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Diskussion um Atemschutz-Geräte: Doch noch in den Pool?

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Von: Jona Wiechowski

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Die Diskussion um einen Beitritt zum Atemschutzpool des Kreises geht weiter. Jetzt soll angefragt werden, was dieser Beitritt kosten würde – um besser vergleichen zu können.
Die Diskussion um einen Beitritt zum Atemschutzpool des Kreises geht weiter. Jetzt soll angefragt werden, was dieser Beitritt kosten würde – um besser vergleichen zu können. © Daniel Bockwoldt/dpa

Mit einem Vorschlag zur Güte endete am Montag die gut einstündige Sitzung des Hauptausschusses im Rathaus. Auf der Tagesordnung stand einzig und allein das Thema Atemschutzgeräte. Die Diskussion tobt seit Monaten. SDA und Grüne hatten mit einer Anfrage noch einmal nachgelegt.

Altena – Kernfrage: Ob es denn nicht günstiger sei, dem Atemschutzpool des Kreises beizutreten? Die Verwaltung hatte auf zwei DIN-A4-Seiten schriftlich geantwortet – und die Frage mit Rechnungen mehr oder weniger mit Nein beantwortet. Jedenfalls für sich. Nachfragen kamen. Um die Diskussion nicht maßlos ausufern zu lassen, hatte Bürgermeister Uwe Kober (CDU) letztlich angekündigt, beim Märkischen Kreis nachfragen zu wollen, was ein Beitritt zum Atemschutzpool zum jetzigen Zeitpunkt kosten würde – um eine Zahl zu haben, die dann zur Kenntnis genommen werden könnte.

Aber von vorn. Der Hintergrund ist komplex und geht Monate beziehungsweise Jahre zurück: Bereits im Februar hatte Ratsherr Ulrich Biroth von der sozialen und demokratischen Alternative (SDA) mehrere Fragen an die Verwaltung gestellt, mit welcher Begründung die Stadt drei Container für die eigene Reparatur und Wartung von Atemschutzgeräten anschaffen möchte. Es gebe doch einen Gerätepool des Kreises, an dem sich die Feuerwehr bedienen könnte.

2020 hatten sich elf Kommunen im Märkischen Kreis zu diesem sogenannten Atemschutzpool zusammengeschlossen. Die entsprechende Vereinbarung legt fest, dass die Feuerwehren dieser Städte und Gemeinden mit einheitlichen Geräten der Firma Dräger ausgestattet werden und dass die nach jedem Einsatz fällige Überprüfung dieser Geräte im Feuerwehrservicezentrum in Iserlohn erfolgt, wofür eine monatliche Pauschale gezahlt werden muss. Unter anderem Altena nutzt Geräte des Herstellers MSA Auer. Die wurden bis Ende 2021 ebenfalls in Iserlohn gewartet – bis das Zentrum ankündigte, dies für diesen Hersteller nicht mehr zu tun. Die eigene Atemschutzwerkstatt, im Keller der Altenaer Feuer- und Rettungswache untergebracht, darf seit einem Hochwasser-Schaden Mitte 2021 nicht weiterbetrieben werden.

Verwaltung will bei System bleiben

Feuerwehr und Verwaltung sind sich einig, beim bisherigen System bleiben und für die Wartung und Instandhaltung wieder eine eigene Werkstatt einrichten zu wollen. Dafür sollen eben die drei Container angeschafft werden, in denen bis zum Neubau der Wache provisorisch und mobil die Atemschutzgeräte gewartet werden können. In der Wache gebe es entsprechend ausgebildetes Personal. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten sind die Container aber noch nicht da. Deshalb muss jetzt noch einmal ausgeschrieben werden.

Vor einer Auftragsvergabe wollen SDA und Grüne aber noch wesentliche Fragen geklärt haben, schreiben sie in ihrer neuen, gemeinsamen Anfrage. Ein Punkt: die Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Die seien angestellt worden und hätten zu der Erkenntnis geführt, dass Altena sich finanziell besserstelle, wenn es die hiesige Wehr nicht an dem Atemschutzpool beteilige, hatte Stadtbrandinspektor Alexander Grass in der Juni-Sitzung im Rat gesagt, nachdem er dort Rede und Antwort stehen musste. Diese Wirtschaftlichkeitsberechnung wollten die beiden Oppositionsparteien sehen. Die sei in der jetzt erfolgten Antwort der Verwaltung aber nicht zu finden, machten Ulrich Biroth (SDA) und Oliver Held (Grüne) am Montag in Wortbeiträgen deutlich.

Geräte auf neuesten Stand gebracht

Außerdem verlangten sie in der Anfrage, dass noch einmal gerechnet wird: Die Verwaltung sollte die Kosten für den Kauf der Container und die Einrichtung der Atemschutzwerkstatt ermitteln und in Relation setzen zu den Kosten, die der Stadt entstünden, wenn sie doch noch dem Atemschutzpool beiträte. Das würde allerdings den Kauf neuer Geräte für die Atemschutzträger erfordern. Und genau das sei nicht wirtschaftlicher, erklärte Bürgermeister Uwe Kober in der Sitzung.

Als Altena 2014 und dann noch einmal 2016 gefragt worden sei, dem Pool beizutreten, habe man sich dagegen entschieden – und für Geräte des Herstellers Auer. Auch das seien Hochleistungsgeräte („Wie der Unterschied zwischen Mercedes und BMW“), die neuwertig und technisch auf dem neuesten Stand seien, was auch daran liege, dass die Stadt in den vergangenen Jahren gut 92 000 Euro in die Hand genommen habe, um diese auf Überdruck umzurüsten, so Kober. Man habe funktionstüchtige Geräte, die die nächsten Jahre funktionieren würden. Diese jetzt für einen unbekannten Preis zu verkaufen und über Jahre neue anzuschaffen, um sich dem Pool anzuschließen, sei nicht kostengünstiger.

Pool-Beitritt vielleicht später

Dem Eindruck, die Stadt habe kein Interesse daran, dem Pool beizutreten, widersprach Kober deutlich. Die Stadt sei gerne zu einem späteren Zeitpunkt dazu bereit, wenn es in ein paar Jahren zur nächsten Ausschreibung komme. Zum jetzigen Zeitpunkt mache das aber keinen Sinn. Das liege auch daran, dass die Werkstatt im Wiederaufbauplan stehe – und darüber bezahlt werde. Sie bedeute keinen zusätzlichen finanziellen Aufwand für die Stadt.

Letztlich schlug Uwe Kober am Montagabend vor, sich beim Kreis erkundigen zu wollen, was ein Beitritt zum Atemschutzpool kosten würde. Mit den Worten „Danke für die Diskussion“ schloss er den Punkt.

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