Corona

Kirchen erreichen immer mehr Leute - auf ganz neue Weise

Online-Gottesdienste: Darauf setzt die evangelische Kirchengemeinde Altena.
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Online-Gottesdienste: Darauf setzt die evangelische Kirchengemeinde Altena.

Die schlechte Nachricht: Mindestens bis Ende Januar wird es in keiner Kirche Altenas Präsenzgottesdienste geben. Die gute Nachrichten: Die Kirchen erreichen immer mehr Leute auf neue Weise.

Altena – „Die strikten Kontaktverschränkungen lassen es nicht zu, dass wir Gottesdienste feiern.“ Das sagt Ulrich Schmalenbach, Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Matthäus. Er liegt damit auf einer Linie mit seinen protestantischen Kollegen. Präsenzgottesdienste wird es wenigstens bis Ende Januar in keiner Altenaer Kirche geben.

Carsten Menzel, Presbyter der Evangelischen Gemeinde Altena, befürchtet sogar, dass es noch länger dauern kann: „Hoffen wir mal, dass wir Ostern wieder gemeinsam Gottesdienste feiern können.“ Neben den Gottesdiensten haben alle Gemeinden auch die Zusammenkünfte von Gruppen wie etwa der Frauenhilfen oder der KFD bis auf Weiteres abgesagt.

Beerdigungen: Ganz kleiner Kreis

Beerdigungen finden natürlich weiterhin statt. In den evangelischen Gemeinden dürfen dazu auch die Kirchen geöffnet werden, allerdings müssen strenge Hygieneauflagen beachtet werden. Beispiel Mühlendorf: Allerhöchstens 40 Leute dürfen bei einer Beerdigung in der Kirche sein.

Die genaue Zahl hängt davon ab, aus wie vielen Haushalten die Trauergäste kommen. Die Erfahrung zeige, dass Beerdigungen momentan nur im kleinen Kreis stattfinden, sagt Menzel. Die Kapellen der katholischen Friedhöfe bleiben geschlossen, Trauerandachten gibt es nur am Grab – und damit unter freiem Himmel.

Allianz-Gebetswoche: digitale Gottesdienste

Vor allem in der Rahmede ist die evangelische Allianz, der neben der Amtskirche auch die freikirchlichen Gemeinden angehören, eine feste Größe. Einmal im Jahr ist Allianzgebetswoche. Es gibt dann jeden Abend Veranstaltung, die Veranstaltungsorte wechseln. Bei der Allianzgebetswoche 2021, die am Sonntag begonnen hat, ist das natürlich nicht möglich.

Es gibt stattdessen digitale Gottesdienste aus der Friedrichskirche (10. Januar) und aus der Kirche Oberrahmede (17. Januar). Ansonsten verweisen die Gemeinden aus der Rahmede auf die Angebote der evangelischen Allianz Deutschland im Internet. (www.ead.de)

Offene Kirchen für stille Einkehr

Die Lutherkirche ist an jedem Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet und bietet die Möglichkeit zur stillen Einkehr und zum Gebet. Die Friedrichskirche in der Rahmede öffnet jeden Mittwoch von 16 bis 17.30 Uhr. Die katholischen Kirchen St. Matthäus und St. Josef (Nachrodt) sind sogar täglich geöffnet, und zwar von 9 bis 17 Uhr. Eine Besonderheit gibt es am Dienstag, 12. Januar: An diesem Tag macht die Monstranz mit den Hostien (die den Leib Christi verkörpern und für die Katholiken das „Allerheiligste“ darstellen) in Altena Station und steht am „Tag der ewigen Anbetung“ am Altar von St. Matthäus.

Distanzunterricht für Konfirmation


Distanzunterricht erfahren junge Protestanten nicht nur in der Schule, sondern auch in der Vorbereitung auf ihre Konfirmation. Das Unterrichtskonzept werde entsprechend umgestellt, kündigte Pfarrer Uwe Krause für die evangelischen Gemeinden Evingsen und Dahle an. Die evangelischen Gemeinden in Altena arbeiten bei der Konfirmationsvorbereitung eng zusammen.

Hausbesuche: Anlass entscheidend

Geburtstagsbesuche und Besuche zu Ehejubiläen sind wegen der Bestimmungen der Corona-Schutzverordnung im Moment kaum möglich. Seelsorge, also die Betreuung von Kranken, Trauernden oder in Krisensituationen, findet weiter statt. Empfohlen wird, zunächst telefonisch den Kontakt zum jeweiligen Pfarrer zu suchen.

Hörbuchgottesdienste, Liveübertragungen von Gottesdiensten, bei denen nur der Pfarrer und das Kamerateam in der Kirche sind, Videos von Krippenspielen, bei denen die Heiligen Drei Könige auf dem Skateboard fahren: Altenas Kirchengemeinden haben sich eine Menge einfallen lassen, um wenigstens über das Internet Kontakt zu den Gläubigen zu halten.

Online-Angebote: Viel mehr Zuhörer als in der Kirche

Pfarrer Krause hat mit Mitstreitern aus den Gemeinden Dahle und Evingsen ein Weihnachtsvideo gedreht, dass fast 900 Mal angeschaut worden ist. Ausgehend von der Annahme, dass in vielen Fällen nicht nur einer vor dem Bildschirm saß, dürften die Gemeinden weit mehr als 1000 Menschen erreicht haben – mehr als normalerweise in die Gottesdienste kommen.

„Wir erreichen ja vielleicht auch Menschen, die einen Bezug zu Dahle oder Evingsen haben, aber nicht mehr hier wohnen“, sagt der Pfarrer. Man müsse aber auch berücksichtigen, dass die Dreharbeiten für so etwas sehr aufwendig seien. „Jede Woche kann man das nicht machen.“

Analoges Kirchenleben: Texte zum Mitnehmen

Ralf Ziomkowski, der sich um die Homepage der evangelischen Kirchengemeinde in der Rahmede kümmert, hat nachgehalten, dass sich der Datentransfer seit Beginn der Coronakrise mehr als verhundertfacht hat. Das Online-Krippenspiel der Evangelischen Gemeinde Altena wurde etwa 200 Mal angeklickt.

Was aber ist mit Menschen, die keinen Zugang zum Internet haben oder (zum Beispiel wegen ihres Alters) mit der neuen Technik nicht klarkommen?

Auch an die wird gedacht: An der Lutherkirche hängen immer Briefe und Texte zum Mitnehmen, die Kirchengemeinde verschickt Briefe und denkt über einen neuen Service nach, bei dem Gemeindeglieder eine bestimmte Telefonnummer wählen und den Hörbuchgottesdienst dann auf diesem Wege hören können. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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