Deutsche Machtspielchen in der Kolonialzeit

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Orden und Ehrenzeichen des Mannes befinden sich im Besitz des Kreisarchivs.

ALTENA - „Er war alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse“ - so beschrieb Prof. Dr. Jürgen Gründer gestern Carl Peters - den deutschen Kolonialisten mit Verwandtschaftlichen Beziehungen nach Iserlohn – und nach Altena.

Seit mehr als 60 Jahren besitzt das Kreisarchiv den Nachlass des umstrittenen Mannes, zumindest einen Teil davon. Und aus eben diesem Nachlass stammt eine Schellack-Schallplatte mit unbekanntem Inhalt. Jetzt gab es endlich Gelegenheit, dieses Dokument aus dem Jahr 1915 aufarbeiten zu lassen und den Inhalt aufzubereiten. Es handelt sich um eine zweiteilige Rede, von der jedoch nur der zweite Teil von etwas über fünf Minuten Länge erhalten ist.

Peters war Gründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika und wegen seiner Brutalität im Umgang mit den Eingeborenen schon zu Lebzeiten sehr umstritten. Das Gebiet der Kolonie Deutsch-Ostafrika – die größte und bevölkerungsreichste Kolonie des Deutschen Reiches - umfasste in etwa die heutigen Länder Tansania (ohne Sansibar), Burundi und Ruanda sowie einen Teil von Mosambik. Peters propagierte und praktizierte eine aggressive Kolonialpolitik, die nur ein Motiv kannte: „Die rücksichtslose und entschlossene Bereicherung des eigenen Volkes auf anderer schwächerer Völker Unkosten“.

Peters setzt sich in der Rede mit der deutschen Kolonialpolitik des Kaiserreiches auseinander. Peters sah deren größten Fehler darin, in Übersee lediglich einen Flickenteppich von „Länderfetzen“ in Besitz genommen zu haben. Was Peters dagegen vorschwebte, war ein großes deutsches „Mittel-Afrika“, das in Deutsch-Ostafrika seinen Anfang nehmen sollte und um das zentralafrikanische Seengebiet, den oberen Nil, Westafrika, Uganda und den Kongo ergänzt werden müsste. Nur in einer solchen Größenordnung böte eine Kolonie den nötigen „handelspolitischen Aufschwung“, sagt Peters in der Rede. „Hier könnte Deutschland beginnen, sich als Kolionalmacht zu bewähren.“ Im Gegenzug solle man „Reibungsflächen“ aufgeben, die sie durch Besitztümer bei Japan, China und Australien hervorgefrufen werden.

Peters privater Nachlass wird seit den 1950er Jahren im Archiv des Märkischen Kreises aufbewahrt, denn Peters war mit Thea Herbers, einer Schwägerin des Altenaer Landrats Dr. Fritz Thomée, verheiratet. Aus diesem Nachlass stammt die Schellak-Grammophonplatte. Wie Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski recherchierte, handelt es sich hierbei um das weltweit einzig bekannte Tondokument mit der Stimme Carl Peters’.

Die Rede, in der Peters seine Pläne für „Mittel-Afrika“ nach dem Ende des Ersten Weltkriegs darlegt, hat Prof. Dr. Horst Gründer, Kenner deutscher Kolonialgeschichte, vor dem Hintergrund der deutschen Kriegspolitik analysiert. Gründer war bis 2004 Professor für Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

von Thomas Keim

Zur Person von Carl Peters:

Carl Peters wurde 1856 in Neuhaus an der Elbe geboren und starb 1918 in Bad Harzburg. Er war Kolonialist, Afrikaforscher und Publizitst mit ausgeprägter rassistischer Einstellung. Er gilt als Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika. Seine „Herrenmenschenmentalität“ und sein Sozialdarwinismus überspannte selbst in der im Umgang mit „Negern“ nicht zimperlichen Kaiserzeit den Bogen und führte dazu, dass Peters 1897 unehrenhaft aus dem Reichsdienst entlassen wurde. Die Tatsache, dass Peters aus persönlichen Motiven seine schwarze Mätresse und einen angeblich mit ihr verbandelten Afrikaner hatte hinrichten lassen, sorgte im Kaiserreich für einen der spektakulärsten Kolonialskandale. „Hänge-Peters“ nannte ihn damals die Presse. J Quelle: Wikipedia

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