Denkmal-Tag: Rundgänge, Ausstellung, Lichtkunst

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Auf den Spuren Gustav Selves begaben sich viele Altenaer am Tag des offenen Denkmals.

ALTENA - An den acht historischen Doppelhäusern entlang der Werdohler Straße gegenüber dem Haus Lennestein ist jeder Altenaer schon einmal vorbei gefahren. Gestern, am Tag des offenen Denkmals, nutzten Dutzende die Möglichkeit, eines davon auch einmal von innen zu sehen.

„Jetzt weiß ich endlich, wie es hinter der Haustür aussieht“, merkte eine Altenaerin an. Stadtführerin Ursula Rinke und städtischer Denkmalpfleger Jürgen Wagner führten sie ins Haus Nummer 14. Es ist seit kurzem unbewohnt und steht heute unter Denkmalschutz. „Passen Sie bitte auf, es ist vielleicht nicht überall sauber“, warnte das Duo. Doch der Ausflug in die Historie lohnte sich. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Immobilie so groß ist“, staunte ein Besucher. Gustav Selve, der für rund 200 seiner Arbeiter diese Häuserzeile um 1870 errichten ließ, legte Wert auf Komfort. So ist die Küche der größte Raum im Haus, unzweifelhaft als Wohnmittelpunkt zu erkennen. Unten gibt es noch ein weiteres Zimmer. Wer dann die steil nach oben führende Treppe hochsteigt, staunt über Schlafräume und ein Bad. „Selve ließ schon damals Zentralheizungen einbauen“, erläuterte Wagner. Der Blick in den Garten verblüfft ebenfalls. Es gehört viel Land zum Haus, das bis zur Lenne reicht. „Hier wurde etwas zur Selbstversorgung angebaut“.

Über eine Art Werks-Kindergarten, bahnbrechende Sozialleistungen wie Speisesäle, Badeanstalten, geregelte Kantinenessen und Kurse für die Frauen der Arbeiter in Handarbeit- und Nähen mittels Maschine sowie große Schlafsäle für bis zu 500 Arbeiter, die Selve aus Holland angeworben hatte und die nur Monate an der Lenne blieben, Ulla Rinke und Jürgen Wagener ließen nichts aus, das beispielhafte unternehmerische Wirken zu erläuterten. Abgerundet wurde der Selve-Tag durch den Besuch der ProkuristenVilla am Winkelsen und einen Gang zum Denkmal des „Stillen Gustav“. Die Ausstellung aus dem Lennestein kommt jetzt noch in einige Schulen.

Lichtinstallation in der Lutherkirche fasziniert

Eden und Frieden

Etwa sechs mal vier Meter groß ist das dunkle Gerüst, das an der linken Stirnwand der Lutherkirche lehnt. Dass Leuchtstoffröhren das ganze zu verstärken scheinen, wird auf Anhieb nicht sichtbar. Erst wenn die gut einen Meter großen Buchstaben plötzlich aufleuchten, kann der Betrachter das Wort Frieden oder Eden problemlos ablesen. „Diese Lichtinstallation des Düsseldorfer Künstlers Peter Schloss ist unser Beitrag zum heutigen Tag des Denkmals“, erläutern Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier und sein Presbyter Carsten Menzel.

Kunst und Kirche – diese Verbindung sind die Verantwortlichen der evangelischen Gemeinde Altena mehrfach eingegangen. Und das Duo erläuterte gestern zahlreichen Besuchern am Nachmittag ab 15 Uhr die Arbeit aus Leuchtstoffröhren und Stahl. „Wir möchten niemanden unsere Deutung aufzwingen. Jeder sollte sich selbst Gedanken machen, was er sieht oder sehen möchte“, sagte dabei etwa Carsten Menzel. Bereits nach dem Sonntagsgottesdienst war die „Lichtleiste“ aufgeschaltet und wird jetzt weiterhin donnerstags zur offenen Kirche an Markttagen sowie sonntags bis Mitte Oktober zu sehen sein. Peter Schloss hat sein Objekt „maßgeschneidert auf diesen Kirchenraum“, sagt der Pfarrer. Dass es an einem Schicksalstag wie dem 11. September erstmals am Ort zu sehen war, sei ein glücklicher Zufall.

von Johannes Bonnekoh

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