Datenschutz auch für Verstorbene

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Ohne Namen keine Beerdigung – manchmal erinnern auf den kirchlichen Friedhöfen nur kleine Plaketten daran, wer dort bestattet wurde. Bei den von der Stadt bezahlten Beerdigungen am Krematorium in Lüdenscheid ist das anders.

Altena - Die Kirchen gedenken einmal mehr der Menschen, die einsam gestorben sind – datenschutzrechtlich ein dünnes Eis. „Wir bekommen die entsprechenden Daten von der Stadt“, erklärte gestern Pfarrer Dr. Dietmar Kehlbreier von der Evangelischen Gemeinde.

Von Thomas Bender

Klaus Peter Trappe bestätigt das: Regelmäßig geben er und seine Mitarbeiter die Daten jener Altenaer weiter, die „ordnungsbehördlich“, also auf Kosten der Steuerzahler, beerdigt worden sind, weil es keine Angehörigen gibt und auch das Geld für die Beerdigung nicht vorhanden ist. Das ist immer öfter der Fall.

Wenn die Betroffenen nicht im Vorfeld etwas anderes verfügt haben (Trappe: „daran halten wir uns dann natürlich“), werden solche Verstorbenen in Lüdenscheid eingeäschert und anonym auf dem zum Krematorium gehörenden Begräbnisfeld bestattet. Das ist die kostengünstigste Variante – und eine, mit der weder Katholiken noch Protestanten einverstanden sind: Sie lehnen anonyme Bestattungen ab, ihnen ist es wichtig, „Verstorbene öffentlich zu nennen“, wie Kehlbreier gestern erklärte.

Aus diesem Grund findet am Freitag, 5. September, um 17 Uhr in die Friedhofskapelle Breitenhagen ein Gottesdienst statt, bei dem der Altenaer gedacht wird, die in den vergangenen zwei Jahren ohne irgendeine Trauerfeier bestattet wurden – die Namen der Betroffenen lieferte die Stadt. Sie werden im Gottesdienst verlesen und vorher öffentlich bekannt gemacht.

Und genau das hält der Datenschutzbeauftragte für das Land NRW für fragwürdig. Ein Sprecher der Behörde verwies gestern auf das Meldegesetz des Landes, das in Paragraf 32 genau regelt, welche Daten die Meldebehörde (also die Stadt) an die Kirchen weitergeben darf: Nur die der Mitglieder der jeweiligen Kirche und deren Angehörigen. Im Ordnungsamt allerdings wird nicht auf die Religion geschaut, alle ordnungsbehördlichen Sterbefälle wurden an die Kirche gemeldet – ein Fehler, wie man in Düsseldorf meint.

Allerdings: An der Kirchentür endet die Kompetenz der staatlichen Datenschützer, sie haben also keine Handhabe gegen die Verlesung der Namen im Gottesdienst am 5. September. Den Umgang der Kirche mit personenbezogenen Daten regele diese selbst, in Bistümern und Landeskirchen gebe es dazu eigene Datenschutzbeauftragte, hieß es dazu gestern beim NRW-Datenschutzbeauftragten.

Trappe zog sich gestern auf die Position zurück, dass Gedenkfeiern wie die in Altena geplante in vielen Städten üblich seien. Er habe noch nie davon gehört, dass das datenschutzrechtlich bedenklich sei. Wer nicht wolle, dass sein Name nach dem Ableben an die Kirchen weitergegeben werde, könne das ja bei Lebzeiten mitteilen. Das sei bereits in einigen Fällen geschehen und für die Behörde auch bindend, sagte Trappe.

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