Viel Aufwand für die Erzieherinnen

Maskenmann und "Corona-Mittelchen": So lief die erste Woche in der Kita

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Endlich wieder zusammen spielen: Das dürfen die Kinder jeweils einer Gruppe in der Kita St. Matthäus in Altena. Darüber freuen sich die Mädchen und Jungen nach knapp drei Monaten Zwangspause.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde - Die erste Woche mit eingeschränktem Regelbetrieb haben die Kindertagesstätten hinter sich gebracht. Die Einrichtungsleiterinnen Martina Hochstein und Katrin Bormann berichten, wie es war.

„Wider Erwarten lief alles relativ entspannt und unaufgeregt“, sagt Martina Hochstein, Leiterin der katholischen Kindertageseinrichtung St. Matthäus. Sie zieht nach einer Woche eingeschränktem Regelbetrieb ein vorsichtiges Fazit. Auch wenn seit Montag grundsätzlich wieder alle Kinder kommen dürfen, gibt es Eltern, die ihren Nachwuchs noch nicht wieder in die Betreuung schicken. In der Awo-Kita in Nachrodt-Wiblingwerde sind von den 70 angemeldeten Kindern bisher 50 gekommen, berichtet Einrichtungsleiterin Katrin Bormann.

Martina Hochstein vermutet dafür zwei Gründe: Familien, bei denen die Großeltern mit im Haus wohnen, sei das Risiko noch zu hoch. Und die Kita St. Matthäus schließt nach drei Wochen eingeschränktem Regelbetrieb am 29. Juni wieder. Dann ist Sommerpause. Katrin Bormann hat eine weitere Vermutung: „Den Juni nutzen die Familien ohne schulpflichtige Kinder oft auch, um in den Urlaub zu fahren.“ Eingeschränkter Regelbetrieb bedeutet, dass die Kinder zehn Stunden weniger pro Woche betreut werden als sonst. Wer also einen Vertrag über 45 Betreuungsstunden hat, erhält jetzt 35, wer 35 Stunden gebucht hat, 25.

„Für manche Eltern ist das eine Herausforderung, weil die Reduzierung mit den Arbeitsstunden kollidiert“, sagt Hochstein. In der Kita St. Matthäus seien zwei Familien betroffen, die inzwischen aber selbst eine Lösung gefunden hätten. Die Erzieherinnen freuen sich darüber, dass die Kinder wieder da sind. Gleichzeitig ist der Job unter den besonderen Hygieneauflagen deutlich aufwendiger geworden, sagen die Leiterinnen übereinstimmend: Flächen müssen regelmäßig desinfiziert werden, die Kinder werden beim Händewaschen unterstützt.

Aber: „Man merkt, dass die Eltern das schon mit ihren Kindern geübt haben“, sagt Bormann. „Und man merkt auch, dass das Coronavirus zu Hause thematisiert wird. Manche Kinder sagen zum Beispiel zu anderen: ‘Komm’ mir nicht so nah wegen Corona’.“ Getränke dürfen sich die Mädchen und Jungen nicht mehr selbst nehmen, Besuche in den anderen Gruppen sowie gemeinsames Spielen sind nicht erlaubt.

Die Kinder sollen nur in ihren Gruppen – beziehungsweise den sogenannten „Settings“, wie sie jetzt genannt werden – bleiben. In der Awo-Kita gibt es ein eigenes Setting für die Vorschulkinder, in St. Matthäus zwei Gruppen: eine für die 0- bis 3-Jährigen, eine für die 3- bis 6-Jährigen. „Dass sich die Kinder frei und selbstständig hier bewegen können, haben wir ihnen immer so beigebracht“, sagt Martina Hochstein. Daher sei die Neuregelung eine große Umstellung und „manchmal müssen die Erzieherinnen die Kinder einfangen“.

Glücklicherweise haben beide Kita-Leiterinnen keine Personalausfälle aufgrund der Risikogruppen zu beklagen. Auf Kante genäht ist die Betreuung personell aber trotzdem, weil einige Mitarbeiterinnen im Urlaub sind. „Krank werden darf jetzt keiner, sonst geht hier gar nichts mehr“, betont Martina Hochstein. Und Katrin Bormann sagt: „Es ist ein wahnsinniger organisatorischer Aufwand. Mit weniger Personal wäre das auf keinen Fall leistbar.“ Für die Eltern ist in beiden Kitas zu beachten, dass sie die Gruppenräume nicht betreten sollen.

In Ausnahmefällen, zum Beispiel, wenn ein Kind sich mit dem Abschied schwertut, dürfen Mutter oder Vater mit rein – aber nur mit Maske. In St. Matthäus habe es keine Tränen gegeben, sagt Hochstein. Anders war es in der Awo-Kita: „Der normale Ablauf war jetzt fast drei Monate unterbrochen. Natürlich ist es für manche Kinder schwer, sich wieder an den Kindergarten zu gewöhnen“, unterstreicht Bormann. „Mir ist es lieb, wenn die Eltern auch beim Bringen und Holen an der Tür Masken tragen“, sagt Hochstein. In der Awo-Kita ist das generell Pflicht.

Den Erzieherinnen ist es im Alltag freigestellt, für die Kinder gibt es keine Masken-Pflicht. Angst vor Masken hätten die Kinder in St. Matthäus nicht, erzählt Hochstein: „Sie kennen die Masken schon und erschrecken sich nicht deswegen.“ Sie hat auch schon lustige Situationen mit dem Mund-Nase-Schutz erlebt: „Neulich klingelte der Wasserlieferant an der Tür. Ein Kind ist hingelaufen und hat nachgeschaut. Dann kam es zu mir und berichtete: ,Da steht ein Kinderarzt vor der Tür’“, erzählt Hochstein lachend.

Mimik zu erkennen, sei für die Kinder allerdings eine riesige Herausforderung, wenn jemand eine Maske trägt. Die Awo-Kita setze deshalb auf durchsichtige Kunststoffvisiere, erklärt Katrin Bormann. Die Vermutung, dass im Kindergarten nicht überall Abstand zueinander gehalten werden kann, hat sich gerade bei den ganz jungen Kindern bestätigt. Und beim Spielen werde es nach einer Zeit einfach vergessen. Apropos Spielen: „Wir werden hier in der Kita wohl die Ersten mit einem Impfstoff sein“, sagt Katrin Bormann. „Die Kinder mischen sich Corona-Mittelchen zusammen.“ Das Thema beschäftige eben alle – und nicht nur die Erwachsenen.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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