Deutschlands größtes Strick-Graffiti: Bunt, frech, innovativ

Farbiger Akzent mitten in Dahle.

ALTENA ▪ 14 Wochen hat Ute Lennartz-Lembeck gestrickt. Manchmal Tag und Nacht. Das Ergebnis sind über 30 Quadratmeter Schläuche, mit denen die Künstlerin Deutschlands größtes Firmen-Strickgraffiti gestaltete. Es schmückt seit gestern die Außenfassade der Gustav Selter GmbH in Dahle.

Addi – so der Firmenname des mittlerweile von Thomas Selter in sechster Generation geführten Unternehmens, ist Europas größter Hersteller mit einem Vollsortiment an Strick- und Häkelnadeln. Aktuell exportiert die Firma, die mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt, „in über 50 Länder der Erde“, wie der Firmenchef ausführte. Für ihn sind „Strick-Graffities der neue Trend im öffentlichen Raum.“ Statt Sprühdosen seien die Werkzeuge der Strickgraffiti-Künstler „Nadeln und Faden“. Das garantiere, „dass die Ergebnisse auch wieder leicht abzumontieren sind. Es genügt eine einfache Schere“, flachste der Altenaer gestern vor Mitarbeitern, Anwohnern und einer Vielzahl von Kunden am Stammsitz der Firma in Dahle.

Ute Lennartz-Lembeck kommt aus Remscheid und ist studierte Kunstpädagogin. „Ich arbeite nicht gewerblich“, sagte sie gestern. Doch als Thomas Selter sie anrief, weil er vor einigen Monaten auf eine ihrer Strickgraffiti-Aktionen aufmerksam wurde, kam sie seiner Einladung nach Dahle zu kommen sofort nach. Die 51-Jährige hatte in Velbert eine Trauerweide „bunter und fröhlicher gestrickt“. „Zwischen uns hat die Chemie sofort gestimmt.“ Und „den“ deutschen Stricknadelhersteller addi einzustricken, „diese Idee fand ich besonders verrückt.“ Nicht nur Selter, sondern auch die Mitarbeiter und die jahrhundertelange Tradition der Firma hätten sie „sofort rumgekriegt, hier tätig zu werden. Ich selbst komme nämlich auch aus dem Mittelstand. Meine Familie betreibt eine Sägenfabrik. Eine Firma, die ausschließlich in Deutschland produziert, muss man doch unterstützen!“

Im Schnitt sechs Stunden am Tag klackerten in den letzten dreieinhalb Monaten die Nadeln im Wohnzimmer der Künstlerin. Verstrickt hat sie 95 bunte Knäule á 100 Gramm langlebiger Polyacrylwolle zu einem insgesamt 140 Meter langem Schlauch. „Den kann man fast mit den Würsten aus den Stricklieseln von früher vergleichen“, scherzte sie gestern. Sie zog alles auf Drainagerohre und montierte sie in Spiralform auf ein Lattengerüst, das als Unterkonstruktion am Fabrikgebäude hängt. Fertig. Wer sich die bunten Spiralen genauer ansieht, stößt dabei auch auf Worte wie „Liebe“, „Freude“ oder „Gesundheit.“ „Die Arbeit ist im Zusammenwirken mit den Mitarbeitern entstanden. Ich habe viele persönlich gefragt, was sie mit ihrer Arbeit bei Addi verbinden.“ Herausgekommen sind eben diese Begriffe, die auf Stoff geschrieben in das Strick-Graffiti integriert wurden.

Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein fand den erzielten optischen Effekt „ausgesprochen sympathisch. Das bereichert den Ortsteil Dahle. Für mich ist das auch wieder ein gutes Beispiel, wie südwestfälische Traditionsunternehmen nach wie vor heute innovative Gedanken umsetzen.“

Von Johannes Bonnekoh

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