„Doschmosch“ mit Hänsch

Die Gitarre darf nicht fehlen und „Sauerland“ wird auch gespielt. Dass Zoff-Frontmann Reiner Hänsch aber auch literarische Qualitäten hat, stellte er bei seiner Lesung im Möbelhaus Lechtenbrink eindrucksvoll unter Beweis. -  Foto: Hornemann

Altena -  Reiner Hänsch nimmt sie alle mit: Von Dahle aus nach Koh Samui. Da, wo der Sauerländer hinfährt, wenn er ,,die Faxen dicke” hat - und das Reisebüro über Weihnachten nichts anderes mehr anbieten kann.

Reibungslos läuft das nicht, denn auch Menschen aus anderen Regionen der Bundesrepublik haben diese Idee. Mit Genugtuung hören 90 Zuhörer im Möbelhaus Lechtenbrink, dass der Sauerländer von allen der beste Menschenschlag ist.

Dass der Musiker und Autor in seiner Karriere viel rumgekommen ist, kann man sogar beim Lesen von ,,Die Faxen dicke” hören. Lautsprachlich hat er seinen neusten Roman verfasst. Anders lässt sich die Urlaubsodyssee der Familie Knippschild gar nicht in Worte fassen. Unterwegs sind die drei liebenswerten Sauerländer unter anderem mit Sachsen und Bayern.

Das ist nicht die einzige Sprachbarriere, die Reiner Hänsch in seinem Werk eingebaut hat. Weil’s nach Koh Samui geht, kommen die Tücken eines fiesen Thai-Englischs hinzu. Familie Knippschild verbringt die vermeintlich schönste Zeit des Jahres unter dem Namen ,,Nippsi”.

Solchen Feinheiten bauen in ,,Die Faxen dicke” einen ähnlich hohen Spannungsbogen auf, wie in einem blutrünstigen Krimi. Sterben muss im Laufe der Handlung aber nur eine: Die Omma aus jener Familie, der die Knippschilds ihren Last-Minute-Storno-Urlaub überhaupt zu verdanken haben, wie Alex, Steffi und Sohn Max erfahren. Körperlich leiden müssen die Protagonisten dennoch: Die Eisbombe, die das Hotel seinen Gästen als Entschädigung für verregnete Tage serviert, schlägt voll ein. Eine schlimme Magen-Darm-Epidemie bricht über die Ferienanlage herein. ,,Wolter und Äriko” aus Sachsen bringen es auf den Punkt: ,,Doschmosch”.

Reiner Hänsch beherrscht sämtliche Dialekte, die er im Buch durch den Kakao zieht, perfekt. Wie Hape Kerkeling entführt er sein Publikum in die sprachlich interessantesten Ecken Deutschlands. ,,Ich schaffe es zuhause auch, einen ganzen Tag zu sächseln”, verrät er. Gern passiert so was in der Entstehungsphase eines neuen Buchs. Seine Frau schimpft dann: ,,Lass das! Das bleibt so!”

Weil der Autor seine Berühmtheit allerdings als Musiker erlangt hat, kann er auch während einer Lesung nicht ganz auf die Gitarre verzichten. Jedem Rhythmus, den er an diesem Mittwochabend nach Dahle mitgebracht hat, gibt er einen Namen. Jede Melodie ist an die tückischen Themen des Buchs angelehnt. Und weil darin auch ein Freddy-Quinn-Medley vorkommt, bringt Reiner Hänsch auch dieses Best of. Der Gast ermutigt das Publikum zum Einstimmen. Ein Teil schafft es, der andere muss sich am Stuhl festhalten, weil Hänsch gar gleichzeitig das rollende R und die sächsische Vokalzauberei anwendet, um gute Stimmung zu verbreiten.

,,Junge, komm bald wieder!” - das wünschen sich die Zuhörer von Herzen, als Reiner Hänsch sie nach zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung in den Abend entlässt. Natürlich muss er wiederzukommen ins Sauerland, wo die Mädchen noch wilder als die Kühe sind. Den schönsten aller Zoff-Hits enthält der Gast seinem Publikum nicht vor. Alle stimmen begeistert ein und hören mit Freude, dass es ein Wiedersehen geben wird. Eine Fortsetzung mit Familie Knippschild ist in Arbeit. Das Publikum schlägt aber erst mal bei Teil eins zu, lässt sich die Bände vom Autor signieren und spendet auch ein paar Euros in die Sammelbüchsen, die Familie Bußmann aufgestellt hat. Den Inhalt stellen sie für die Instandhaltung der Dahler Weihnachtsbeleuchtung zur Verfügung. Und das war erst der Auftakt zum runden Geburtstag: Das Unternehmen besteht seit 90 Jahren. - Von Ina Hornemann

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