Deutsch lernen im Stellwerk

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Sprachunterricht im Stellwerk: Schüler aus Eritrea und Guinea lernen Deutsch in Wort und Schrift

ALTENA - Viermal in der Woche treffen sich derzeit elf Asylbewerber im Stellwerk. Sie möchten Deutsch lernen. Drei Ehrenamtliche geben Unterricht.

„Ich bin Hishelu Kiflom. Ich bin 25 Jahre alt. Ich komme aus Eritrea. Ein paar deutsche Wörter kann ich schon“, stellt sich einer der Schüler mit einem Lächeln vor. „Ich heiße Abdoulaye Diallo. Ich komme aus Guinea“, schließt sich ein weiterer an. Die ersten Worte sitzen.

Lehrerin France Broens hört aufmerksam zu, lässt ihre Schüler viel reden, greift ein, sobald jemand ein unpassendes Wort benutzt oder etwas falsch betont. Sie schreibt Wörter an die Tafel, spricht Sätze vor. Die Schüler wiederholen im Chor oder einzeln.

„Inzwischen können sie schon erste Verben konjugieren“, erzählt Broen. Schwierig sei es trotzdem. Auf Englisch und Französisch verständigen sie sich während der zwei Unterrichtsstunden, die sie an vier Tagen pro Woche abhalten. Marion van den Boogaard, ebenfalls Lehrerin und unter den Ehrenamtlichen, erzählt, dass die Asylbewerber jeden Tag, immer von montags bis donnerstags, zu Fuß zum Stellwerk kämen – von ihren Unterkünften aus liefen sie mehrere Kilometer.

Ursprünglich sei die Stellwerkgruppe davon ausgegangen, maximal mit zehn Schülern zu arbeiten, es kämen aber nach und nach mehr. „Wie viele es noch werden, wissen wir nicht genau. Wir brauchen vielleicht bald andere Räume. Auch weil im Stellwerk zeitgleich noch andere Treffen und Sprechzeiten stattfinden.“ Das Stellwerk habe sich an die VHS gewandt, in der Hoffnung zukünftig deren Räumlichkeiten nutzen zu können. Organisatorisch stecke das Projekt noch in den Kinderschuhen. Die unterschiedlichen Niveaus, auf denen sich die Asylbewerber sprachlich befänden, erleichterten die Situation nicht.

Esther Petersmann, die dritte im Bunde, beschäftigt sich separat mit einem Syrer und einem Afghanen. Die beiden jungen Männer müssen erst das Alphabet lernen. Gearbeitet wird mit Büchern zum Deutschlernen auf dem gängigen A1-Niveau, aber auch viel im persönlichen Gespräch.

„Einen offiziellen Sprachkurs können die Asylbewerber erst belegen, wenn ihr Asylantrag genehmigt wurde“, erzählt van den Boogaard. „Hier vermitteln wir Grundkenntnisse, um ihnen das Leben zu erleichtern.“ Die Hoffnung der Männer sei, in Deutschland bleiben zu dürfen und irgendwann einen Job zu finden. Vorerst kommen sie mit etwa 300 Euro monatlich aus. Für den Sprachkurs im Stellwerk müssen sie keine Gebühren zahlen. Um das weiter zu ermöglichen, sucht das Stellwerkteam zusammen mit Anette Wesemann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, nach weiteren Ehrenamtlichen, die Deutschkenntnisse vermitteln können, aber auch nach Arbeitsmaterialien, zum Beispiel einer zweiten Tafel. - Von Kristina Köller 

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