiligt war.“ Das Klebeband hatte DNA-Spuren von zwei Menschen aufgewiesen. Eine gewisse Einschränkung machte die Expertin aber doch: „Ein anderer Sachverständiger könnte sagen ‚Mir reicht das nicht!‘“

Die Spuren am Kölner Tatort hatten sich im Übrigen als wenig ergiebig gezeigt. Es gab dort – außer vom Besitzer und von Mitarbeitern – keine verwertbaren Fingerabdrücke oder DNA-Spuren. Es wurden aber Patronenhülsen vom Kaliber 7,62 Millimeter gefunden, außerdem Stofffetzen und Metallteilchen. Diese hätten, so sagte ein 46-jähriger Kripo-Beamter, zum Reißverschluss der Dokumtenmappe gehört haben, die der Täter nach Berichten von mehreren Zeugen unter dem Arm getragen hatte.

Der getötete Pizzeria-Besitzer trug laut Aussage des Polizisten noch mehr als 900 Euro in seiner Hosentasche, als die Leiche nach der Tat gefunden wurde. ▪ tk

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