Intensiver Austausch mit Familien

Eltern zeigen Solidarität: Deutlich weniger Kinder in den Kitas

Nur wenige Kinder sind zurzeit in den Tageseinrichtungen in Altena und Nachrodt. Für die, die jetzt zuhause betreut werden, gibt es Beschäftigungsideen zum Teil per Post.
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Nur wenige Kinder sind zurzeit in den Tageseinrichtungen in Altena und Nachrodt. Für die, die jetzt zuhause betreut werden, gibt es Beschäftigungsideen zum Teil per Post.

Der eingeschränkte Regelbetrieb in den Kitas scheint sich gut eingespielt zu haben. Wie viel ist noch in den Einrichtungen los? Ein Blick nach Altena und Nachrodt-Wiblingwerde.

Altena/Nachrodt – Der eingeschränkte Regelbetrieb in den Altenaer Kitas scheint sich gut eingespielt zu haben. Schon im Frühjahr war während des ersten harten Lockdowns die Betreuungszeit um jeweils zehn Stunden gekürzt worden – also von 25 auf 15, von 35 auf 25 und von 45 auf 35. Dies ist jetzt wieder der Fall. Die meisten Eltern haben Verständnis für die schwierige Situation und lassen ihre Kinder zu Hause. Das ist der Tenor der Kita-Leiterinnen.

Johanniter-Kita Zwergenburg: Viel Flexibilität

„Wir stehen in allen Kitas im intensiven Dialog mit den Eltern, um ihre jeweilige berufliche und private Situation berücksichtigen zu können“, sagt Karola Stracke, Kita-Fachbereichsleiterin der Johanniter in Südwestfalen. In der Johanniter-Kita Zwergenburg in Altena werden derzeit nur neun von 70 Kindern betreut, bis zum Ende dieser Woche sollen es am Tag aber auch mal 15 Kinder sein.

„Wir haben die Informationen des NRW-Ministeriums weitergegeben und viele Fragen dazu beantwortet“, sagt Kita-Leiterin Karina Lazar. Sie hat bei den Familien ein großes Verständnis für die Regeln erlebt: „Viele Eltern organisieren die Betreuung ihrer Kinder nun selbst.“ Doch wo immer dies nicht möglich sei, stünden die Fachkräfte für die Betreuung bereit: „Unsere Kita ist offen.“

Ein Entgegenkommen der Eltern beobachtet auch Odette Klenke, Leiterin der Johanniter-Kita in Altroggenrahmede: „Die Eltern gehen mit großer Flexibilität auf die derzeitige Infektionslage ein“, würdigt sie das Engagement der Mütter und Väter. Die Kita zeigt sich ebenfalls flexibel: „Wir sind im ständigen Dialog mit den Eltern und gehen im Einzelfall auf ihren Bedarf ein.“

Wenn Berufstätige die Abholzeit um 13 Uhr nicht einhalten können, kann das Kind auch eine halbe Stunde später abgeholt. werden. Die NRW-Regelung der Minus-Zehn-Stunden darf bei ausreichend Personal im Einzelfall flexibel gehandhabt werden. „Wenn Eltern frei bekommen, lassen sie ihr Kind zuhause. Müssen sie in der Woche darauf arbeiten, kommt ihr Kind wieder zu uns“, stellt Odette Klenke zum Ablauf fest.

Untätig sind die Mitarbeitenden der Johanniter-Kitas trotz der wenigen Kinder nicht: „Wir bearbeiten unser Qualitätsmanagement, feilen an unserer Konzeption und aktualisieren zum Beispiel derzeit unseren pädagogischen Schwerpunkt der Inklusion“, berichtet die Leiterin der Kita Altroggenrahmede. Beide Johanniter-Kitas in Altena bereiten sich derzeit außerdem auf die Rezertifizierung als Familienzentrum im Verbund Altena vor.

