Entscheidung über Betretungsverbot

Weihnachtsbesuche im Ellen-Scheuner-Haus: Belastende Situation für alle

Weihnachten im Altenheim wird in diesem Jahr anders. Auf die Feier will das Ellen-Scheuner-Haus trotz Corona nicht ganz verzichten, wird sie aber anders ausrichten als sonst.
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Weihnachten im Altenheim wird in diesem Jahr anders. Auf die Feier will das Ellen-Scheuner-Haus trotz Corona nicht ganz verzichten, wird sie aber anders ausrichten als sonst.

Petra Winkler ist merklich mitgenommen: Dass das Coronavirus ihre Pflegeeinrichtung, das Ellen-Scheuner-Haus in Altena, mit voller Wucht getroffen hat, beschäftigt sie sehr. Gerade in der Weihnachtszeit sei die Situation für Bewohner, Angehörige, Pflegedienstmitarbeitende und die Hausleitung belastend. In Nachrodt sieht es besser aus.

Altena/Nachrodt – Von den 21 betroffenen Bewohnern seien derzeit fünf im Krankenhaus. „Zwei davon sind in einem schwachen Allgemeinzustand“, sagte Petra Winkler. Drei Menschen sind im Zusammenhang mit Corona bislang gestorben.

Momentaufnahme

Die infizierten Bewohner, die weiter im Scheuner-Haus versorgt werden, seien ebenfalls geschwächt. Zum Zeitpunkt der Nachfrage sei jedoch keiner in kritischem Zustand gewesen. „Das ist aber immer nur eine Momentaufnahme“, betont Petra Winkler. „Es kam schon vor, dass man das Gefühl hatte, dass der Allgemeinzustand unkritisch sei, sich dann aber innerhalb kurzer Zeit die gesundheitliche Verfassung stark verschlechterte.“

Covid-19 unberechenbar

Erst zu Beginn der vergangenen Woche war ein solcher Fall bekannt geworden, der zeige, wie unberechenbar Covid-19 ist: Ein 93-Jähriger war im Ellen-Scheuner-Haus gestorben. Er hatte sich zwar bereits in der Palliativpflege befunden, war jedoch in vermeintlich unkritischem Zustand gewesen.

„Dem Mann ging es morgens noch gut, er hat gut gegessen“, sagte Pflegedienstleiterin Kornelia Tymoszuk über den 93-Jährigen. „Ein paar Stunden später ist er verstorben. Der Gesundheitszustand einzelner Bewohner ändert sich von Stunde zu Stunde.“ Es sei daher kaum möglich, eine zuverlässige Einschätzung zur Verfassung der Infizierten zu geben. „Es wäre vermessen zu sagen, wir wüssten, wie gut es den infizierten Bewohnern wirklich geht“, sagt Winkler.

Auch Mitarbeiter betroffen

Der Pflegedienst beobachte die Betroffenen genau. Zweimal täglich werde zum Beispiel ihre Sauerstoffsättigung gemessen, wie Kornelia Tymoszuk erläuterte. Betroffen sind Bewohner inzwischen in nahezu allen Wohnbereichen. „Wir hätten nicht erwartet, dass uns Corona mit dieser Härte trifft“, so Winkler. Die ersten bestätigten Infektionen hatte es Ende November in Wohnbereich 8 gegeben, von wo aus sich das Virus scheinbar ausbreitete. Neben 21 Bewohnern sind auch 15 Mitarbeitende betroffen.

Nachrodter Einrichtung verschont

Das Perthes-Pflegeheim in Nachrodt, das Petra Winkler ebenfalls leitet, ist dagegen derzeit vollständig coronafrei. Lediglich im August hatte es einen Infizierten gegeben, der nach einem Krankenhausbesuch positiv getestet worden war. Dabei sei es bislang geblieben, sagt Winkler. „Toi, toi, toi...“

Damit eine Infektion einigermaßen schnell erkannt werden kann und sich nicht so stark ausbreitet, gibt es die sogenannten PoC-Schnelltests, die in regelmäßigen Abständen von geschultem Pflegepersonal bei den Bewohnern gemacht werden. Getestet wird auch in den Perthes-Einrichtungen in Nachrodt und Altena sowohl vorsorglich als auch bei Symptomen. In Altena teste man beispielsweise alle 14 Tage die Bewohner und die Belegschaft, erläuterte Kornelia Tymoszuk. Die Teststrategie werde sich aber vermutlich noch einmal ändern, so Petra Winkler. Der zentrale Krisenstab der Perthes-Stiftung arbeite derzeit an einem neuen Konzept.

Betretungsverbot

Für das Scheuner-Haus gilt noch bis zum 22. Dezember ein Betretungsverbot, das der Märkische Kreis verhängt hat. Es dürfen auch keine neuen Bewohner aufgenommen werden. Falls das Betretungsverbot bestehen bleibt, würde das bedeuten, dass die Bewohner auch über Weihnachten keinen Besuch von Angehörigen empfangen dürfen. Eine Entscheidung über Verlängerung oder Aufhebung des Verbotes soll in dieser Woche fallen.

Entscheidend ist dafür, wie die nächsten Testergebnisse ausfallen. Am heutigen Montag soll eine weitere Massentestung stattfinden. Um Weihnachten trotz der Situation in diesem Jahr zu einem Erlebnis zu machen, hat sich Petra Winkler etwas einfallen lassen. Unter anderem soll es ein Weihnachtsessen geben, das für die Bewohner schön angerichtet wird. Das gemeinsame Speisen in großer Runde werde wohl ausfallen. Winkler hat eine Andacht vorbereitet, die sie über die Anlage des Hauses halten will. „Und wir werden Geschenke an die Bewohner verteilen. Natürlich macht mich die Gesamtsituation nicht froh, aber wir befinden uns in einer Pandemie-Situation, in der wir uns zurecht finden und vor Ort das Beste daraus mach

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