Fußballer-Eltern schlagen sich

Verhandlung vor dem Amtsgericht.

ALTENA -  Eine Spitzenbegegnung der D-Jugend stand am 4. Dezember auf dem Spielplan der Fußballer des VfB Altena: Die Zehn- bis Zwölfjährigen trafen im Reinecke-Stadion am Pragpaul auf den Nachwuchs von Rot-Weiß Lüdenscheid.

Den Schiedsrichter stellte nach üblichem Verfahren die Gastmannschaft. Der Protest über seine Pfiffe von Seiten der Altenaer war dabei so laut, dass der sogenannte Unparteiische schon zur Pause ausgewechselt wurde. Das Spiel endete schließlich 4:3 für die Lüdenscheider, möglicherweise auch 5:4. Die Zeugen erinnerten sich im Amtsgericht Altena nurmehr, dass es knapp gewesen war. So knapp, dass das Spiel unentschieden ausgegangen wäre, wenn den Altenaern ein später Treffer nicht aberkannt worden wäre. Zusätzlich aufgeheizt wurde die Stimmung dadurch, dass zwei Minuten lang darüber verhandelt wurde, ob der letzte Treffer gegeben werden könne.

Im Amtsgericht Altena wurde aber nicht darüber, sondern über eine Körperverletzung verhandelt. Ein 23-jähriger Anhänger der VfB-Kicker sollte einem 47-jährigen Schalksmühler, der wohl eher dem Lager der Rot-Weißen zuzuordnen war, einen Faustschlag gegen den Kopf versetzt haben. Der Geschädigte bestätigte die Anklage: „Er kam angeflogen.“ Eine knallrote Wange, Schmerzen im Kiefer und leichte Kopfschmerzen seien die Folge des Schlages gewesen. Der 23-Jährige wehrte sich:

Er habe den 47-Jährigen nicht angegriffen, sondern diesen lediglich daran gehindert, auf einen 75-jährigen Altenaer loszugehen. Er könne nicht ausschließen, dass er den Geschädigten dabei aus Versehen im Gesicht getroffen habe. Diese Version der Geschichte wurde von dem 75-Jährigen nachdrücklich gestützt: An den Vorwürfen gegen den Angeklagten sei überhaupt nichts dran, versicherte er. Der Geschädigte sei „mit hocherhobenem Arm“ auf ihn zugestürmt.

Der 23-Jährige habe diesen Schlag mit seinem Arm abgewehrt. „Er ist absolut schuldlos an dieser Geschichte.“ Auch zur Spielsituation, die der Ausgangspunkt für die Tumulte gewesen war, nahm der Zeuge Stellung: „Das war ein Betrug an unserer Jugend“. Ja, die Formulierungen wurden noch deutlicher: „Beschiss“. Kein Wunder, dass der Staatsanwalt in dieser nach wie vor nicht völlig entspannten Lage eine Frage hatte: „Haben wir noch Zeugen, die neutral sind?“ Diese gab es tatsächlich, doch sie waren nicht nah genug am Geschehen gewesen, um Entscheidendes beitragen zu können.

„Ich hatte das Gefühl, gleich werden wir hier alle verdroschen“, erinnerte sich eine 48-Jährige aus Lüdenscheid. „So etwas habe ich auf dem Fußballplatz noch nie erlebt.“ Ein 62-jähriger Verantwortlicher des VfB wusste mehr von den Leidenschaften, die die Spiele des Nachwuchses bei den Eltern am Spielfeldrand auslösen: „Das fängt schon bei den Minikickern an.“

„Es mag eine körperliche Berührung in einer aufgeheizten Situation gegeben haben“, stellte Richter Dirk Reckschmidt schließlich fest und sprach den Angeklagten frei. - thk

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