Kindergärten Knerling und Drescheider Berg: Verständnis bei den Eltern

Ganz anders das Bild in anderen Einrichtungen: „Wir haben reichlich Kinder hier“, sagt Inge Harneid, die für die evangelischen Kindergärten Knerling und Drescheider Berg sowie für die Waldgruppe zuständig ist. 25 von 65 Kindern seien derzeit in der Kita am Knerling auf zwei Gruppen und die Waldgruppe verteilt. Am Drescheider Berg dagegen seien es etwas weniger, dort besuchen nur sieben von 45 Kindern die Betreuung.

„Das ist aber von Tag zu Tag unterschiedlich“, sagt Inge Harneid, die mit der Situation in ihren Kitas zufrieden ist. Die Eltern seien verständnisvoll, man erlebe viel Solidarität. „Wer es möglich machen kann, das Kind zu Hause zu betreuen, der macht es auch“, sagt Harneid. Für die Erzieherinnen sei die derzeitige Situation nicht ungewohnt: „Unser Mitarbeiterteam ist gut eingespielt. Wir kennen die Situation, es läuft gut“, so die Kita-Leiterin.

Awo-Kindergarten in Nachrodt: Pakete mit Beschäftigungsideen per Post

Mona Schmöle, die derzeit Kita-Leiterin Katrin Bormann vertritt, berichtet, dass in der Awo-Kita in Nachrodt der eingeschränkte Regelbetrieb gut angelaufen sei. „Wir haben alle Eltern telefonisch erreicht und mit ihnen das Vorgehen besprochen und haben auch gefragt, wie es ihnen in der aktuellen Situation geht“, sagt Schmöle.

Auf die neue Regelung mit reduziertem Betreuungsumfang hätten die Eltern verständnisvoll reagiert. Etwas mehr als die Hälfte der Familien kümmere sich nun zu Hause um die Kinder. „Von 71 Kindern sind noch etwa 30 da, auch mal drei mehr oder weniger“, berichtet Schmöle, dass die Zahl von Tag zu Tag leicht variiere. Die um zehn Stunden reduzierte Betreuungszeit sei kein großes Problem. Und wenn es damit für die Eltern im Beruf zeitlich doch mal eng wird, unterstütze man sich gegenseitig, indem eine Familie auch ein befreundetes Kind abholt. „Das kommt aber nur sehr selten vor“, sagt Schmöle. Dennoch sei es ein schönes Zeichen des Zusammenhalts.

Ihre Kolleginnen und Kollgen haben sich in der Situation bereits zurecht gefunden. Ein Teil der Erzieher ist derzeit im Home-Office und bereitet von dort aus Pakete vor, die an die Kinder geschickt werden. „Darin befinden sich zum Beispiel Spielideen, Spielzeug aus dem Kindergarten und Basteltipps“, erklärt Schmöle. Auf diese Weise wollen die Mitarbeiter verhindern, dass ihren kleinen Freunden zu Hause langweilig wird.

Kita Zweckverband: Bewährte Konzepte laufen weiter gut

Beim Kita-Zweckverband des Bistums Essen, der in Altena die Einrichtungen St. Katharina und St. Matthäus betreibt, läuft der Betrieb bislang ohne Zwischenfälle, sagt Iris Diedenhofen, Gebietsleiterin für den Märkischen Kreis. „Die Kitas konnten auf bewährte und bereits angewandte Konzepte zurückgreifen. Vonseiten der Eltern gab es deshalb keinerlei Irritationen oder Beschwerden.“

Insgesamt sei es in den Kindergärten „relativ ruhig“. In der Einrichtung St. Katharina betreue man derzeit 14 von 45 Kindern, in St. Matthäus sind es in der laufenden Woche nur sieben von 33. „Nächste Woche sollen zwölf Kinder kommen“, sagt Diedenhofen. Die Bedarfe spreche man mit den Eltern ab, „weshalb wir auch immer wissen, ob und gegebenenfalls, wann ein Kind anwesend ist“. Auf diese Weise sei die Betreuung auch in dieser schwierigen Zeit planbar.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Kitas fordern: „Wir brauchen Planungssicherheit“

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