Einer der letzten Netteraner

Dieter Schüssler schließt seinen Teppich- und Tapetenfachhandel

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Nach einer typischen Handbewegung gefragt, muss Dieter Schüssler nicht lange überlegen: Das Teppichmesser hat er zig mal zur Hand genommen im Laufe seines Lebens.

Altena - Vorausschauende Kaufleute aus der Nette hatten es ihm einst prophezeit: „Dieter, Du wirst noch eines Tages als Letzter hier das Licht ausmachen!“ Tatsächlich ist es so gekommen: Mit Dieter Schüsslers Teppich- und Tapetenfachgeschäft schließt eines der letzten inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte im Stadtteil. Am 31. März dreht der 71-Jährige den Schlüssel für immer um.

Obwohl das Rentenalter längst erreicht ist, fällt dem Altenaer dieser Schritt schwer. „Sich selbstständig zu machen ist leicht. Selbstständig bleiben ist eine Kunst“, erklärt Schüssler.

Angefangen hatte der ausgebildete Maler und Bodenleger ganz klein mit einem Teppichbodenstudio in der Nettestraße 106. Seine Dienstleistungen pries er nicht nur per Zeitungsannonce an, sondern vor allem persönlich: „Ich habe bei Firmen und Privatpersonen vorgesprochen und gefragt, ob sie Bodenbeläge oder Reinigungen benötigten. Als Altenaer Junge hatte ich einen Vertrauensvorschuss und konnte mir einen Kundenstamm aufbauen. Und später sogar in ein größeres Ladenlokal umziehen und auch Tapeten, Farben und Malerarbeiten anbieten“, erinnert sich Schüssler zurück.

Bis zum 31. März will Dieter Schüssler sein Lager abverkaufen. Er hat jede Mode mitgemacht in 44 Jahren.

Zeitweilig arbeiteten fünf seiner Mitarbeiter nur im Dienst der Deutschen Bahn, die das Altenaer Unternehmen für Renovierungsarbeiten in ihren Dienstwohnungen anheuerte. Vor Ort in Altena war Dieter Schüssler oft selbst präsent, auch in seiner Eigenschaft als Vermieter kümmerte er sich um den Wohnraum seiner Kunden, denn Immobilien wurden im Laufe der Jahre zu seinem zweiten Standbein. „Das bleibt auch so, ich gehe ja nicht aus Altena weg“, versichert der angehende Unruheständler.

Unzählige Altenaer hat er im Rahmen seiner Tätigkeit besucht, beraten und begleitet und drang dabei zwangsläufig auch in intimste Räume ein. „Klar steht man in diesem Beruf auch mal im Schlafzimmer der Leute. Und manchen Teppich habe ich um die wackere Hausfrau herum gereinigt. Da lernt man Menschen kennen“, schildert der Unternehmer lachend.

Was ihn traurig gemacht hat, war das Ladensterben in der Nette. „Wir hatten hier doch alles: Lebensmittelläden, Bäcker, Metzger, Blumen- und Schuhgeschäft... Das waren nicht nur Nachbarn, sondern auch Freunde!“

Gewachsene Verbindungen pflegen, das hat sich Dieter Schüssler für den (Fast-)Ruhestand fest vorgenommen. „Jetzt ist die Familie dran. Die hat oft zurückstecken müssen in all den Jahren.“

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