Musikschulunterricht findet digital statt

Coronavirus: Proben fallen aus - nur alleine singen möglich

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Musikschulleiter Tlako Mokgadi gibt digitalen Unterricht. Das ist an der Gitarre nicht so einfach.

Altena - Tlako Mokgadi kennen viele in Altena. Der Vollblutmusiker betreibt eine Musikschule und spielt in mehreren Bands. Die Coronakrise hat sein Leben stark verändert.

Bandproben finden derzeit nicht statt. „Wir dürfen uns nicht mehr treffen“, sagt der Musiker. Aber selbst wenn es nicht verboten wäre, zu fünft in einem 40 Quadratmeter großen Probenraum könnte der Abstand von zwei Metern sowieso nicht eingehalten werden, erklärt er.

Und digital über einen Videochat zusammen proben? „Generell gibt es zwar Sofasessions, aber das setzt zum einen gutes Internet voraus und zum anderen wird eine gute Technik benötigt“, sagt Tlako Mokgadi. Und in Altena gebe es leider vielerorts noch kein schnelles Internet. So spielt der Musiker lediglich alleine zuhause, um in Übung zu bleiben.

Seinen Unterricht in der Musikschule führt er auf digitalem Weg jedoch fort. „Ich verbinde mich über eine Software mit meinen Schülern. Das ist zum Beispiel über das Handy möglich“, sagt Tlako Mokgadi. 80 Prozent seiner Schüler nehmen das Angebot an. „Auch Erwachsene über 40 haben damit kein Problem. Im Gegenteil, sie finden es super und sehen Vorteile darin“, sagt Tlako Mokgadi. Zum Beispiel, dass sie nicht rausgehen müssen und sich die Anfahrt ersparen.

Aufgefallen ist ihm auch, dass seine Musikschüler fokussierter lernen. Zum einen befassen sich einige mehr mit ihrem Instrument, da sie durch das Coronavirus nun mehr Zeit dazu haben, und zum anderen kann der Gruppen-Unterricht weniger gestört werden. Er meint damit, dass während der Videokonferenzen nur einer sprechen kann und sich daher die Schüler nicht untereinander über anderes unterhalten können. Hinzu kommt, dass jeder in seinem eigenen Pensum arbeitet, da er trotz Gruppenunterricht für sich alleine zuhause spielt. „Manchmal sind auch die Eltern bei der digitalen Unterrichtsstunde dabei. Dann sind die Schüler sowieso konzentrierter“, sagt der Musikschullehrer.

Er sieht jedoch auch Nachteile im digitalen Unterricht. „Ich finde es sehr schwierig, Gesangsunterricht aus der Ferne zu geben. Der Unterricht hat viel mit Beobachten und einem feinen Ohr zu tun. Man muss den ganzen Menschen sehen und nicht nur die Stimme hören“, erklärt er. Um das umzusetzen, müssten die Schüler eine gute Anlage und ein Mikrofon zuhause haben. Da das eher selten der Fall ist, ist er dazu übergegangen, sich ein Video von den Gesangsschülern schicken zu lassen und ihnen dann Feedback zu geben.

Schwierig sei es auch bei einigen Instrumenten wie Gitarre oder Klavier. „Nicht jeder Schüler hat ein Stativ für das Handy und dann sind zum Beispiel nicht alle Tasten vom Klavier zu sehen“, sagt Tlako Mokgadi.Besonders schwierig ist es beim Schlagzeug. Wenn dieses zu laut ist, schaltet das Mikrofon ab, schildert Tlako Mokgadi seine Erfahrungen. Er selbst benutzt in der Videokonferenz zwei Geräte, um seinen Schülern zeigen zu können, was er meint und damit sie ihn trotzdem verstehen können.

Gemeinsames Singen ist derzeit nicht möglich: Das fehlt den Sängerinnen des Frauenchors Evingsen sehr.

Ungewohnt und ein bisschen traurig ist die derzeitige Situation für den Frauenchor Evingsen. „Wir können wegen des Kontaktverbots nicht proben“, sagt Vorstandssprecherin Astrid Bösert. Eine digitale Form der Chorprobe ist nicht denkbar. Zum einen hat der Chor zu viele Mitglieder und zum anderen ist dies altersbedingt nicht möglich. Die Spanne reicht von 40 bis 80 Jahren.

„Wir haben immer wieder von Woche zu Woche gehofft, dass sich etwas ändert und wir wieder proben können“, sagt Astrid Bösert. Nun warten die Damen auf Neuigkeiten von Bund und Land am 6. Mai. Das Gemeindehaus, in dem geprobt wird, ist relativ groß. Daher sei es sicherlich machbar, mit einem ausreichenden Abstand zu proben. Ursprünglich sollte der Chor am morgigen Freitag zum deutschen Chorfest nach Leipzig fahren. Das muss ebenso wie die zahlreichen Auftritte des Chors ausfallen.

„Wir halten den Kontakt über eine Whats-App-Gruppe aufrecht“, erklärt die Vorstandssprecherin. Daher weiß sie, dass alle das gemeinsame Singen sehr vermissen. Astrid Bösert singt in der Zwischenzeit oft alleine Zuhause. „Zum Beispiel beim Putzen oder Saugen. Das sind dann Lieder vom Chor, die mir gerade in den Sinn kommen“, sagt sie. An so eine lange Zeit ohne Chorproben kann sie sich nicht erinnern.

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