Lange Schlangen

Ansturm auf Gratis-Masken in Apotheken - und viel Kritik

Masken-Ausgabe: Silvia Wiechel, PTA und Qualitäts-Management-Beauftragte der Burg-Apotheke in Altena, gibt drei FFP2-Masken aus.
+
Masken-Ausgabe: Silvia Wiechel, PTA und Qualitäts-Management-Beauftragte der Burg-Apotheke in Altena, gibt drei FFP2-Masken aus.

Lange Schlangen vor den Apotheken: Der Ansturm war riesig auf die Gratis-FFP2-Masken für Risikogruppen. Unter den Apothekern gibt‘s Kritik und eine Befürchtung.

Altena/Nachrodt – „Haben Sie die Masken?“, ruft ein Mann an der langen Schlange vorbei in die Lenne-Apotheke in Nachrodt. „Sonst muss ich ja nicht anstehen.“ Er muss. Früh begann am Dienstag (15. Dezember) der Ansturm auf die kostenlosen FFP2-Masken. Und nicht überall war die Stimmung deswegen grandios.

Die neue Verordnung, an Risiko-Patienten ab 60 Jahren drei kostenlose FFP2-Masken auszugeben, ist für Apothekerin Dietlind Bauerfeind von der Burg-Apotheke in Altena „eine logistische Herkules-Aufgabe“. Zeitweise bildeten sich auch meterlange Schlangen vor der Apotheke an der Kirchstraße.

Appell an Kunden: „Nicht gleich in Apotheke stürmen“

„Wir Apotheker geben unser Bestes und appellieren an unsere Patienten, etwas Geduld zu haben und nicht gleich am ersten Tag die Apotheken zu stürmen“, sagt Bauerfeind. Ratsam sei es, seine Masken in der Apotheke abzuholen, in der man Stammkunde ist, „weil wir die Personen und ihre Krankengeschichten kennen. Wenn nicht, müssen wir herausfinden, ob alles seine Richtigkeit hat“, sagt Bauerfeind.

Das ist es übrigens auch, was den Apothekern Bauchschmerzen bereitet. Möglich wäre nämlich, dass ein Kunde nicht nur in einer Apotheke die Masken haben möchte, sondern womöglich in mehreren. Bauerfeind nennt das „Freibier-Effekt“. Kollegen hätten ihr in Gesprächen gesagt, dass sie diese Sorgen teilen.

Datenschutz und Aufwand bleibt an Apotheken hängen

Der Gesetzgeber schreibt zwar vor, dass man beim Apothekenbesuch seinen Personalausweis vorlegen muss und dass Name und Anschrift festgehalten werden können, aber auch das ist natürlich ein riesiger Aufwand. „Und“, fragt Bauerfeind, „wer kontrolliert das am Ende? Wie ist das mit dem Datenschutz?“ Damit liege viel Verantwortung bei den Apotheken.

Außerdem gilt: Die Apotheken können nur die Schutzmasken verteilen, die sie auf dem Markt beschaffen können. Auch das geht nicht an einem Tag.

Apotheken müssen sich selbst um Masken kümmern

Ab Januar 2021 sollen laut Gesetz berechtigte Patienten in einer zweiten Verteilphase mit weiteren zwölf FFP2-Masken versorgt werden. Dann kommen erstmals die Krankenversicherungen ins Spiel. Die stellt Coupons oder Berechtigungsscheine aus, die für zweimal je sechs FFP 2-Masken gelten. Kunden müssen dann für sechs Masken zwei Euro Eigenanteil leisten.

Apothekerin Jaqueline Daly findet die Ausgabe der FFP2-Masken grundsätzlich sehr gut, steht voll und ganz hinter Aktion. Und trotzdem ist sie wütend. „Wir sind am Freitagabend per Email informiert worden, dass wir uns selber um die Masken kümmern müssen. Wir haben keine von Herrn Spahn bekommen und werden auch sicher keine bekommen. Es ist unser eigenes unternehmerisches Risiko. Und ich habe bis heute noch nicht erfahren, wie viel Geld es überhaupt gibt. Es gibt zwar Referenten-Entwürfe, aber Genaues wissen wir nicht.“

Unbürokratische Hilfe für Lenne-Apotheke in Nachrodt

Zunächst einmal treten die Apotheker also in Vorleistung, ohne zu wissen, wie die Aktion finanziert wird und wie viele Masken sie wirklich benötigen. Und dabei geht es nicht um ein paar hundert Stück.

In der Lenne-Apotheke in Nachrodt versichern die Kunden mit einer Unterschrift, dass sie nicht schon in anderen Apotheken die FFP2-Masken geholt haben.

„Ich habe Gott sei Dank einen Anbieter, der mir jetzt ganz unbürokratisch Masken geschickt hat“, erzählt Jaqueline Daly, während eine Kundin eine Selbstauskunft für die Ausgabe der Masken in der Nachrodter Apotheke ausfüllt.

Kunden müssen Unterschrift leisten

„Mir ist die Maske sehr wichtig. Man hat ein besseres Gefühl, denn wir sind nur noch in Sorge. Mein Mann ist Risikopatient und ich auch“, erzählt die Nachrodterin. Mit ihrer Unterschrift versichert sie, dass sie noch keine Masken auf Grundlage der Schutzmaskenverordnung in einer anderen Apotheke bekommen hat, 

Denn auch Jaqueline Daly vermutet, dass jetzt die Apotheken abgeklappert werden. „Ich hatte heute auch schon viele Kunden, die ich zuvor noch nie gesehen habe“, erzählt die Nachrodter Apothekerin. Ihr Telefon steht nicht still, sie kommt mit ihren Mitarbeiterinnen gar nicht mehr zum „normalen Job“. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare