Pisak-Theater am Burggymnasium Altena

Die Flasche ist leer

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Laut, aufdringlich und wild gestikulierend – Schauspieler Dirk Wittke spielte wiederum den Schauspieler David Aschinger. Lebendig wurde den Schülern gezeigt, was es heißt, süchtig zu sein, es selber aber nicht zu bemerken.

Altena - Ratlose Stille herrscht im Klassenraum. Verwundert gucken sich die Schüler an. David Aschinger hat gerade schwankend den Raum verlassen. Einige Sekunden später kommt er wieder herein, stellt sich als Schauspieler Dirk Wittke vor und erntet erleichterten Beifall von den Neuntklässlern. Im Burggymnasium war gestern das Bielefelder Pisak-Theater mit dem Stück „Flasche leer“ zu Gast.

Für den Schauspieler Dirk Wittke war die Aufführung eine Premiere. Schon oft war er mit dem Pisak-Theater in der Burgstadt unterwegs, ging auch im Januar mit dem Stück „Schattenkrieger“ in die Klassenräume der Grundschule Breitenhagen. Am Burggymnasium trat er am Mittwoch aber zum ersten Mal auf.

Gespielt wurde das von Thilo Reffert geschriebene Stück über die Verdrängungsmechanismen eines Süchtigen. Der Schauspieler David Aschinger soll eigentlich das Werk „Flasche leer“ zeigen und den Alkoholiker Knut spielen. Dieser ist Bahnangestellter, die passende Mütze hat Aschinger dabei, trägt sie aber selten. Immer wieder legt er sie ab, verliert sich in seinen eigenen Erzählungen, versichert dabei mehr als einmal, dass das Stück bald beginnen wird. Dabei zunächst auf dem Tisch und später fest in der Hand: eine Plastikflasche in der sich angeblich schwarzer Tee als Whisky-Ersatz befindet. Schon nach wenigen Schlucken flüstert ein Schüler: „Da ist, glaube ich doch Whisky drin.“

Bahn-Mütze und Whisky waren die wichtigsten Accessoires für die Rolle des David Aschingers.

Im Verlauf des Stückes wird Aschinger immer fahriger, schreit herum und hat sich nicht mehr unter Kontrolle. Er erzählt von seiner Frau und wie sie ihn verlassen hat – im Klassenraum herrscht bedrückende Stille. Das anfängliche Kichern und Grinsen hat aufgehört, keiner weiß so recht, ob dieser Auftritt gewollt ist. Am Ende ist die Flasche tatsächlich leer und der wahre Schauspieler Dirk Wittke legt die Rolle Aschinger ab. Die Erleichterung im Klassenzimmer ist spürbar.

Im Anschluss an die Klassenzimmertheaterstücke des Pisak-Theaters findet immer eine Nachbereitung statt. So wurde auch im Burggymnasium über die Figur David Aschinger und die Alkoholsucht gesprochen. Dirk Wittke erzählte von den mit Alkohol verbundenen Gefahren, wohl wissend, dass man „ein bisschen Risikofreude“ bei Jugendlichen nicht unterdrücken könne. „Schätzt euch selber wert“, gab er den Schülern mit.

Organisiert wurde die Veranstaltung von den Lehrerinnen Lara Kremer und Xenia Ehm, den Kontakt zum Bielefelder Ensemble stellte Angelika Wagner von der Familien- und Jugendförderung der Stadt her.

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