Dialektsprecher gesucht: Rahmeder und Rosmarter gefragt!

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Ein Wort, viele Dialekte: Wie "Dorf" wo gesprochen wird, zeigt diese Karte.

Altena –Dialektsprecher aus Altena sucht die Uni Siegen für einen Dialektatlas. In Evingsen wurden die Forscher fündig. Doch sie suchen weitere Sprecher.

Petra Solau-Riebel macht zurzeit jede Menge Kilometer. Kilometer im Dienste der Wissenschaft. Sie arbeitet an einem großen Projekt mit, das „dem Volk auf’s Maul schaut“, wie Martin Luther es empfohlen hätte. 

Es geht um ein Vorhaben namens DMW-Atlas: Dialekt-Atlas Mittleres Westdeutschland. Auch Altenaer sind gefragt. Im Oktober 2019 hatten Wissenschaftler der Universität Siegen einen Aufruf gestartet. Sie suchten – und suchen noch immer – nach Menschen, die einen möglichst unverfälschten Burgstadt-Dialekt sprechen. 

Rosmarter und Rahmeder bitte melden

Interessiert sind die Sprachforscher besonders an Sprechern aus Evingsen, Rosmart und aus der Rahmede. Während die Resonanz aus Evingsen bisher schon ganz gut ist – es haben sich drei Personen gemeldet –, sieht es für das übrige Gebiet mau aus. „Aus Rosmart oder aus der Rahmede hat sich leider niemand gemeldet“, sagt Petra Solau-Riebel. 

Die Sprachwissenschaftlerin würde sich freuen, wenn sich dort noch jemand aufraffen würde. „Es käme auch jemand aus Dahle oder Ihmert in Betracht“, ergänzt sie. Hintergrund: Die Mitarbeiter der Studie haben ihr Untersuchungsgebiet in Planquadrate – also streng genommen Rechtecke – von neun mal zwölf Kilometern eingeteilt. 

Das sind die Voraussetzungen

In Frage kommen darin Orte mit mindestens 500 und höchstens 8000 Einwohnern. Wer mitmachen möchte, sollte nicht nur aus einem der drei Ortsteile stammen, sondern auch 70 Jahre oder älter sein, seit Geburt in der Burgstadt leben, und mindestens ein Elternteil sollte ebenfalls aus dem Ortsteil stammen. 

Forscher führen für den Dialektatlas Befragungen bei den Teilnehmern zu Hause durch. Dabei haben die Teilnehmer die Aufgabe, mithilfe von Fotos, Umschreibungen, Videos und Lückentexten Begriffe aus den Bereichen Haus, Hof, Leben und Umwelt in ihren Dialekt zu übertragen. 

Kaum Sauerländer Platt mehr zu hören

Der Umfang der Erhebungen für den DMW ist beachtlich: Insgesamt sollen rund 3000 Mundartsprecher in über 1000 Orten befragt werden. In die Hausbesuche investiert Solau-Riebel etwa je drei Stunden. 

Die Wahrscheinlichkeit, noch auf Menschen zu treffen, die tatsächlich Sauerländer Platt sprechen, ist natürlich gering. Das ist den Sprachkundlern bewusst. Aber das Sauerland und die hier gesprochene Sprache färbt ab, wie man oft hören kann. 

Sprachwandel erfassen

Genau diese Einflüsse soll die Untersuchung dingfest machen. Erste Karten sollen noch in diesem Jahr online gestellt werden, sagt Solau-Riebel. Gesucht werden Sprecher im mittleren Westdeutschland, wobei es die Forscher interessiert, welche Worte gewählt werden, wie sie ausgesprochen werden, wie sie klingen. Um einen vermuteten Sprachwandel zu erfassen, werden Daten zweier Generationen erhoben.

Dies sind die Generation der Sprecher, die 70 Jahre und älter sind, sowie deren Kinder oder Enkel, also die heute 30- bis etwa 45-Jährigen. „Wir gehen davon aus, dass sich der stärkste Grad an Dialekt in der älteren Generation findet“, sagt Solau-Riebel, „und die Kinder- und Enkelgeneration Formen schwächeren Dialekts zwischen Basisdialekt und Standardsprache verwenden“. Dies betreffe vor allem das hiesige Platt, das seit den 1950er Jahren nur noch selten an die Kinder weitergegeben wird.

Dialektsprecher gesucht

 Interessierte, die bei den Befragungen mitmachen möchten und die Kriterien erfüllen, können sich an Petra Solau-Riebel, Tel. 01 51/28 89 54 87, wende

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