Lkw blickt in den Untergrund

Bis auf wenige Ausnahmen in kleinen, engen Straßen soll das ganze Dahler Straßennetz überprüft werden. - Archivfoto: Töpel

Altena -  Als Einstieg in künftiges Straßenmanagement soll in Dahle bald Zukunftsmusik gespielt werden. Erwartet wird der „Straßen-Tüv“ – natürlich ist diese Bezeichnung nicht grundlegend korrekt, aber sie deutet an, worum es gehen wird.

Mit einem speziellen mobilen Messverfahren wird dabei ermittelt, in welchem Zustand die Straßen in ihrem Inneren bzw. im Untergrund sich tatsächlich befinden. Zunächst werden die rollenden Messungen in Dahle stattfinden. Das sei aber durchaus als Pilotprojekt für das gesamte Stadtgebiet zu verstehen, berichtet Marvin Berg, Tiefbauingenieur bei der Abteilung Planen und Bauen im Rathaus. Am Ende sollen umfangreiche Erkenntnisse darüber vorliegen, wann bei welcher Straße eine Sanierung oder ein Neuaufbau erforderlich werden dürfte. Die Messungen werden vom Tüv Rheinland mit einem speziell ausgerüsteten Lkw vorgenommen, der in langsamer Fahrt die einzelnen Straßen zahlreichen Messungen unterzieht. Bezahlt wird das Vorhaben im Übrigen von der Gemeindeprüfungsanstalt, die das Verfahren auch vorgeschlagen hat.

Erhoben werden die Daten mit Hilfe der sogenannten Benkelman-Messung. Zur Erklärung: Der Benkelman-Balken ist ein Messgerät im Straßenbau, mit dessen Hilfe die Tragfähigkeit einer Straßenbefestigung ermittelt werden kann. Die Messmethode beruht darauf, dass durch eine Last eine (minimale) Einsenkung auf der Fahrbahnoberfläche erzeugt wird und nach Entfernen der Last wieder „zurückfedert“.

Das Messverfahren hat es in sich: Auf die zu untersuchende Fläche (Messpunkt) wird ein zweiachsiger Lkw mit zwillingsbereifter Hinterachse gefahren. Zwischen die Zwillingsreifen eines Rades wird der Tastarm des Benkelman-Balkens auf die Fahrbahnoberfläche gelegt und der Messwert festgehalten. Anschließend bewegt sich der Lkw fünf Meter vorwärts und der Messwert des Benkelman-Balkens wird erneut abgelesen. Aus der Differenz beider Messwerte ergibt sich die maximale „Rückfederung“. Dabei muss immer die Oberflächentemperatur berücksichtigt werden; bei Frost werden keine Messungen vorgenommen.

Eine andere Messmethode ist die rollende: Von größter Bedeutung ist auch hier die Ermittlung der Tragfähigkeit des Straßenuntergrundes. Dazu fährt ein Spezialfahrzeug über die Straße und „blickt in die Tiefe“. Auf 1000 Metern Fahrbahn werden dabei etwa 600 Messpunkte ermittelt. Aufgrund der Ergebnisse wird der Straßenzustand abschnittsweise einer Klasse zugeordnet, die aussagt, welche Sanierungsmaßnahme erforderlich ist.

Tiefbauingenieur Marvin Berg verweist auf die Vorteile dieser Messungen. Das vergleichsweise aufwendige Entnehmen von Bohrkernen liefere lediglich Stichproben und sei daher vergleichsweise unpräzise. Auch eine Inaugenscheinnahme sei nur bei bereits sehr beschädigten Fahrbahnen vielversprechend. „Bei der Messung erfährt man, was wirklich im Untergrund los ist.“

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