Impfungen gegen Corona

Viel Aufwand, wenig Stoff: Hausarzt hofft auf schnelle Impfstoff-Lieferung 

Coronavirus - Impfung
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Hausärzte impfen gegen Corona - und fordern weniger Bürokratie.

Seit gut drei Wochen werden Hausärzte im MK mit Impfstoff gegen das Coronavirus versorgt. Dr. Frank Leienbach aus Altena würde sich zwei Dinge wünschen: Weniger Bürokratie und mehr Impfstoff.

Altena – Mit der Impfbereitschaft seiner Patienten ist Dr. Frank Leienbach, der gemeinsam mit Dr. Andreas Hanke eine Hausärzte-Praxis in Altena hat, sehr zufrieden. Vor etwas mehr als einer Woche habe es einen regelrechten Ansturm gegeben, als im Rahmen einer Sonderaktion in den drei Praxen, die sich im Ärztehaus an der Kirchstraße befinden, insgesamt rund 300 Impfdosen des Herstellers Astrazeneca verimpft wurden.

Dr. Leienbach hatte sich gemeinsam mit Dr. Andreas Hanke, Dr. Jörg Rönnecke, Dr. Heino Davids und Matthias Rüth an der Aktion beteiligt. Auch im Regelbetrieb könnte Leienbach deutlich mehr impfen: „Es ist schade, dass wir bisher mit so wenig Impfstoff versorgt werden“, sagt er.

Sechs DIN-A4-Bögen pro Impfung

Pro Woche erhalte seine Praxis zwischen 20 und 30 Impfdosen. „Wir könnten viel mehr Patienten impfen, aber momentan ist noch eine kleine Bremse eingebaut.“ Am benötigten Fachpersonal scheitere es nicht. Er würde sich aber wünschen, dass weniger Arbeitskraft in die Bürokratie rund um die Impfung fließen muss.

Pro Spritze seien sechs DIN-A4-Bögen auszufüllen, berichtet Leienbach. „Ich selbst muss viermal unterschreiben und der Patient auch zwei- oder dreimal.“ Im Vergleich zu anderen Impfungen, die in der Hausarztpraxis Tagesgeschäft sind, entstehe ein immenser Beratungs- und Verwaltungsaufwand. Ob das wirklich gerechtfertigt ist und sich die Corona-Impfung so sehr von anderen Impfungen unterscheide, hält Leienbach für fragwürdig.

„Schlechtes Gefühl“ bei einigen Patienten

Er berate seine Patienten natürlich gerne. In einigen Fällen sei das auch notwendig, denn gerade bei der Frage nach dem Impfstoff gebe es zum Teil Vorbehalte und Verunsicherungen. „Die Leute lesen und hören gerade viel über die Impfstoffe. Meist bleibt diffus etwas davon hängen und das führt dazu, dass sich ein schlechtes Gefühl aufbaut.“

Dr. Frank Leienbach, Hausarzt in Altena

Gerade in Bezug auf den Impfstoff von Astrazeneca spricht Leienbach von einem „Unglück“. Von vornherein sei in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt worden, dass es sich um einen Impfstoff zweiter Klasse handelt. Zuerst wegen der geringeren Wirksamkeit in manchen Altersgruppen, „was aber nur daran lag, dass es zu wenige Studienteilnehmer gab“, dann wegen Impfreaktionen und schließlich wegen der möglichen Hirnvenenthrombosen, die zu einem zeitweisen Impfstopp mit Astrazeneca führten.

„Mir selbst ist kein Fall von akuten Nebenwirkungen bei meinen Patienten bekannt“, unterstreicht Leienbach. Nach dem Aufklärungsgespräch ließen sich auch fast alle über 60-Jährigen Patienten der Altenaer Praxis mit dem Vakzin des britischen Herstellers impfen. Spritzen von Biontech/Pfizer gebe es in der Hausarztpraxis nur vereinzelt.

Bis zu 48 Impfdosen pro Praxis

Für diese Woche hofft Leienbach darauf, dass mehr Impfstoff geliefert wird. „Es soll eine größere Menge Biontech kommen.“ Zwei Millionen Dosen des Herstellers sollen in dieser Woche an die Hausärzte in Deutschland geliefert werden, das sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung maximal 48 Dosen pro Arzt in der Woche.

Unabhängig vom Impfstoff hofft der Hausarzt auch, dass die priorisierten Gruppen bald durchgeimpft sind, sodass sich spätestens im Sommer jeder impfen lassen kann, der Interesse hat. Das sei schon deshalb sinnvoll, weil sich momentan eher jüngere Menschen unter 60 Jahren mit dem Coronavirus infizierten. Im Augenblick findet es der Hausarzt aus Altena jedoch richtig, dass zuerst den besonders gefährdeten Menschen die Impfung angeboten wird.

Hausarzt erkrankt an Covid-19

Dr. Frank Leienbach erzählt, dass er sich nur drei Tage, bevor er selbst geimpft worden wäre, mit dem Coronavirus infizierte. Er habe sich „grippig“ gefühlt.

Als er Symptome für eine Infektion mit dem Coronavirus entwickelte, hat der Allgemeinmediziner einen Selbsttest gemacht. Der fiel zunächst negativ aus. Erst ein zweiter Schnelltest, den der Hausarzt machte, weil seine Krankheitssymptome nicht besser wurden, „war innerhalb von zwei Minuten hochpositiv. Daran sieht man auch, dass man sich nicht allzu sehr auf die Schnelltests verlassen sollte.“

Zwei Wochen lang Fieber

In den folgenden Wochen lag Leienbach flach. Der 63-Jährige habe eigentlich keine besonderen Risikofaktoren, berichtet er. Er sei nicht vorerkrankt, bewege sich viel. Auch das Immunsystem sei wegen seiner beruflichen Tätigkeit, bei der er viel Kontakt mit Krankheitserregern hat, normalerweise sehr stark. Und doch fiel Leienbach für vier Wochen komplett aus.

„Ich konnte selbst mit dem besten Willen nicht arbeiten, fühlte mich total schlapp“, sagt der Hausarzt. Zwei Wochen lang hatte er Fieber über 39 Grad „und heftigsten Husten“. Inzwischen gehe es ihm wieder besser. Eine Impfung habe er bis heute nicht erhalten und werde es wohl auch erst in einigen Monaten. Neue Entwicklungen der Pandemielage im Märkischen Kreis lesen Sie in unserem Live-Ticker.

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