Demographie-Experte Reinhard Loos referiert bei den Grünen

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Fachmann für Demographie: Reinhard Loos.

ALTENA - Einnahmen, Ausgaben, Kassenbestand am Jahresende und neben dem Bericht des Kassiers natürlich noch der des Vorsitzenden – das ist in diesen Tagen in nahezu allen Altenaer Vereinen Routine.

Nicht so bei den Grünen. Die schenkten sich diese Formalien bei ihrer Mitgleiderversammlung am Montagabend im Lennestein. Die Tagesordnung begann mit dem Bericht der Kassenprüfer, Zahlen wurden darin nicht genannt. „Die Kasse ist voll“ – das war’s, was der alte und neue Vorsitzende Oliver Held zur finanziellen Situation des Ortsvereins mitteilte.

„Altena ist ein dunkler Fleck auf der Karte“ – dieses Statement von Reinhard Loos war nicht etwa auf die etwas unorthodoxe Vorgehensweise der Gastgeber gemünzt. Der Referent des Abends befasste sich vielmehr mit der demographischen Entwicklung der Burgstadt – „Altena ist eine der demographisch interessantesten Städte überhaupt“, berichtete er den Altenaern. Das ist allerdings ein zweifelhafter Ruhm: Bekanntlich hat kaum eine andere Stadt einen derartig hohen Einwohnerrückgang zu verzeichnen. Loos beschäftigt sich beruflich mit Fragen der Bevölkerungsentwicklung. Er war es, der für die Bertelsmann-Stiftung jene Prognose entwickelte, nach der Altena im Jahr 2030 nur noch etwa 13200 Einwohner haben wird.

Natürlich fragt sich nach dieser niederschmetternden Analyse halb Altena, ob und wie das zu verhindern ist. Loos vermied es, irgendwelche Hoffnungen zu schüren – es sei noch nie gelungen, solche Trends wirklich umzukehren, sagte er. Vier Faktoren beeinflussen die Einwohnerentwicklung einer jeden Stadt: Geburten, Todesfälle, Zuzüge und Wegzüge. Loos blickte weit zurück und erinnerte an die frühen 60er Jahre, als im Bereich des heutigen Stadtgebietes noch 600 Kinder im Jahr geboren wurden. Aktuell sind es noch 100, die Zahl der Todesfälle liegt etwa doppelt so hoch.

Das weitaus größere Problem sind nach Ansicht des Experten aber die Wanderungsbewegungen. Es sei ziemlich einmalig, dass in Altena aus allen Altersgruppen mehr Menschen weg- als zuzögen. Ein wesentlicher Grund dafür sei die Urbanität, also der Hang vieler Menschen, lieber in größeren Städten zu wohnen. Trotz unbestrittener Vorteile wie niedrigen Mieten und guter Anbindung per Bahn könne Altena diesem Trend nicht wirklich was entgegen setzen. Deshalb sei für die Stadt vor allem eines wichtig: Sie müsse sich rechtzeitig auf eine weiter sinkende Einwohnerzahl einstellen. „Neubaugebiete sollten sie nicht mehr ausweisen“, riet Loos. Interessant waren seine Ausführungen darüber, wie Statistik durch verschiedene Faktoren beeinflusst wird. In der Fachwelt herrsche weitgehende Einigkeit darüber, dass Unna eine zu hohe Einwohnerzahl melde – eine Folge des Übergangswohnheims in Massen. Wer dort eingezogen sei, sei in die Einwohnerstatistik aufgenommen worden, abgemeldet habe sich nach einem Umzug aber bei weitem nicht jeder Bewohner. Zu Verschiebungen führte auch die Zweitwohnsitzsteuer vieler Großstädte. Allein der Stadt Koblenz verschaffte sie auf einen Schlag 900 neue Einwohner. - ben

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