„Das grenzt schon an Hysterie“

Apotheker Dirk Voss berät seine Kunden gerne über Jodtabletten und ihren Zweck. ▪

ALTENA ▪ Im Zuge der Gefahr durch einen drohenden radioaktiven Super-Gau in Japan sind auch die Altenaer verunsichert und ängstlich. Doch während vielerorts jetzt eine erhöhte Nachfrage nach Jodtabletten besteht, weil die die Speicherung von radioaktivem Jod im Körper des Menschen verhindern sollen, ist das in Altena so nicht der Fall.

„Die meisten Kunden informieren sich nur“, erklärte Apotheker Dirk Voß auf Anfrage. Besonders häufig wollten sie wissen, ob im Notfall überhaupt genug Jodtabletten vorrätig seien. Kämen in seine Apotheken am Bahnhof und am Markt besorgte Bürger, die sich einen Jodtablettenvorrat anschaffen wollten, klärte er auf. „Wir verkaufen diese Tabletten nicht für diesen Zweck“, so Voß. Denn im Ernstfall sei die darin enthaltene Jod-Dosis viel zu gering. Außerdem: „Man soll Jodtabletten nicht ohne ärztliche Verordnung, also auf eigene Faust einnehmen, denn dadurch wird das Risiko für schwerwiegende Schilddrüsenerkrankungen erhöht.“

Immens gestiegen ist aber die Nachfrage bei der Firma Graetz. Das bestätigte Uwe Rische, einer der beiden geschäftsführenden Inhaber der Altenaer Firma. Denn seit mehr als 60 Jahren werden dort Strahlungsmessgeräte gebaut und gewartet. In ganz Deutschland gibt es noch zwei weitere Firmen, die diese Technik produzieren. „Wir haben große Probleme, Material für die Produktion zu bekommen“, beschrieb Rische gestern die Situation. Von überall her und aus allen Bereichen riefen die Leute bei ihm an. „Firmeninhaber, die Mitarbeiter in Japan haben. Importeure, die die Waren auf Strahlung testen wollen. Reedereien, deren Schiffe im Pazifik fahren. Geschäftsreisende. Aber eben auch der normale Bürger, heimische Dachdecker und Installateure“, zählte Rische auf. Allo wollten Strahlungsmessgeräte kaufen. Für ihn grenzt das allerdings an Hysterie, „wir haben diese Kontamination hier nicht“. Und dabei haben die Produkte von Graetz ihren Preis. Das Gerät, das sich tatsächlich für den Hausgebrauch eignet, kostet rund 600 Euro. Und für den Kontaminationsmonitor muss eine Firma 3000 Euro investieren.

Uwe Rische weiß nicht so recht, ob er sich über die guten Geschäfte, die er momentan macht, freuen soll. Seit Japan sei alles anders, „diese Ereignisse machen ein Umdenken von uns allen erforderlich“. ▪ Von Ilka Kremer

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