Windräder werden an „stillen“ Tagen abgeschaltet

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In Lüdenscheid entsteht zurzeit ein Windrad, das in seinen Dimensionen den sechs am Kohlberg geplanten Anlagen gleicht. Dazu musste ein mehr als 100 Meter hoher Kran aufgestellt werden.

Altena - Ein großes Geheimnis hat die Firma SL Windenergie bisher um die Baugenehmigung für ihre sechs Windräder auf dem Kohlberg gemacht. Eine Einsichtnahme durch Medienvertreter zum Beispiel wurde abgelehnt.

Vielleicht sollte sich nicht herumsprechen, dass die Anlagen relativ oft abgeschaltet werden müssen. Drei von ihnen dürfen an den so genannten „stillen“ Feiertagen (Karfreitag, Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag) nicht laufen, weil sie nahe am so genannten Waldfriedhof und am SGV-Ehrenmal stehen. Auch an dem Tag, an dem das Kohlbergtreffen stattfindet, dürfen diese Anlagen nicht in Betrieb sein.

Während des laufenden Genehmigungsverfahrens wurde auch ein sogenannter landschaftspflegerischer Begleitplan eingereicht. Ein solches Papier beschreibt die Maßnahmen, die bei Bauvorhaben, die Eingriffe in die Natur und Landschaft erfordern, im unmittelbaren Bereich des Bauwerkes oder seiner näheren Umgebung zur Kompensation oder Minimierung dieser Eingriffe vorzunehmen sind.

Häufige Stillstände bei Nacht

Dieser Begleitplan ging dem Kreis wenigstens an einer Stelle nicht weit genug: Zur „Vermeidung von Individuenverlusten“ bei der Population der Zwergfledermaus dürfen die Windräder vom 1. April bis zum 31. Oktober nachts nicht laufen, wenn es wärmer als zehn Grad ist und die mittlere Windgeschwindigkeit weniger als sechs Meter pro Sekunde beträgt. Der Kreis verlangt, dass eine Vorrichtung geschaffen wird, die in all diesen Fällen eine automatische Abschaltung vornimmt.

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Auch zu Schall und Schattenwurf gibt es Auflagen. Thema Geräusche: In Rüterschlad – das ist ein einsam gelegenes Haus an der Verbindungsstraße vom Giebel nach Garbeck – dürfen tagsüber 60 Dezibel ankommen und nachts 45. An der oberen Ehrenmalstraße dürfen es 55 beziehungsweise 40 Dezibel sein und am Kohlberghaus nur 45 beziehungsweise 35 Dezibel. Dass diese Werte eingehalten werden, muss der Betreiber spätestens ein Jahr nach Fertigstellung durch ein Gutachten belegen. Damit die Werte eingehalten werden, sind für vier der sechs Anlagen Nachtabsenkungen vorgesehen.

Unterschiedliche Ansichten zum Kohlberghaus

Eine interessante Formulierung wählt der Kreis in der Baugenehmigung in Hinblick auf das Kohlberghaus. Die Stadt Altena hatte es in ihren Stellungnahmen als besonders schutzbedürftig bezeichnet. Für solche Bedenken bestünde „im Hinblick auf fehlende Schutzkategorien im Immissionsschutzrecht kein Raum“, teilt dazu die Genehmigungsbehörde mit.

Für den Kreis ist die Sache mit den Windrädern übrigens ein lohnendes Geschäft: Er berechnet für die Genehmigung eine Gebühr von etwa 85.000 Euro. Das liegt an den Kosten des Windparks, die in der Baugenehmigung mit 27,7 Mio. Euro angegeben werden. 6,5 Prozent davon – also 1,8 Mio. Euro – muss der Investor als Sicherheitsleistung festlegen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Windräder beseitigt werden, wenn sie irgendwann ausgedient haben.

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