Die Daktiker: Lehrerkabarett profitiert von der Bildungspolitik

Das ist die Krönung: Dank des Reformeifers der Bildungspolitiker steigert sich das Lehrerkabarett „Die Daktiker“ von Jahr zu Jahr.Foto: Hornemann

ALTENA -  Das Leben am Adolphinum ist härter geworden. Das Traditionsgymnasium ist rauchfrei, übervölkert mit Inklusionsschülern und Kindern mit diagnostisch anmutenden Namen wie Kevin und Dustin. Kollege Krick will nur noch weg. Ab in den Ruhestand. Dem Schreckgespenst entkommen, das dem Adolphinum bevorsteht: Der bevorstehenden Fusion mit der Gesamtschule. Man merkt: Die Daktiker sind wieder da.

Die Bildungsreform hat Deutschlands beliebtestem Lehrer-Ensemble massenhaft Stoff geliefert, den sie an diesem Samstagabend vor 130 Zuschauern in der Burg Holtzbrinck präsentieren. Die anfängliche Durchsage nach dem Schulgong richtet sich an den traditionell großen Lehreranteil im Publikum: Handys bitte anlassen! Pädagogen haben ab sofort 24 Stunden auf Abruf zu stehen für Elterngespräche. Sollte während der Vorstellung ein Anruf eintreffen, bitten die Daktiker um einen diskreten Hinweis. Die Vorstellung wird dann unterbrochen…

So kann’s gehen im Kampf um die Schülerzahlen. Auch das Adolphinum kämpft mit den Empfehlungen der Kollegen von der Grundschule. Kollege Müller-Liebenstreit (Hermann-Josef Skutnik) hat schon die Bewerbung für den Auslandsschuldienst auf Mallorca getippt. Als ein dubioser Headhunter aus Bayern um die Schule herumschleicht, ist die Versuchung groß, im vermeintlichen Bildungsparadies anzuheuern. Ein Hindernis ist nur die Gewerkschaftsmitgliedschaft…

Auch Krick (Hans-Peter Königs) hat die Schnauze voll und liebäugelt mit dem Vorruhestand. Was ist nur aus seinem Adolphinum geworden? Tuten- und Bläserklasse statt ,,Jugend dirigiert”. Ein Teil der Mensa ist mit Flatterband abgetrennt, weil das Gymnasium die EU-Fördergelder für das Gütesiegel ,,meditative Schule” einstreichen will. Und in der Mensa hält sich das Kollegium nicht mehr an die klassische Sitzordnung A14, A13, Angestellte. Vielleicht weiß ja der pensionierte Rekrut Dr. Bast Rat, der aufgrund des Personalmangels zurückgekehrt ist. Entsetzen macht sich auch bei den Kollegen Laß (Andreas Boxhammer) und Lengowski (Brigitte Lämbgen) breit, als das Schulamt über den Schulversuch informiert: Zur bevorstehenden Fusion werden Kollegen der Herbert-Wehner-Gesamtschule im Unterricht hospitieren. ,,Aber wir sind das Gymnasium!” betont Krick mehrfach. In der ersten Deutschstunde mit Hospitation in der 10B zeigt Krick dem minderwertigen Pädagogenabschaum ganz klar, wo der Hase langläuft. Es steht viel auf dem Spiel für das Kollegium: Vor allem die anstehenden Beförderungen!

Den Schulalltag beleuchten die Daktiker im neuen Konfusionsprogramm aus vielerlei Perspektiven. Gedanken machen sich alle, natürlich auch der frisch zum technischen Gesamtleiter beförderten Hausmeister. Musikalisch in Erscheinung tritt das Ensemble nun in Form der Tuten-und Blasen-Arbeitsgemeinschaft. Die schiefen Gesänge der Verzweiflung heimsen den Daktikern jede Menge Applaus ein. Geschickte Szenen- und Rollenwechsel zeichnen ein rundes Bild vom Adolphinum. Auch der nichtpädagogisch geschulte Publikumsanteil ahnt es deutlich: Schule ist nicht mehr das, was sie mal war. Vor dem Hintergrund, das kein Daktiker im echten Leben fachfremd ist, zündet jede Spitze im Programm doppelt.

Man kann sich prächtig aufregen über die Beschlüsse der Bildungsministerien, die Integration der AD(H)S-Kinder und die Installation von Schulmodellen. Spätestens bei einem Besuch der Daktiker weiß der Zuschauer, das im Leben doch alles einen Sinn hat. Und wenn es nur der ist, sich köstlich über diese Probleme zu amüsieren.

von Ina Hornemann

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