„Die Vergangenheit holt ihn hier ein“

Die Tür zum Saal des Hagener Schwurgerichtes.

ALTENA ▪ „Nach den Taten ist das Leben für ihn weitergegangen – aber die Vergangenheit holt ihn hier ein“, sagte am Freitag Dr. Frank Schreiber als Vorsitzender des Hagener Schwurgerichts mit Blick auf den Angeklagten und die beiden Morde. Michael P. wurde zu zwei Mal lebenslänglicher Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Damit treffe den 48-jährigen Neuenrader das „absolute Maximum an strafrechtlichen Konsequenzen“, so Schreiber.

Mit dem Urteil werden zwei Morde gesühnt, einer begangen im März 1999 am Altenaer Muckebeutel, einer im Oktober 2006 in Köln-Deutz. Während die Altenaer Tat „aus der Situation heraus geboren“ worden und als „Verdeckungsmord“ einzuordnen sei, handele es sich bei der Kölner Tat um einen „klassischen Auftragsmord.“ Der Vorsitzende beschrieb den Neuenrader als einen „Hangtäter, der für die Allgemeinheit gefährlich ist.“ Die Anordnung der Sicherungsverwahrung hatte Strafverteidiger Andreas Trode in seinem Plädoyer zu verhindern versucht. Dass es überhaupt Ermittlungen und anschließend einen Prozess gegen den 48-Jährigen gegeben habe, sei letztlich der „Aufmerksamkeit und Hartnäckigkeit“ zweier Hagener Kripobeamter zu verdanken. „Das hätte auch im Sande verlaufen können“, so Schreiber mit Hinweis darauf, dass die Kölner Ermittler den rätselhaften Fall offenbar bereits abgeschrieben hatten.

Rückblende: Es war der neunte Verhandlungstag, an dem der Angeklagte sein Schweigen brach und ein umfangreiches Geständnis ablegte. Gestern zeigte sich, dass es offenbar die Konfrontation mit den vier Töchtern des Kölner Opfers war, die P. zu diesem Schritt gebracht hatte. Er habe ihnen „Hinweise auf die Fragen nach dem Warum gegeben“, so Dr. Schreiber in der Urteilsbegründung. Zudem wären ohne die umfangreichen Aussagen P.‘s weitere Schritte gegen Mitverantwortliche und Hintermänner nicht möglich geworden.

Überlegungen, ob P. vor Gericht einen „letzten großen Auftritt“ gesucht habe, wollte sich Dr. Schreiber nicht anschließen. „Das wird ihm nicht gerecht.“ Der Verurteilte habe „viele Jahre in fester Verstrickung mit kriminellen Strukturen“ gelebt. Dieses Milieu bedeute „eine Gefahr für jeden, der spricht. Dieser Gefahr setzt er sich aus“, so der Vorsitzende. ▪ tk

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare