Kindergarten-Geburtstagskinder werden regelmäßig zu „Glockenkindern“

Dahler Glocken läuten häufig

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Seit 1965 läuten in Dahle vier von der Firma Rincker gegossene Bronzeglocken. Ihre Gewichte, so sagte es beim Besuch des Turms in 34 Meter Höhe Pfarrer Uwe Krause (oben rechts), schwanken zwischen 1100, 750, 540 und 340 Kilogramm

Altena - „Glocken verbinden Christen im Gebet und laden ein!“ – Das sagt Uwe Krause, Pfarrer der ev.-reformierten Gemeinde zu Dahle. „Und ja“, fügt er an, „bei uns in Dahle läuten die Glocken öfter. Wir haben uns den dörflichen Charakter der Läutetradition bewahrt.“

Themenwechsel: Etwas aufgeregt ist Moritz, 4, schon. Das Kindergartenkind der ev. Einrichtung hatte vor ein paar Tagen Geburtstag. Und deshalb kommt auf den jungen Mann etwas Besonderes zu. Im Rahmen der Kinderkirche am Mittwoch wird er zum Glockenkind. „Gemeinsam mit mir darf Moritz heute die Glocken läuten“, sagt Pfarrer Uwe Krause.

In 34 Metern Höhe hängen in Dahle die Bronze-Glocken im erst kürzlich restaurierten Kirchturm.

Gesagt, getan: Auf dem Arm des Pfarrers drückt der Vierjährige vorsichtig auf einen roten Knopf und schon ist das melodische Läuten zu hören. Mittwoch kam nur ein Kind in den Genuss dieser Aktion, nach den Ferien werden es mehrere sein, die bis dahin Geburtstag gefeiert haben, weiß Krause. 1965 schaffte Dahle vier neue Glocken an, die die Firma Rincker goss. „Ich lebe und ihr sollt auch leben“, diesen Spruch trägt die E-Glocke. „Seid wach allezeit und betet“, steht auf dem Mantel der G-Glocke, „Einer trage des anderen Last“ auf der A-Glocke und „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ auf der C-Glocke. Dahle hat eine besondere Läuteordnung.

Diese Bronzeglocke ist stattliche 1,1 Tonnen schwer.

 Sonntags wecken die Glocken das Dorf um 8 Uhr und erinnern an den Gottesdienst. Eine halbe Stunde und zehn Minuten vor dem Gottesdienst wird noch mal zum Kirchgang gerufen. Samstags, 16 Uhr, wird 15 Minuten geläutet getreu dem Wort: „Legt die Arbeit nieder, stimmt euch auf den Sonntag ein!“ Dieses Geläut erklingt auch am Werktag vor einem Feiertag - vor besonders hohen Christusfesten gibt es zudem ein besonders langes Läuteintervall. Im Gottesdienst selbst wird bei jeder Vaterunser-Bitte die Glocke geschlagen. 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr wird an den Werktagen vom Turm geläutet. Besonders ist das Kleppen um 9 Uhr.

Wenn morgens um 9 Uhr nach dem Stundenschlag in Dahle „gekleppt“ wird (das Foto zeigt den schweren Glockenschlegel), ist dies die Aufforderung zum Gebet für ein verstorbenes Gemeindemitglied.

Dann wird vom Turm akustisch „verkündet“, dass ein Gemeindemitglied verstorben ist. Pfarrer Uwe Krause: „Die Glocken sind über das Dorf hinweg zu hören. Sie begleiten das Gemeindeleben von der Wiege bis zur Bahre.“

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